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Atomkraftwerk Grohnde

Ende einer Ära: AKW Grohnde geht vom Netz

Nun stehen 15 Jahre Rückbau bevor
Freitag, 31. Dezember 2021

Während anderswo Menschen mit Sekt anstoßen werden, wird vielen Menschen im Atomkraftwerk Grohnde nicht nach Feiern zumute sein. Der Meiler am Weser-Ufer im Landkreis Hameln-Pyrmont geht mit dem Beginn des Neujahrstages vom Netz.

Nach fast 37 Jahren endet damit der Leistungsbetrieb des Kraftwerkes. Für die Angestellten gehe eine Ära zu Ende, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) kürzlich bei einem Ortsbesuch. Grund zur Freude haben Atomkraft-Gegner: Am 31. Dezember wollen sie in der Nähe des AKW im Rahmen einer Kundgebung dabei zusehen, wie das Kraftwerk abgeschaltet wird.

"Wir sind in erster Linie froh, dass Grohnde nun endlich vom Netz geht - auch wenn uns 15 Jahre Rückbau bevorstehen", sagte Dieter Kölkebeck vom Anti-Atom-Plenum Weserbergland (AAPW). Er sehe die Abschaltung des Kraftwerks als Erfolg der Anti-Atomkraft-Bewegung. "Wir werden auch beim Rückbau und der Endlagerung weiter mit einem kritischen Auge am Ball bleiben", kündigte er zudem an. Die Hartnäckigkeit und Ausdauer der Kritiker zahle sich aus und am Ende hätten sie gesiegt, schrieb der Verein Ausgestrahlt, der das Treffen der Atomkraftgegner am 31. Dezember ebenso wie das AAPW mitorganisiert.

Der Kraftwerksblock in Grohnde galt als einer der leistungsstärksten weltweit. Im Zuge des Atomausstiegs wird zum Jahresende auch je ein Meiler in Schleswig-Holstein sowie in Bayern abgeschaltet. Mit dem Ende der Stromproduktion beginnt in Grohnde der Rückbau des Kernkraftwerks. Bis Ende März soll der Reaktordruckbehälter frei von Brennelementen sein, wie die Kraftwerkssprecherin Maya Kushewa sagte. Außerdem sollen die kommenden Wochen und Monate genutzt werden, um den weiteren Rückbau vorzubereiten und bereits Bauteile zu reinigen. Zudem wird die Energieversorgung umgestellt, weil der Eigenbedarf nicht mehr vom Kraftwerk selbst erzeugt wird.

Von zuletzt noch rund 300 Beschäftigten des Kraftwerkbetreibers Preussenelektra sollen Ende 2022 noch 239 Menschen am Rückbau mitarbeiten, so die Sprecherin. Der Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie sei zwar richtig, sagte Umweltminister Lies. Ungeachtet dessen hätten die Angestellten in Grohnde aber großartige Leistungen beim Betrieb des AKW erbracht. Viele Mitarbeiter hätten sich mit dem Kraftwerk und ihrer Arbeit jahrelang identifiziert - entsprechend wenig euphorisch sei die Stimmung, teilte das Umweltministerium mit. In den vergangenen Wochen hatte Preussenelektra immer wieder Dankesbotschaften für die Belegschaft an einen der beiden Kühltürme projiziert.

Der eigentliche Rückbau und Abriss soll Anfang des Jahres 2023 beginnen, sobald die entsprechende Genehmigung vorliegt. "Das erste Rückbau-Großprojekt wird die Demontage der Einbauten des Reaktordruckbehälters sein", sagte Kushewa. Die gesamte Anlage werde nach und nach komplett entkernt - bis nur noch die Außenwände übrig seien. Gelten diese als nicht kontaminiert, würden auch sie schließlich abgerissen. Mindestens 15 Jahre werde der Rückbau wohl dauern.

Die Bevölkerung soll deshalb weiter mit eingebunden werden. Pandemiebedingt findet der Austausch nur online statt. Das Verfahren hält Britta Kellermann allerdings für unzureichend. Die Grünen-Politikerin ist Mitglied der "Regionalkonferenz AKW Grohnde abschalten". Die reine Onlineeinbindung, ohne die Möglichkeit einer persönlichen Erörterung wie etwa durch Videokonferenzen, berge viel Raum für Missverständnisse, sagte sie.