Corona-Branchencheck: Bierbrauer

Umsatzeinbrüche bei den Bierherstellern
Dienstag, 23. Februar 2021

Deutschlands Brauereien haben 500 Millionen Liter weniger Bier produziert, als im Vorjahr 2019 produziert. Zum Vergleich: 1 Liter entspricht 1 Mass Bier, also 500 Millionen Mass Bier weniger. Das Umsatzminus des Coronajahrs 2020 ist mehr als jemals zuvor! Und auch jetzt im zweiten Lockdown spüren Brauereien die Folgen der Schließungen.

Bsp. Brewkau – das gebraute Bier im Magdeburger Stadtteil Buckau. Seit 2015 gibt es das Unternehmen von Robert Kellermann. Vor dem Lockdown waren es 7 Mitarbeiter, nun sind es nur noch 4 "Weil wir Kollegen in Kurzarbeit schicken mussten, aber auch die Jungs und Mädels, die geringfügig beschäftigt waren entlassen mussten leider. Das war für uns der schwerste Punkt. Und dann halt, was Vertrieb angeht, war unser Kernkonzept nie groß aus Flaschen ausgelegt. Die Pandemie hat aber gezeigt, dass Flaschenvertrieb das Geschäft ist, was funktioniert.  Kellermann lässt von befreundeten Brauereinen Flaschen befüllen und um den Werksverkauf anzukurbeln verkauft Brewkau neben Bier auch Brot von einem Bäcker.

Auch vielen anderen Brauereien beklagen massive Umsatzeinbrüche sagt Huhnholz vom Deutschen Brauerbund „Es geht hoch bis zu 80 Prozent Minus, gerade bei kleineren Brauereien, weil die stark von der Gastronomie abhängig sind oder auch eigene Brauereigaststätten betreiben. Im Schnitt reden wir von einem Umsatzminus von 23 Prozent und in Sachen Bierabsatz sind wir im Schnitt bei 19 Prozent im Minus im Vergleich zum Vorjahr. Seit der Nachkriegszeit war 2020 damit das heftigste Jahr. Es drohen Insolvenzen „Noch sind viele Brauer optimistisch, sollte aber der Lockdown länger anhalten über Ostern hinaus, dann wird es viele Brauereien geben, die aufgeben müssen.“

 Literweise wurde Bier wegen der Lockdowns weggeschüttet, weil es drohte zu verfallen oder die Fässer schon geöffnet waren. „Wir haben seit dem 1. Lockdown im März zig Millionen Euro wegschütten müssen. Mitunter ging das Bier in Biogasanlagen oder wurde umgewandelt zu Bierschnaps oder Ähnlichem. Auch einige Brauereien haben ihr Bier ausgeschenkt. Wünsche von Verbrauchern nach einer Freibieraktion, sind zwar gut nachzuvollziehen, aber wegen der Kontaktbeschränkung können wir ja keinem Bier abgeben und Veranstaltungen draus machen, wenn alles andere auch nicht erlaubt ist.“

Auch bei größeren Bierunternehmen, wie etwa bei Ur-Krostitzer in Nordsachsen hat de Pandemie gravierende Spuren hinterlassen, sagt Geschäftsführer Wolfgang Welter (siehe Titelbild) „Über 20 Leute sind auf Kurzarbeit 0 im Fassbiergeschäft. Das läuft nicht mehr. Gastronomie und alle Geschäfte wo Fassbier läuft ist auf 0.“

Dafür laufe das Geschäft im Handel normal weiter, obwohl der Konsum nachgelassen habe, so Welter „Die ganzen Feiern, ob das in Stadien, in Vereinsgaststätten, in Sportstätten ist, die sind ja alle ausgefallen, das lässt sich nicht nachholen.“  Die Brauer hoffen nun auf den Sommer, wenn mit Impfungen und Schnelltests wieder etwas Normalität einkehrt.

 

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