20190423_175825.jpg

LTE-Netz mitten im Funkloch

Mobiler Sendemast für eine Woche in Siptenfelde
Dienstag, 23. April 2019

Der kleine Ort Siptenfelde im Harz ist eine Woche lang kein Funkloch mehr. Seit Dienstag tilgt eine mobile Sendestation in dem Ortsteil von Harzgerode den weißen Fleck auf der Mobilfunkkarte. «Einem kleinen Wunder gleicht es schon», sagte CDU-Fraktionsvize Ulrich Thomas zum Auftakt. Kaum sei der Mast in Betrieb, habe der Empfang vom niedrigsten Standard auf die aktuell schnellste Generation LTE gewechselt. Rund 50 Anwohner seien gekommen, um das Angebot sofort zu testen.

Die CDU im Landtag und die Firma Vetters & Freywald starteten im Harz die sogenannte Funklochstopfer-Tour, um zu präsentieren, was sie für eine Lösung gegen weiße Versorgungsflecken halten. Darum geht es:

DIE LAGE: Langsames Internet und schlechte Handyverbindungen sind seit Monaten ein Daueraufreger. Bundesweit ist Sachsen-Anhalt letzter beim Breitbandausbau. Seit September bekam die CDU im Landtag über eine von der Landtagsfraktion in Auftrag gegebenen App namens «Funklochfinder» mehr als 63 000 Mal gemeldet, wo das Mobilfunknetz schlecht bis abwesend ist.

DIE IDEE: «Nur das Problem zu beschreiben, reicht uns nicht, wir wollen Lösungen anbieten», sagte CDU-Fraktionsvize Thomas. Fündig wurde er bei der Magdeburger Firma, die sich auch selbst «Funklochstopfer» nennt. Sie baut und vermietet Sendemasten. Um sich bekannter zu machen, übernimmt die Firma die Kosten der Aktion.

Mit der Demonstration solle in den Kommunen die Möglichkeit aufgezeigt werden, schnell und auf eigene Faust ein Funkloch zu stopfen, so Ulrich Thomas. Je eine Woche macht die 20 Meter hohe Antenne in den identifizierten Funklöchern Station. Nach Harzgerode geht es nach Wulfen (Anhalt-Bitterfeld), nach Gräfenhainichen und in die Altmark. Die Stationen danach stehen laut CDU-Fraktion noch nicht fest.

DIE FUNKTIONSWEISE: Es brauche einen Stromanschluss, ein öffentliches Gelände, einen Glasfaseranschluss oder Richtfunk - und einen Netzbetreiber mit Sendelizenz, sagte einer der Firmenchefs beim «Funklochstopfer», Ralf Freywald. In diesem Fall habe sich die Deutsche Telekom bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen. Wer in den Tour-Orten einen anderen Anbieter als T-Mobile hat, sitzt weiter im Funkloch. Die genutzten Anlagen können den Angaben zufolge einen Umkreis von 10 bis 15 Kilometer versorgen.

DAS GELD: Wenn es nach der CDU-Fraktion geht, lassen sich möglichst viele Kommunalpolitiker für die mobilen Sendeanlagen begeistern. Doch je nach örtlicher Gegebenheit kostet das 100 000 bis 200 000 Euro, wie Ulrich Thomas vorrechnet. Deswegen wollen er und seine Parteikollegen in den laufenden Haushaltsverhandlungen ein neues Förderprogramm durchsetzen. 10 Millionen Euro im Jahr soll es geben, um Kommunen bei der Anschaffung zu unterstützen. Bedingung soll sein, dass alle drei großen Handyanbieter ihr Netz mit den Antennen verstärken können. Die Anlagen werden nicht unbedingt aus Magdeburg kommen: Aufträge müssen offen ausgeschrieben werden.

DER HAKEN: Klingt alles so einfach - warum lassen sich die Anbieter seit Jahren wegen Funklöchern anmeckern und stellen nicht selbst überall die Anlagen auf? Ihre wirtschaftlichen Interessen seien auf große Lösungen fokussiert, erklärte CDU-Mann Thomas. Ein Hauptproblem sei aber die Bürokratie, ergänzte Anlagen-Anbieter Freywald. Die «Funklochstopfer»-Tour funktioniere unkompliziert, weil die Antennen nur kurz da seien. Wer länger als wenige Monate oder gar unbegrenzt aufstellen will, braucht eine Baugenehmigung - und das dauert.

Zum Start war auch ein Vertreter des Bundesverkehrsministeriums vor Ort. Er habe Unterstützung zugesagt, ohne schon konkret zu werden, resümierte Landespolitiker Thomas. In der Zwischenzeit werde die CDU-Fraktion prüfen, ob sich durch eine Änderung der Landesbauordnung die Genehmigung von mobilen Funkmasten vereinfachen lasse.

 

Anzeige: