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Schweres Busunglück auf Madeira

29 Menschen kommen ums Leben
Donnerstag, 18. April 2019

Bei einem Busunglück auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira sind 29 Menschen ums Leben gekommen. Noch steht nicht fest, wieviele Deutsche unter den Todesopfern sind.

Von den 27 Verletzten befinden sich nach Angaben des Krankenhauses in Funchal noch vier auf der Intensivstation. 

Der Reisebus am Mittwochabend mit 57 Gästen an Bord in der Gemeinde Caniço östlich von Funchal, in der die Urlauber im Hotel «Quinta Splendida» die Osterferien verbrachten, in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen. Er überschlug sich und stürzte eine Böschung hinunter auf ein Wohnhaus.

Das Unglück ereignete sich dem örtlichen Zivilschutz zufolge gegen 18.30 Uhr. Zwei Dutzend Rettungswagen waren im Einsatz, die Polizei riegelte die Unglücksstelle weiträumig ab.

Laut Medienberichten könnte ein mechanisches Problem der Grund gewesen sein - entweder ein Bremsausfall oder ein eingeklemmtes Gaspedal. Der Vizepräsident der Regionalregierung, Pedro Calado, nannte jegliche Mutmaßungen zu der Unglücksursache «verfrüht».

Gäste von "Trendtours" und "Schauinsland-Reisen" an Bord

An Bord des Unglücksbusses waren nach bisherigen Erkenntnissen des Reiseveranstalters Trendtours Touristik 51 seiner Gäste. Der Bus sei von einem lokalen Veranstalter gechartert worden. «Wir sind alle zutiefst erschüttert. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Angehörigen.» Der hessische Reiseveranstalter aus Frankfurt am Main habe ein Team nach Madeira entsandt, um die überlebenden Unfallopfer zu unterstützen.

Zudem waren zwei Gäste des Veranstalters Schauinsland-Reisen im Bus. Das teilte das Duisburger Reiseunternehmen am Donnerstag mit. Angaben, woher die Touristen kamen, wurden nicht gemacht. Die Tour sei von einem anderen Reiseunternehmen angeboten worden. 

Außenminister Maas auf dem Weg auf die Ferieninsel

Bundesaußenminister Heiko Maas twitterte am Donnerstagnachmittag: "Für viele Menschen ist der Osterurlaub auf #Madeira zur Tragödie geworden. Ich werde heute mit einem Team von Ärzten, Psychologen und Konsularbeamten des @AuswaertigesAmt dorthin fliegen, um selbst mit den Betroffenen zu sprechen und den Portugiesen für ihre Hilfe zu danken."

Bundesregierung prüft Einsatz vom Luftwaffen-Airbus

Der Einsatz eines «MedEvac»-Airbus werde sich noch am Donnerstag entscheiden, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun in Berlin zu dem Busunglück auf Madeira mit vielen deutschen Opfern. «Wir haben den bereits in Bereitschaft gestellt, und wenn es sinnvoll ist und möglich ist, Verletzte mit ihm hierher zu transportieren, dann werden wir ihn zum Einsatz bringen», sagte Braun vor Journalisten.

Der Airbus A310 MedEvac ist die fliegende Intensivstation der Bundeswehr. Die Luftwaffe bezeichnet die Maschine als «wichtiges Glied in der Rettungskette zur medizinischen Evakuierung schwer und schwerst verletzter Personen über große Distanzen».

An Bord sind bis zu sechs Plätze für intensivmedizinische Behandlung. Zudem gibt es 38 weitere Liegeplätze, wobei für 16 Patienten eine verstärkte medizinische Überwachung mit Monitoren möglich ist. Damit können 44 Patienten liegend transportiert werden. Die medizinische Besatzung kann bis zu 25 Menschen zählen. Die Luftwaffe hält auf dem Flughafen Köln-Wahn wird immer einen MedEvac-Airbus in 24-Stunden-Bereitschaft.

Von Reisebus getroffenes Haus war zum Unfallzeitpunkt leer 

Das Haus, auf das der verunglückte Reisebus auf Madeira gestürzt ist, war zum Unfallzeitpunkt leer. Das bestätigte der Bürgermeister des Ortes Caniço, Filipe Sousa, der portugiesischen Onlinezeitung «Observador». Bewohnt werde es normalerweise von einem Mann, der sich zum Zeitpunkt des Unglück bei Verwandten aufgehalten habe. Er sei über die Tragödie informiert worden. Am Donnerstag sollten Experten die Schäden an dem Haus überprüfen.

Dreitägige Trauerzeit auf der Insel Madeira - Flaggen auf Halbmast

Die Regionalregierung ordnete eine dreitägige Trauerzeit für die Insel an. Diese gelte von Donnerstag bis Samstag, hieß es in einer Erklärung des Regierungsrats der Autonomen Region Madeira.

Demnach werden die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden auf Madeira während der drei Tage auf Halbmast gesetzt.

Hotline für Angehörige: 030-5000 3000

Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein. Die deutsche Botschaft stehe in engem Kontakt mit den portugiesischen Behörden auf Madeira, um die Identität der Opfer zu klären und den Verletzten beizustehen, twitterte das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes am späten Mittwochabend.

Der Krisenstab ist den Angaben zufolge unter der Rufnummer 030-5000 3000 zu erreichen, besorgte Angehörige können sich unter dieser Nummer an das Auswärtige Amt wenden.

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Die Insel Madeira liegt rund 700 km westlich von Marokko im Atlantischen Ozean und wird auch Blumeninsel genannt.

Der Fußballer Christiano Ronaldo wurde 1985 in Madeiras Regional-Hauptstadt Funchal geboren. Seit 2016 trägt der Flughafen Funchal seinen Namen.