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Zerbster Schloss

Spektakuläre Entdeckungen am Zerbster Schloss

Funde aus Jugendzeit von Zarin Katharina II
Donnerstag, 21. Oktober 2021

Archäologen haben im Zerbster Schloss (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) drei Kaminplatten entdeckt, eine davon wird dem Elternhaus der späteren russischen Zarin Katharina der Großen zugeordnet. «Die Stücke wurden im Vorfeld von Bauarbeiten aus dem Schutt einer Kellerverfüllung im Bereich des ehemaligen Corps de Logis gefunden», sagte Projektleiterin und Archäologin Dietlind Paddenberg am Mittwoch. «Die Platten sind etwa 1 Meter hoch und 0,80 Meter breit. Insbesondere eine Platte mit den Initialen der Eltern Katharinas der Großen (1729-1796) sticht heraus.»

Sie zeigt «CA» für Christian August, Fürst von Anhalt-Zerbst (1690-1747) und «JE» für Johanna Elisabeth von Holstein-Gottorf (1712–1760). Als junges Mädchen lebte Katharina ab 1742 noch unter ihrem Geburtsnamen Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst mit ihrer Familie im Zerbster Schloss. Von hier brach sie 1744 zu ihrer Vermählung mit dem russischen Thronfolger Peter (1728-1762) auf.   

«Auch wurden mehrere Teile eines Reliefs mit baldachinartigen Elementen und einem filigran ausgearbeiteten Frauenkopf aus Sandstein gefunden. Sie gehörten möglicherweise zum Bestand der vorkriegszeitlichen Zerbster Schlossausstellung», sagte Paddenberg. Ebenso fanden die Ausgräber Fragmente von hölzernen Türen und Türbeschlägen aus Metall, großformatige Ziegel und steinerne Architekturteile.

Aber auch Keramikscherben, Tonpfeifenfragmente und Glasreste sowie ein kupferner Nürnberger Rechenpfennig und ein silberner Dreier von 1676 traten zutage. Aufwendig verzierte Fayencefliesenfragmente stammen eventuell aus lokaler Zerbster Produktion, die im 18. Jahrhundert Verbindungen zur berühmten Meißener Manufaktur aufweist.

Auch Überreste der fürstlichen Küche - hier zum Beispiel große Mengen an Austernschalen - lagen im Boden. Zudem fanden sich mittelalterliche slawische Keramik und eine bronzezeitliche Scherbe, wie es hieß.

In den freigelegten Wänden und Fensterlaibungen waren an mehreren Stellen Bleistift-Graffiti im Verputz erkennbar, die offenbar entstanden, als die Räume während des Zweiten Weltkrieges als Luftschutzkeller genutzt wurden. Ein Luftangriff am 16. April 1945 zerstörte große Teile des Schlosses und der Stadt Zerbst.

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