Peter Maffay

Interview mit Peter Maffay

Peter Maffay besuchte uns am 10. November und nahm im radio SAW-Interview auch Stellung zur aktuellen Flüchtlingssituation.

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Peter Maffay, Volker Haidt
Peter Maffay und radio SAW Muckefuck Volker Haidt
Peter Maffay zum Thema Flüchtlinge - Teil I
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  • Peter Maffay zum Thema Flüchtlinge - Teil I
  • Peter Maffay zum Thema Flüchtlinge - Teil II
  • Peter Maffay zum Thema Flüchtlinge - Teil III

Volker Haidt:

Es lebe die Freundschaft ist aktueller denn je. Deutschland und die Flüchtlingspolitik, das ist überhaupt kein einfaches Thema. Du weißt gar nicht, wie Du Dich positionieren sollst, ohne gleich in irgendeine Ecke gedrängt zu werden, in die Du eigentlich gar nicht gehörst. Gerade Du, der Du ja selber ein Schicksal hattest, wenn Du so willst als Flüchtlingskind, so darf man es glaube ich bezeichnen, denn Du bist ja auch mit Deiner Familie 1963 nicht freiwillig aus Deiner Heimat weg.

Peter Maffay:

Genau. Eine der wichtigsten Fragen, mit denen wir konfrontiert sind, ist, wie nimmt man diejenigen, die ihr Leben gerettet, die ihre nackte Haut gerettet haben, bei uns auf und macht ihnen Platz in unserer Gesellschaft.

Ich bin vor ein paar Tagen in einem Heim in Berlin gewesen und konnte dort mit ein paar Leuten, die aus Syrien, aus den betroffenen Kriegsgebieten kommen, sprechen. Die Aussagen waren folgende: Die Kinder haben gesagt, wir möchten so schnell wie möglich in eine Schule und möchten lernen…Die Erwachsenen haben gesagt, wir möchten unseren Familien aus eigener Kraft eine Perspektive geben. Wir können arbeiten, wir wollen arbeiten und wir wollen Teil dieser Gesellschaft sein. Wenn wir solche Menschen antreffen, dann gibt es keinen einzigen Grund ihnen den Eintritt in unsere Gesellschaft zu verwehren.

Wer aber unsere Spielregeln missbraucht, wer das, was in unserem Grundgesetz steht und die Grundlage unserer Demokratie ist, antastet, den muss man darauf hinweisen, dass das nicht akzeptierbar ist.

Ich möchte nicht jemanden neben mir wissen, der mir vorschreibt, welcher Religion ich angehören muss. Ich möchte nicht jemanden erleben, der mir sagt, die Stellung der Frau ist der des Mannes untergeordnet. Das kann ich nicht akzeptieren!

Wir haben nach dem Krieg, nach dem Dritten Reich eine demokratische Basis geschaffen, die wahnsinnig wertvoll ist, und die gilt es zu erhalten!

Volker Haidt:

Im Umfeld habe ich von vielen Freunden immer öfter den Spruch gehört, das macht mir Angst, was da vielleicht auf uns zukommen könnte, weil es keiner so richtig einschätzen kann. Man muss diese Ängste auch mal formulieren dürfen. Welche Erfahrung hast Du gemacht? Du hast ja Dich ebenfalls zu dieser Thematik geäußert.

Peter Maffay:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich zum Teil Applaus aus der falschen Ecke bekommen habe. Das will ich nicht. Ich trete nicht gegen Rechtsradikalität in unserem Staat ein und spiele mit Kollegen von mir Konzerte, um dann vom rechten Lager eingenommen zu werden. Das akzeptiere ich nicht. Das stelle ich hiermit auch noch einmal klar!

Angst ist der falsche Ratgeber. Ich glaube, eine gewisse Entspanntheit würde uns allen gut tun. Ich glaube, dass wir aufpassen müssen, dass ein liberales Segment unserer Gesellschaft sich nicht noch weiter radikalisiert. Das bedeutet Dialog und Aufklärung und nicht Isolation.

Ich glaube, dass die Menschen, die zu uns kommen und bereit sind, die Basis dessen was uns hier regelt, zu akzeptieren, vor diesen Leuten brauchen wir keine Angst haben. Egal welche Hautfarbe sie haben, welcher Religion und welchem Kulturkreis sie entstammen. Sie werden eine Bereicherung sein.

Wir werden vielschichtiger werden. Das ist so. Die Grenzen, die es irgendwann mal gegeben hat, in den vergangenen Jahrhunderten, sind aufgebrochen. Die Welt ist kleiner geworden. Wir rücken zusammen und wir müssen das auch, weil die Fragen, die uns betreffen, globaler Natur sind. Wir werden sie nur gemeinsam lösen können. Das heißt, die Vielschichtigkeit ist eher ein Faktor, der uns helfen wird, Kraft zu sammeln, anstatt dass wir dadurch Kraft verlieren.

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