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Joe Biden

New-Start-Abrüstungsvertrag wird verlängert

Biden und Putin einig, keine Zusatzbedingungen
Mittwoch, 27. Januar 2021

Atompilz über dem Mururoa-Atoll

Atompilz über dem Mururoa-Atoll
Atompilz über dem Mururoa-Atoll

Russland und die USA haben sich auf eine Verlängerung ihres letzten großen atomaren Abrüstungsvertrags geeinigt.

Der New-Start-Vertrag werde um fünf Jahre ohne irgendwelche Zusätze verlängert, sagte Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow. Zuvor hatte Präsident Wladimir Putin nach seinem ersten Telefonat mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden mitteilen lassen, dass Moskau und Washington sich auf die Verlängerung geeinigt hätten.

Der Vertrag über die Begrenzung von Atomwaffen wäre am 5. Februar ausgelaufen.

Nutzen für beide Seiten

Die Verlängerung sei für beide Seiten von Nutzen, sagte Rjabkow. "Wir begrüßen die Entscheidung der Biden-Administration, unserem Vorschlag über eine fünfjährige Verlängerung zuzustimmen." So könnten nun bilaterale Verhandlungen für einen ganzen Komplex von Fragen der strategischen Stabilität beginnen.

Begrenzung der Nukleararsenale

Das am 5. Februar 2011 in Kraft getretene Abkommen begrenzt die Nukleararsenale Russlands und der USA auf je 800 Trägersysteme und 1.550 einsatzbereite Atomsprengköpfe. Es war für eine Laufzeit von zehn Jahren geschlossen worden und sah die Möglichkeit einer Verlängerung vor.

Im Falle einer Nichtverlängerung hätte es erstmals seit Jahrzehnten kein Abkommen mehr gegeben, das dem Bestand an strategischen Atomwaffen Grenzen setzt. Russland und die USA besitzen zusammen rund 90 Prozent der weltweiten Atomwaffen.

Putin hatte immer wieder für einen Erhalt des Abkommens geworben, unter Bidens Vorgänger Donald Trump hatte Moskau zuletzt kaum noch Hoffnung auf eine Rettung des Vertrags gehabt.

 

START-Vertrag

Der START-Vertrag oder auch der "Strategic Arms Reduction Treaty" (dt.: Vertrag zur Verringerung strategischer Waffe) ist ein zwischen den USA und Russland ausgehandeltes Abrüstungsabkommen zur gemeinsamen allmählichen Reduzierung strategischer Trägersysteme für Nuklearwaffen.

START-I:

Der erste START-Vertrag wurde 1982 vom damaligen US-Präsident Ronald Reagan initiiert und am 31. Juli 1991, fünf Monate vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion, von seinem Nachfolger George Bush und Michail Gorbatschow unterzeichnet.

Der Vertrag trat am 5. Dezember 1994 nach dem Zerfall der Sowjetunion in Kraft und schloss so auch die Staaten Weißrussland, Kasachstan und die Ukraine mit ein, welche in Folge dessen ihr gesamtes Atomwaffen-Arsenal abrüsteten.

- Verminderung auf 1.600 Trägersysteme mit maximal 6.000 anrechenbaren Nukleargefechtsköpfen

- Halbierung der schweren sowjetischen Interkontinentalraketen (ICBM) SS-18 Satan

- Obergrenze von 4.900 Atomsprengköpfen auf ICBM und SLBM für beide Seiten

START-II

Am 3. Januar 1993 wurde der Nachfolgevertrag START-II von George Bush und Boris Jelzin unterzeichnet.

Die russische Duma jedoch verzögerte die Umsetzung mehrere Jahre aufgrund US-amerikanischer Militäreinsätze im Irak und Kosovo sowie der NATO-Osterweiterung und so wurde der Vertrag erst im April 2000 ratifiziert und trat nie wirklich in Kraft.

Stattdessen einigten sich George W. Bush und Wladimir Putin im SORT-Abkommen auf eine unilaterale Reduzierung der Sprengköpfe.

- Deaktivierung aller landgestützten Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen MIRV

- Vernichtung aller russischen SS-18 Satan und amerikanischen Peacekeeper-Raketen

- Abbau der strategischen Atomsprengköpfe bis zum Jahr 2003 auf maximal 3.000 bis 3.500 pro Seite

New-START

Nach Auslaufen des START-I Vertrages im Dezember 2009 kündigte US-Präsident Barack Obama die Abrüstungsgespräche mit Russland fortzuführen.

Am 26. März 2010 erklärten Barack Obama und der russische Präsident Dmitri Medwedew, dass die Anzahl der Atomwaffen weiter begrenzt werden soll.

Am 8. April 2010 unterzeichneten beide Präsidenten in Prag den bis 2020 gültigen New-START-Vertrag über Maßnahmen zur weiteren Reduzierung und Begrenzung der strategischen Angriffswaffen.

- Reduzierung der Anzahl der Sprengköpfe von 2200 auf je 1550

- Reduzierung der Anzahl der Trägersysteme von 1600 auf 800

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