Gedenkstelle in Fischbeck eingeweiht

Deichbruchstelle bekommt offiziellen Namen
Dienstag, 11. Juni 2019

Die Erinnerung an das Elbe-Hochwasser von 2013 ist vor allem mit einem Ort verbunden: Fischbeck und dem Bruch des Deiches. Die dramatischen Stunden einer spektakulären Aktion sind jetzt an einer Gedenkstelle nachzuempfinden.

Sie ist zum Symbol für das verheerende Elbe-Hochwasser 2013 und eine außergewöhnliche Rettungs-Aktion geworden: Sechs Jahre später hat die Deichbruchstelle bei Fischbeck einen Namen und eine Gedenkstelle bekommen. Die Bürger hätten sich für die schlichte Bezeichnung «Fischbecker Deichbruch» entschieden, sagte eine Sprecherin des Landkreises Stendal am Dienstag. Für die Gedenkstelle selbst wurden Wrackteile von Lastkähnen auf eine Betonplatte montiert. Um die Lücke im Deich zu schließen, waren damals mehrere Lastkähne an die Stelle manövriert und gesprengt worden.

Der Vorschlag für den Namen setzte sich bei einer Abstimmung im Internet mit 240 von 463 Stimmen durch. Auf dem inzwischen sanierten Deich wurde eine Tafel enthüllt. Landrat Carsten Wulfänger (CDU) sprach von einem besonderen Tag für die Region. Die Erinnerung an die Hochwasserkatastrophe sei bei der Bevölkerung noch immer sehr präsent. Dutzende Häuser waren so stark beschädigt worden, dass sie abgerissen und neugebaut werden mussten. «Die Menschen müssen noch immer mit den Folgen leben», so Wulfänger.

Die ebenfalls am Dienstag eingeweihte Gedenkstelle erinnert an die spektakuläre Rettungsaktion im Juni 2013. Die Bruchstelle konnte mithilfe der gesprengten Lastkähne - sogenannter Schuten - weitgehend geschlossen werden. Mit der Aktion hatten die Einsatzkräfte Neuland betreten: Noch nie zuvor war etwas ähnliches versucht worden. Nach dem Deichbruch am 10. Juni 2013 waren mehr als 150 Quadratkilometer des Elbe-Havel-Winkels überflutet worden. Das Hochwasser richtete enorme Schäden an.

Für die Gedenkstelle wurden nun Wrackteile der Schuten auf eine Betonplatte montiert. Die Teile wie Anker, Seilwinde und Poller seien dafür jahrelang aufbewahrt worden, sagte Wulfänger. Ziel sei es gewesen, die natürliche Patina der Wrackteile zu erhalten. Auf dem Deich wurde auch eine Schutzhütte mit Sitzgelegenheiten für Spaziergänger und Radfahrer aufgestellt.

Wulfänger hob vor allem die enorme Hilfsbereitschaft und Solidarität nach dem Hochwasser hervor - Menschen vor Ort sowie zahlreiche extra angereiste Helfer hätten mit angepackt. «Die Leute haben nicht gefragt, die haben einfach gemacht», sagte der Landrat.

Das Land investierte danach Millionen in den Hochwasserschutz. Der Deich bei Fischbeck wurde auf einer Länge von 6,7 Kilometer bis nach Jerichow saniert und im Herbst 2018 - rund fünf Jahre nach der Katastrophe - freigegeben. «Wir sind zufrieden, dass wir jetzt sichere Deiche haben», sagte Wulfänger. Mit mehreren Projekten zur Rückverlegung von Deichen wird zudem versucht, den Flüssen mehr Raum zu geben, um die Auswirkungen von Hochwasser und die Belastung für die Deiche zu senken.

Auf Initiative des Landkreises konnten die Bürger Vorschläge für einen Namen für die Deichbruchstelle machen. 76 Vorschläge gingen ein, darunter so ausgefallene wie «Klaus» - der Name eines Schutenführers, der an der spektakulären Rettungsaktion beteiligt war. In die Endauswahl kamen neben dem späteren Sieger «Fischbecker Deichbruch» schließlich «Schutendeich» und «Der Bruch».

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