
Vielleicht habt ihr auch bei den warmen Temperaturen am Wochenende die Fahrräder aus dem Keller geholt und festgestellt, da könnte mal wieder was dran gemacht werden. Doch worauf müssen wir achten und gibt es Trends für dieses Jahr?
Wir haben mit Dr. Robert Peschke von Little John Bikes gesprochen.

Was sollte ich zuerst überprüfen, wenn ich mein Fahrrad aus dem Keller hole?
Dr. Robert Peschke, Little John Bikes: Das ist die Lichtanlage, das Bremssystem, ob ich Luftdruck auf dem Reifen habe und auch das Antriebssystem, also vorne das Kettenblatt und hinten dann meine Schaltung anschaue. Also so ein erster Blick auf die wesentlichen Teile macht auf alle Fälle Sinn.
Was ist für die Verkehrstüchtigkeit am wichtigsten?
Dr. Robert Peschke, Little John Bikes: Also die Bremsanlage ist natürlich extrem wichtig für die eigene persönliche Sicherheit, aber auch für die anderen Verkehrsteilnehmer. Daneben die Lichtanlage, so dass ich, falls ich ins Dunkle gerate, was ja doch im Frühling noch passieren kann, dass ich selber gut sehen kann und gesehen werde. Und selbstverständlich braucht doch jedes Fahrrad immer Luftdruck, so dass ich sicher mich auf meinen Laufrädern bewegen kann.
Was sind typische Probleme nach dem Winter?
Dr. Robert Peschke, Little John Bikes: Wenn ich mein Fahrrad im Herbst in einem normalen Zustand abstelle, dann muss ich trotzdem auf alle Fälle die Reifen kontrollieren. Der Luftdruck lässt natürlich über die langen Wintermonate nach, das ist schon sehr wesentlich. Und normalerweise brauchen viele Räder, die über eine Kettenschaltung verfügen, auch ein paar Tropfen Öl, damit es wieder richtig flutscht.
Wofür brauche ich einen Profi und was kann ich selbst machen?
Dr. Robert Peschke, Little John Bikes: Wenn es an die Hydraulik geht oder manchmal auch an die Mechanik, also wenn ich Themen habe am Rahmen, dann würde ich ganz dringend davon abraten, dass man das selber repariert. Dazu kommt ja bei vielen E-Bikes, dass dort das Thema Akku und Antriebssystem eine Rolle spielt. Auch dort würde ich die Finger davon nehmen. Aber einfache Tätigkeiten wie den Luftdruck, wie die Bremsen überprüfen, wie zu schauen, ob alle beweglichen Teile, die über eine Verschraubung festgesetzt sind, ob die alle fest sind, die Schrauben und Muttern, das kann man schon zu Hause relativ gut machen. Darüber hinaus gibt es ja auch YouTube-Tutorials, die man sich anschauen kann. Man sollte sich da vortasten und immer dann, wenn man unsicher ist oder wenn man merkt, es kommt Hydraulik, Elektronik oder was Schweres in der Mechanik dazu, dann sollte man doch vielleicht besser zum Fachhändler gehen.
Was ist bei der Ausrüstung wichtig?
Dr. Robert Peschke, Little John Bikes: Ja, natürlich sollte man immer versuchen, angepasste Kleidung zu tragen, je nach Wetterlage, damit man sich auf dem Fahrrad auch wohlfühlt. Das Wesentliche ist ja heutzutage zum Glück relativ präsent in unserem Straßenverkehr, das ist der Helm, den ich ganz dringend empfehlen würde. Es geht dabei ja nicht immer nur um die eigenen Fehler, die man eventuell machen kann, sondern auch, dass man unverschuldet in einen Verkehrsunfall kommen kann. Daneben empfehle ich bei vielen Fahrern immer noch Handschuhe, die einfach den Griff absichern, wenn man über längere Strecken unterwegs ist und darüber hinaus kann man natürlich auch Investitionen in den Komfort stecken, wie Ergonomie-Sättel oder Ergonomie-Griffe. Da gibt es heutzutage viele Möglichkeiten, aber auf den Helm würde ich empfehlen, nicht zu verzichten.
Braucht man fürs Frühjahr spezielle Reifen?
Dr. Robert Peschke, Little John Bikes: Im Wesentlichen für den Standard-Fahrradfahrer gibt es heutzutage im Fachhandel Reifen, die man in den Herbst und auch im Winter fahren kann und im Sommer, weil die Gummimischung und das Profil so gestaltet sind, dass der durchschnittliche Fahrradfahrer damit ziemlich gut klarkommt. Ansonsten würde man normalerweise zum Fachhändler gehen, würde sich beraten lassen, welchen Untergrund man fährt, welches Fahrrad man selber einsetzt und kriegt dann dort jeweils eine Bereifung, die zum eigenen Fahrverhalten passt. Da gibt es von ganz sportiv mit sehr, sehr wenig Profil beim Rennrad bis grobstollig die unterschiedlichsten Reifen. Das ist sehr schwer an der Ferndiagnose zu beraten, aber wenn man sein Fahrrad im Fachhandel kauft, kann man normalerweise davon ausgehen, dass man alle wesentlichen Anwendungsfälle damit auch im Frühjahr, Sommer und im Herbst abdecken kann.
Wie oft sollte man Bremse, Kette und Schaltung erneuern?
Dr. Robert Peschke, Little John Bikes: Das ist sehr schwierig zu sagen, weil das hängt im Wesentlichen vom Fahrverhalten ab, von der Fahrleistung, aber auch von der Systematik, wie man bremst, bis hin zum Gewicht. Was auf alle Fälle Sinn macht, ist eine Sichtprüfung sehr regelmäßig selbst vorzunehmen an diesen Komponenten und mit dem jeweiligen Fachhändler zu sprechen, vielleicht seine eigene Nutzung darzustellen und sich dann dort einen Tipp holen. Man kann das heutzutage selbstverständlich auch im Internet finden. Das ist ziemlich schwierig, da eine Ferndiagnose zu machen. Wenn man Quietschgeräusche oder Schleifgeräusche wahrnimmt, dann kann ich nur empfehlen, sich damit dringend selber zu beschäftigen, das nicht zu ignorieren und immer dann, wenn Unsicherheit besteht, zum Fachhandel zu gehen.
Worauf sollte ich beim Helm achten?
Dr. Robert Peschke, Little John Bikes: Es ist es sehr schwer, das pauschal zu sagen. Der Helm muss auf alle Fälle passen und er muss zur Nutzung passen. Also wenn jemand in einem sehr schwierigen Gelände unterwegs ist, dann wird er einen Helm benutzen, der höchstwahrscheinlich andere Merkmale aufweist, wie jemand, der nur in der Stadt fährt, weil dort das Sturzrisiko vielleicht deutlich größer ist oder auch das Sturzbild, welches man hat, sollte es zum Unfall kommen. Was ich empfehle, ist, sich dort beraten zu lassen. Zum Schluss spielt auch die Optik oftmals eine Rolle und wie bei allen Dingen, es muss zur jeweiligen konkreten Anwendung passen und vielleicht nicht immer unbedingt nur zum Geschmack.
Was ist bei Fahrrädern gerade Trend?
Dr. Robert Peschke, Little John Bikes: Also wir schleppen schon seit zwei, drei Jahren einen absoluten Megatrend, auch noch in dieser Saison, da bin ich mir ziemlich sicher, und es ist das Thema Gravel, ein Gravelrad, was man beschreiben kann als etwas komfortableres Rennrad, was man immer wieder heutzutage sieht, also ein Rennrad mit einer grobenstelligen Bereifung, mit einem komfortableren Rahmen, mit einer Sitzposition, die nicht so sportiv ist wie beim Rennrad, das ist sicherlich ein Trend, der sich in diesem Jahr fortsetzen wird. Was wir jetzt schon merken, ist, dass der Trend nach höher, weiter, schneller, noch mehr Akku und noch mehr Newtonmeter beim Endkunden sich etwas, ja, ich möchte sagen, eingereguliert hat, Kunden suchen nicht mehr das teuerste, schwerste und größte Fahrrad oder E-Bike, sondern achten sehr stark auf die eigene Nutzung, sodass auch der Trend zu spüren ist, dass leichtere E-Bikes mit kleineren Akkus und dafür weniger Gewicht ein Thema ist, was sich mehr und mehr durchsetzt.
Warum sollte man Radfahren mal ausprobieren?
Dr. Robert Peschke, Little John Bikes: Wir können mit dem aktuellen Thema beginnen, mit den derzeitigen Benzinpreisen. Das heißt, wenn man einfach nur einen innerstädtischen oder sehr ökonomischen Weg sucht, um sich von A nach B zu bewegen, ist das Fahrrad oder das E-Bike eine tolle Möglichkeit. Daneben ist es eine Möglichkeit, sich zu bewegen, ohne sich über die Maßen anzustrengen. Das kann man selber dosieren durch die Unterstützung. Also jemand, der nicht so viel Fahrrad fährt, der kann mit dem E-Bike selber entscheiden, wie viel Unterstützung möchte ich haben und wie viel nicht. Man erweitert seinen Bewegungsradius. Jetzt bin ich selber kein Mediziner, aber ich glaube, es ist sehr gut nachvollziehbar, dass Fahrradfahren oder E-Bike fahren das Herz-Kreislauf-System sehr positiv unterstützt. Und langfristig kann man dann auch bei etwas größeren Strecken Abenteuer erleben. Und es ist eine Mobilitätslösung, die einfach Freiheit bietet für jedermann.
Sie persönlich: Klassisches Fahrrad oder E-Bike?
Dr. Robert Peschke, Little John Bikes: Das ist mittlerweile eher ein E-Bike. Ich bin sehr passionierter E-Mountainbike-Fahrer. Mir ist wichtig, nicht nur relativ schnell runterzufahren, sondern auch noch den Weg hoch selber zu fahren. Ich bin also im Bikepark kein Freund von der Gondel, sondern ich würde immer versuchen, die Kombination aus Ausdauertraining, berghoch fahren und fun bergrunterfahren zu suchen. Und deswegen bin ich ganz passionierter E-Mountainbike-Fahrer.