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Triage

Was ist Triage?

Wenn medizinisches Personal eine Entscheidung treffen muss
Donnerstag, 17. Dezember 2020

Medizinisches Personal steht oft vor einer schwierigen Entscheidung: welche Patienten werden (als erste) behandelt und welche müssen warten. Dieser Prozess nennt sich Triage und ist nicht neu.

Das französische Wort "triage" bedeutet: Auswahl, Sichten. Militärärzte haben den Begriff so geprägt, wie er heute verwendet wird. Damals musste in Front-Lazaretten unter beschränktesten Bedingungen und Beschuss oft schnell entschieden werden, welchem Verletzten man hilft und bei welchem Hilfe wahrscheinlich nichts mehr bringen würde. Eine dramatische und traurige Situation. Kriege gibt es in unserem Land zum Glück nicht - aber Entscheidungen über eine "Behandlungspriorisierung" müssen heutzutage im Klinikalltag trotzdem getroffen werden - nicht nur wegen Corona. Zum Glück geht es heute nicht mehr darum, wem man hilft und wem nicht, sondern, wen man zuerst behandelt und wer warten muss.

Die Triage in der Notaufnahme

Für die Notaufnahmen von Krankenhäusern ist das "Triagieren" Normalität. Es ist ja nicht planbar, wann wie viele Patienten mit welchen Symptomen in der Aufnahme landen - also kann es durchaus passieren, dass auf einmal mehrere sehr schwere Fälle kommen und das vorhandene Personal damit voll gebunden ist. Dann müssen leichtere Fälle warten. Bevorzugt werden immer die behandelt, deren Leben in Gefahr ist.

Triage in Zittau?

Ein Mediziner aus dem sächsischen Zittau hatte kürzlich mit Äußerungen um eine Triage von Corona-Patienten für Aufregung gesorgt. In einem Online-Forum hatte der Ärztliche Direktor des Oberlausitzer Bergland-Klinikums, Mathias Mengel, Berichten zufolge letzten Dienstag (15.12.) davon gesprochen, dass in Zittau schon mehrfach triagiert worden sei. Die Klinik bestätigte oder dementierte die Schilderungen des Arztes am Mittwoch nicht ausdrücklich. Stattdessen betont sie: Die Lage ist kritisch. Dagegen beteuerte die die Krankenhausleitstelle Ostsachsen, dass es schon während der ersten Corona-Welle in Sachsen drei Corona-Leitstellen gab, welche die Behandlung von Corona-Patienten landesweit steuern. Nach wie vor gebe es freie Intensiv- und Normalstationsbetten in Sachsen, betont die Leitstelle. 

So werden Entscheidungen getroffen

Im Zusammenhang mit Corona kann eine Klinik an den Punkt kommen, wo z. B. Nicht genügend Beamtungstechnik in der Intensivbetreuung für sie Zahl der Lungenpatienten vorhanden sind. Sie müssen also entscheiden, wen sie anschließen und wen nicht. Das Alter der Patienten dürfe dabei keine Rolle spielen, sondern vielmehr die klinische Erfolgsaussicht. In Katastrophensituationen könnte sich der Fokus ändern, um Behandlungsentscheidungen so zu treffen, dass möglichst viele Menschen überleben

 

Schon in der ersten Corona-Welle im Frühjahr war das Triagieren unter den neuen Bedingungen Thema in der Mediziner-Welt. Dazu führte radio SAW-Redakteur Thorsten Keßler im März ein Interview mit dem Vorsteher der sachsen-anhaltischen Diakonissenanstalt, Pfarrer Torsten Ernst.