VfB-Stürmer Wamangituka spielte unter falscher Identität

Name und Alter falsch? Opfer von Menschenhandel?
Mittwoch, 9. Juni 2021

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Fußballprofi Silas Wamangituka hat offenbar zwei Jahre lang unter falscher Identität für den VfB Stuttgart gespielt.

Der Kongolese habe dem VfB kürzlich offenbart, dass er "Opfer von Machenschaften seines ehemaligen Spielervermittlers" geworden und Wamangituka nicht sein richtiger Name sei. Dies teilte der Bundesligist am Dienstag mit.

Sein korrekter Name ist demnach Silas Katompa Mvumpa. Auch das Geburtsdatum des Flügelstürmers war wohl falsch. Laut VfB-Angaben wurde Silas am 6. Oktober 1998 in Kinshasa geboren und ist somit heute 22 und damit genau ein Jahr älter als ursprünglich angenommen.

Der VfB steht diesbezüglich mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Kontakt. Konsequenzen für den Profi fürchten die Schwaben nicht. Nach juristischer Bewertung des Sachverhalts gehe man davon aus, "dass Silas im Besitz einer gültigen Spielberechtigung war und weiter ist". Außerdem rechnet der VfB damit, dass Silas zu gegebener Zeit eine neue, auf seinen richtigen Namen lautende Spielberechtigung bekommen werde.

"Ich habe in den letzten Jahren in ständiger Angst gelebt und mir auch um meine Familie im Kongo große Sorgen gemacht. Es war ein schwerer Schritt für mich, meine Geschichte zu offenbaren", sagte Silas.

Zur falschen Identität soll es durch einen ehemaligen Spielervermittler von Silas gekommen sein. Dieser habe den damals 19-Jährigen in Paris bei sich wohnen lassen und laut Silas auch Namen und Geburtsdatum verändert. Der VfB vermutet, dass dies zum einen passierte, um die Verbindung des Stürmers zu seinem Ausbildungsverein im Kongo zu unterbrechen, zum anderen habe sich dadurch Silas' Abhängigkeit vom Vermittler erhöht - da er von nun an erpressbar gewesen sei.

VfB Stuttgart sieht Silas als Opfer von "Menschenhandel":

Sportdirektor Sven Mislintat den Stürmer des VfB Stuttgart als Opfer.

"Wenn man es mit der Überschrift Menschenhandel beschreibt, dann kommen wir dem Thema schon sehr nah", sagte Mislintat am Dienstag. "Wenn er nichts gesagt hätte, hätte er seine Karriere, ohne dass irgendetwas passiert wäre, sehr einfach fortsetzen können, völlig problemlos." Trotzdem habe Silas sich dazu entschlossen, "die Wahrheit zu erzählen".

"Wir glauben, dass Silas kein Einzelfall ist in Europa. Er übernimmt damit auch gewissermaßen ein Stück Verantwortung für das, was im weltweiten Fußball so stattfindet", sagte Mislintat. Der 48-Jährige sprach von "erschreckenden Dimensionen". Ob Silas nun eine Sperre durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) droht, weiß der VfB nicht. "Ich kann nicht sagen, ob es eine Strafe geben wird", sagte VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger. Der DFB-Kontrollausschuss hat eine Überprüfung des Falls angekündigt.

Neue Spielerlaubnis von der DFL

Für die Erteilung einer neuen Spielerlaubnis für Silas Wamangituka vom VfB Stuttgart benötigt die Deutsche Fußball Liga (DFL) zunächst gültige Aufenthaltstitel des Stürmers. Wie ein DFL-Sprecher am Dienstag auf Nachfrage von "ntv.de" bestätigte, ist die Liga bereits vom VfB über die bislang falsche Identität des Kongolesen informiert worden.

"Der VfB Stuttgart hat die DFL in Bezug auf die Identität seines Spielers Silas Katompa Mvumpa, der bislang unter dem Namen Silas Wamangituka in der Bundesliga und 2. Bundesliga für den VfB spielte, in Kenntnis gesetzt", sagte der Sprecher. "Zur möglichen Erteilung einer neuen Spielerlaubnis für den Spieler unter seinem wahren Namen müssen die nach der Lizenzordnung Spieler (LOS) notwendigen Unterlagen, unter anderem ein behördlich erteilter, gültiger Aufenthaltstitel, eingereicht werden."

Thomas Hitzlsperger zur aktuellen Situation: