Intensivstation Corona

Verband der Intensivmediziner fordert harten Lockdown

Keine Betten, kein Personal, Belegungszahlen steigen steil
Freitag, 9. April 2021

Heute trat der Verband der deutschen Intensivmediziner zu einer Sonderkonferenz vor die Presse. Grund: Seit dem 10. März dieses Jahres hat sich auf Deutschlands Intensivstationen die Zahl der Corona-Patienten bis heute mehr als verdoppelt: Von 2.227, dem Startpunkt der 3. Welle, auf heute 4.496. Politisch ist nichts passiert, so der Verband.

Vor der Krise gab es in deutschen Kliniken und Pflegeheimen mehr als 4.000 Pfleger zu wenig. Durch Corona sei die Belastung in der Arbeit so hoch, dass mittlerweile 9.000 Pflegekräfte geküdigt haben. Wo es kein Personal gibt, können auch keine Betten betreut werden, so Prof. Christian Karagiannidis, das sei ein Grund, warum die Anzahl verfügbarer Betten zuletzt gesunken sei. Schon jetzt sei viel ungelerntes Personal auf Corona-Stationen im Einsatz. Die Ausbildung dauert eigentlich 5 Jahre. 500 Kliniken in Deutschland könnten bereits jetzt schon keine Covid-Patienten mehr aufnehmen. Karagiannidis, Sprecher des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) geht aktuell zwar nicht von dem Risiko einer Triage aus, gehandelt werden muss dennoch dringend.

"Es brennt. Die Lage ist sehr dramatisch."

Die Belegung der Intensivstationen in Deutschland liegt aktuell auf dem Niveau von Anfang Dezember. Doch der Anstieg ist steil, die Patienten sind jünger und bleiben länger, das Personal ist indes am Limit. Deutschlands Intensivmedizinerverbände haben deshalb einen harten und umgehenden Lockdown wie im Dezember von zwei bis drei Wochen gefordert. Die Lage in den Kliniken sei zutiefst besorgniserregend, sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), am Freitag. «Es brennt. Die Lage ist sehr dramatisch. Jeder Tag zählt.» Es gebe einen ungebremsten und dramatischen Anstieg von Covid-Patienten. Ihr Alter liege nun zumeist zwischen 40 und 70. Bei den unter 50-Jährigen sterbe jeder fünfte Intensivpatient, bei den Älteren im Schnitt jeder zweite, sagte Marx. Zudem müssten bei steigenden Intensivzahlen mehr Kapazitäten für Corona-Fälle bereitgestellt werden, andere Schwerkranke geraten wohlmöglich ins Hintertreffen.

Durch das Impfen sei die Bundesrepublik auf der Zielgeraden der Pandemie, sagte Marx, «Wir brauchen aber mehr Zeit fürs Impfen.».

Enttäuscht sind die Mediziner über die Absage des Corona-Gipfels von Bund und Ländern. Das Treffen war für Montag geplant gewesen. Nun wird es in der kommenden Woche gar keine Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geben. «Das ist eine enttäuschende neue Situation», sagte Gernot Marx. Stattdessen will der Bund jetzt noch einmal das Infektionsschutzgesetz ändern.

COVID-19 Erkrankte in Intensivbehandlung in Deutschland

Die Grafik zeigt die Zahl der Intensivbetten, die mit Covid-19-Patienten belegt sind (hellblau) und welche davon beatmet werden müssen (dunkelblau).

 

 

Was die Intensivmediziner sagen

Es sprechen zur Lage auf den Intensivstationen: 

  • Prof. Dr. med. Gernot Marx, Präsident der DIVI, Uniklinik RWTH Aachen
  • Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin e.V., sowie med.-wiss. Leiter des DIVI-Intensivregisters, Klinikum Köln-Mehrheim
  • Prof. Dr. med. Uwe Janssens, ehemaliger Präsident der DIVI, St. Antonius-Hospital Eschweiler
     
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