tödlicher Streit in Köthen

Toter bei Auseinandersetzung in Köthen

Ein Verdächtiger stand vor Abschiebung
Montag, 10. September 2018

Nach dem Tod des 22-Jährigen in Köthen und dem Trauermarsch am Sonntagabend, des 9. Septembers 2018 ermittelt der Staatsschutz. Er prüft die Redebeiträge auf strafbare Inhalte. Laut Polizei geht es unter anderem um den Vorwurf der Volksverhetzung.

Nach den bisherigen Erkenntnissen war der 22-Jährige am Samstagabend, des 8. Septembers 2018 auf einem Spielplatz in Köthen mit zwei Afghanen in Streit geraten und danach an einem Herzinfarkt gestorben. Tödliche Verletzungen hat er laut vorläufigem Obduktionsbericht nicht erlitten.

Die beiden Afghanen im Alter von 18 und 20 Jahren sitzen in U-Haft.

Für Montagabend, den 10. September 2018 hat die AfD eine weitere Demonstration in Köthen angekündigt. Man rechne mit rund 300 Teilnehmern. Tags zuvor waren bei einer ersten Spontandemonstration in der Stadt rund 2500 Menschen zusammengekommen. Unter den Demonstranten waren nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden zwischen 400 und 500 Rechtsextreme aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen, wie Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte. Nach stillem Beginn wurde die Stimmung bei der Kundgebung zwischenzeitlich aggressiver. «Dies ist ein Tag der Trauer. Aber wir werden die Trauer in Wut verwandeln», sagte ein Redner am Sonntagabend. «Widerstand», «Auge um Auge», «Zahn um Zahn» und «Wir sind das Volk» erschallte es aus dem Kreis der Teilnehmer. Andere skandierten «Lügenpresse». Als ein Beobachter die Szenerie mit einem Handy filmte, wurde geschubst. Die Polizei griff schnell ein.

«Wir werten aus, was da an rechten Parolen gegrölt wurde», sagte Stahlknecht. Gleichzeitig warnte er davor, alle Demoteilnehmer unter Generalverdacht zu stellen. «Wir sollten akzeptieren, dass Menschen auch friedlich ihre Betroffenheit zum Ausdruck bringen wollen.» Einige Teilnehmer fern des rechtsextremen Spektrums hätten den Parolen widersprochen, andere allerdings auch applaudiert. Stahlknecht rief alle zur Besonnenheit auf und betonte: Der Staat werde alle Mittel einsetzen, um die Tat in Köthen aufzuklären - aber auch «alles tun, damit Betroffenheit auch Betroffenheit bleibt.»

Die beiden 18 und 20 Jahre alten afghanischen Staatsbürger kamen nach Behördenangaben als unbegleitete Minderjährige nach Sachsen-Anhalt, sind aber inzwischen volljährig. Der ältere Verdächtige hätte laut Stahlknecht schon seit Monaten abgeschoben werden sollen. Das scheiterte jedoch zunächst am grünen Licht der Staatsanwaltschaft, die gegen den Mann in einem anderen Fall wegen Körperverletzung ermittelte.

Beim dem Streit auf dem Spielplatz war auch ein dritter Afghane dabei. Gegen ihn bestehe kein Verdacht, er wurde nicht festgenommen. Alle drei sollen zunächst mit einer Frau dort darüber gestritten haben, von wem sie schwanger ist. Dann sollen der 22-jährige Deutsche und ein Begleiter hinzugekommen sein. Am Ende war der 22-Jährige tot.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) warnte vor einer Instrumentalisierung des Falls. «Bei aller Emotionalität ist jeder Versuch zurückzuweisen, aus Köthen, wie es im Internet heißt, ein zweites Chemnitz machen zu wollen», sagte er der dpa.

Am frühen Abend hatten zunächst rund 200 Menschen gegen rechte Hetze demonstriert. Sie waren dem Aufruf der Linken-Politikerin Henriette Quade gefolgt und hatten sich am Bahnhof der Stadt versammelt. «Wo sich der Mob formiert, funken wir dazwischen», war auf Spruchbändern zu lesen.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht rief zur Besonnenheit auf. Er habe vollstes Verständnis für die Betroffenheit der Bürger, sagte der CDU-Politiker der dpa. Der Rechtsstaat werde alle Mittel konsequent einsetzen, Justiz und Polizei ermittelten in enger Abstimmung. «Der tragische Tod des jungen Mannes geht mir sehr nahe, und ich bedaure das Geschehene zutiefst.»

Der Landrat des Kreises Anhalt-Bitterfeld, Uwe Schulze (CDU), sagte: «Wir gehen davon aus, dass der deutsche Rechtsstaat Recht walten lässt. Wir wissen aber noch nicht genau, was passiert ist.» Die Aufeinanderfolge von Chemnitz und Köthen «ist für uns schlecht», sagte er. Die Bundesregierung müsse sich überlegen, wie sie die Migration insgesamt gestalten wolle.

Die Evangelische Landeskirche Anhalts will in Köthen Spenden für die Bestattung des Opfers sammeln. Die Sammlung begann mit einer Trauerandacht am Sonntagnachmittag und sollte noch einige Tage dauern. Zu der Andacht kamen etwa 300 Menschen, darunter auch mehrere Politiker. «Der Tod eines Menschen ist der schlechteste Anlass für eine Instrumentalisierung», sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig.

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