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Planetarium Gasometer Halle

Planetarium Halle - Mehr als Sonne, Mond und Sterne

„Halle steigt damit in die erste Liga auf“
Mittwoch, 28. Oktober 2020

Ein imposanter Rundbau aus rötlichem Klinkerstein, fast eine Miniaturausgabe des Kolosseums in Rom, eine technische Meisterleistung des 19. Jahrhunderts. Hier wurde das aus Kohle erzeugte Stadtgas gespeichert. Das Gasometer ist 16 Meter hoch, der Durchmesser beträgt 30 Meter. Jetzt bekommt das seit Jahrzehnten stillgelegte technische Denkmal eine neue Funktion: Im Inneren entsteht ein Planetarium. Ein Teil der Betonwände, beispielsweise für den Vorführraum, steht bereits. "Die Kuppel des eigentlichen Planetariums ist von Außen nicht zu sehen", sagt der Leiter Dirk Schlesier.

Das alte Planetarium auf der Saaleinsel Peißnitz wurde durch das Hochwasser 2013 zerstört, dann abgerissen. Die Eröffnung des Neubaus ist nun für Mitte 2021 geplant. Schlesier begleitet fachlich die Baufortschritte und erarbeitet das künftige Betriebskonzept.

Im Jahr 2014 entschied sich die Stadt für den aktuellen Standort. Eine erste Grobkostenschätzung, basierend auf einer ersten Konzeptstudie, ergab einen Investitionsbedarf von 8 Millionen Euro. Nach konkreter Planung mit zahlreichen Untersuchungen, unter anderem an Mauerwerk, Boden, Abstimmungen mit dem Denkmalschutz und Fachplanungen sind jetzt rund 14,5 Millionen Euro notwendig. Am 21. Januar 2019 war die Grundsteinlegung. "Das Geld kommt ausschließlich aus dem Flutmittel-Fonds von Bund und Ländern", sagt Schlesier.

Das neue Planetarium besitzt auf der Dachterrasse eine Sternwarte und das Teleskop ermöglicht auch digitale Videoübertragungen. Das Herzstück ist der Sternensaal mit 12 Metern Durchmesser und Platz für 110 Personen, dazu ein Hörsaal und Seminarräume sowie Foyer und ein Café. Weitere Räume beherbergen die multimediale Technik.

"Die Wissensvermittlung steht im Vordergrund. Zur Eröffnung wird gezeigt, was ein modernes Planetarium alles bietet», betont Schlesier. «Es geht nicht nur darum, Sterne zu gucken, sondern wir wollen auch ein Kulturraum sein." Dazu gehörten Lesungen, Konzerte, Hörspiele und Filmvorführungen unter der Sternenkuppel. Für Künstler gebe es die Möglichkeit des visuellen Malens. Die Projektoren könnten auch 360-Grad-Aufnahmen und Videos auf die Kuppel beamen. Eine Unterwassererkundung der Insel Saline, auf der Jahrhunderte lang Salz gesiedet wurde, in 3D wäre denkbar. Selbst Hochzeiten sollen möglich sein.

"Ob die Erwartungen, so wie geplant, erfüllt werden können, wird sich zeigen. Jedenfalls ist das für Halle ein toller Standort", bewertet die Referentin des Merseburger Planetariums, Mechthild Meinicke, das Projekt. "Für das Thema Astronomie ist das Planetarium Halle eine wichtige Größe in Sachsen-Anhalt. Aber für uns ist das keine Konkurrenz. Ich sehe das positiv und freue mich auf die Dinge, die da kommen."

Das Programm, eine Mischung aus Wissenschaftsvermittlung und Kommerz, zielt vor allem auch auf Wirtschaftlichkeit ab. Der Leiter rechnet im ersten Jahr mit 60 000 Besuchern. Das Publikum sind Schüler und interessierte Laien. "Zum Glück gibt es in Sachsen-Anhalt das Fach Astronomie", sagt Schlesier.

In Sachsen-Anhalt gibt es insgesamt zehn Planetarien. "Ich halte Planetarien für extrem wichtig, weil in Europa die Lichtverschmutzung zunimmt und die Milchstraße manchmal nicht einmal mehr mit bloßem Auge in den Städten gesehen werden kann", sagt der Präsident der Astronomischen Gesellschaft mit Sitz in Heidelberg, Professor Joachim Wambsganß. "Insbesondere für junge Menschen ist der Überblick über die kosmische Welt, die uns umgibt, aufschlussreich. Auch für kleine Kinder ist das interessant, sie sind fasziniert von Dinosauriern und Sternen. Damit ist der Einstieg in die Biologie und die Astronomie gelegt."