Ostern 2020 im SAW-Land

Abstand halten bei bestem Wetter
Montag, 13. April 2020

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Polizei fährt auf der Peißnitz in Halle/Saale Streife
Polizei fährt auf der Peißnitz in Halle/Saale Streife

Dieses Osterfest wird wahrscheinlich noch sehr lange in Erinnerung bleiben: Eingeschränkte Besuchsmöglichkeiten, keine öffentlichen Gottesdienste sowie Kontaktverbote - und das bei schönstem Wetter. Die Sachsen-Anhalter halten sich unterschiedlich an diese Regeln.

Die Corona-Pandemie prägt Ostern in Sachsen-Anhalt massiv: Gottesdienste fanden online statt, die Ordnungskräfte des Landes lösten Menschenansammlungen auf. Die Bürgerinnen und Bürger hatten sich unterschiedlich strikt an die Anordnungen gehalten. Während in Magdeburg den Angaben zufolge die meisten Menschen die Regeln befolgten, sprach Halles Bürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Sonntag von einem traurigen Rekord an Anzeigen.

Mal mehr, mal weniger Verstöße  

Allein das Ordnungsamt in Halle habe am Samstag 91 Anzeigen gestellt. Insgesamt habe es 265 Kontrollen gegeben. Die Polizei habe zudem 22 Anzeigen erstattet. Die Mehrzahl der Anzeigen sei auf Menschenansammlungen im gesamten Stadtgebiet zurückzuführen. In der Regel seien diese zwischen fünf und acht Personen groß gewesen. «Auch heute werden wir wieder mit einem großen Aufgebot an Ordnungskräften die Eindämmungsverordnung des Landes umsetzen», betonte Wiegand am Sonntag. 

Die Polizei teilte mit, ein Beamter sei durch einen Biss in den Finger leicht verletzt worden, als er mit Kollegen einer Gruppe Männer Platzverweise aussprach. Die Fünf hatten sich auf dem Parkplatz eines Geschäfts in Halle getroffen.

Ruhiger war es in der Landeshauptstadt: Bis zum späten Samstagabend waren 99 Spielplätze, 118 Betriebs- und Gaststätten sowie 96 Grünflächen und Versammlungsorte kontrolliert worden. Dabei hatten die Ordnungskräfte kaum Verstöße gegen die Corona-Maßnahmen festgestellt, wie die Stadt Magdeburg am Sonntag mitteilte. «Auch am Karsamstag wurde das schöne Wetter von vielen für Bewegung und Spaziergänge an der frischen Luft genutzt, wobei sich die meisten an die Bestimmungen der Landesverordnung hielten», hieß es.

Zudem meinten einige Bürger, illegale Osterfeuer bemerkt zu haben, und informierten daraufhin die Behörden. Die Ordnungskräfte stellten jedoch fest, «dass es sich um Familien handelte, die auf ihren Privatgrundstücken im engsten Kreis ein kleines Feuer in einer Feuerschale unterhielten».

Die Stadt wies zudem noch mal darauf hin, dass Picknicken und Grillen in der Öffentlichkeit verboten sind, genauso wie Treffen von mehr als zwei Menschen, die nicht in einem Haushalt wohnen.

Gottesdienste im Internet

Die Corona-Pandemie hat auch thematisch die Ostergottesdienste in Sachsen-Anhalt bestimmt. Die Osterpredigt des evangelischen Landesbischofs Friedrich Kramer wurde in diesem Jahr vor dem Magdeburger Dom aufgezeichnet und bei YouTube veröffentlicht. Auf die Pandemie ging Kramer gemeinsam mit dem Bischof des Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr, in einem Osterwort ein. «Gerade sieht es so aus, als ob die Osterzeit und das Ende der gesellschaftlichen Fastenzeit nicht zusammenfallen», hieß es darin.

Der katholische Bischof Feige dankte in seiner Predigt «allen Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich innerhalb und außerhalb der Kirche dafür einsetzen, dass das Leben weitergehen kann – oft unter der Gefahr für sie selbst.» Er betonte jedoch auch, dass das Leid unzähliger Menschen im Land, aber auch in den Flüchtlingslagern und in den Slums so vieler Großstädte zum Himmel schreie.

Tullner: Zuerst Abschlussjahrgänge wieder unterrichten 

Derweil hat Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner sich dafür ausgesprochen, bei einer Lockerung der Corona-Regeln zuerst die Abschlussjahrgänge wieder in den Schulen zu unterrichten. Nur so könne es in ungewöhnlichen Zeiten ein normales Abitur geben, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. An den Abschlussprüfungen will er in Übereinstimmung mit seinen Amtskollegen festhalten.

Eine alsbaldige Öffnung der Einrichtungen für alle Kinder und Jugendlichen hält er für unwahrscheinlich. Ihm fehle die Fantasie bei der Frage, wie mit Kleinkindern im Kindergarten die Abstandsregeln von 1,5 Metern eingehalten werden sollten. Schulen und Kitas im Land sind seit 16. März geschlossen. Die derzeitige Regelung läuft am 19. April aus.