Neuseeland: Schüsse in Christchurch

Zahl der Todesopfer erhöht sich auf 50

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An der neuseeländischen Botschaft in London weht die Flagge auf Halbmast.

Sonntag, 17.03.2019

Zwei Opfer nach Anschlag in Christchurch noch in Lebensgefahr 

Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland schweben zwei Menschen immer noch in Lebensgefahr. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich derweil auf 50, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. In einer der beiden Moschen der Großstadt Christchurch, wo ein vermutlich rechtsextremistischer Täter am Freitag auf Muslime geschossen hatte, wurde eine weitere Leiche gefunden. Noch 36 Menschen wurden mit teils schweren Schussverletzungen in verschiedenen Krankenhäusern behandelt.

Inzwischen geht die Polizei davon aus, dass es sich bei dem festgenommenen Mann, einem 28 Jahre alten Australier, um einen Einzeltäter handelt. Nach den bisherigen Ermittlungen haben zwei weitere Personen, die ebenfalls schon am Freitag festgenommen wurden, mit dem Anschlag nichts zu tun. Der mutmaßliche Täter sitzt nun in Untersuchungshaft. Ihm droht wegen vielfachen Mordes lebenslang Gefängnis.

Samstag, 16.03.2019

Bei dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland hat die Polizei insgesamt 36 Minuten vom ersten Alarm bis zur Festnahme des mutmaßlichen Täters gebraucht. Im Wagen des 28-jährigen Australiers wurde dann auch ein Sprengsatz sichergestellt, wie die Polizei am Samstag weiter mitteilte. Inzwischen ist er offiziell des Mordes beschuldigt. Ein Gericht in Christchurch entschied dies unter strengen Sicherheitsvorkehrungen bei einer Anhörung unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Bei dem Doppelanschlag in der größten Stadt von Neuseelands Südinsel am Freitag wurden nach Angaben der Polizei 49 Menschen getötet und 42 verletzt. Nach bisherigen Ermittlungen schoss der Australier in beiden Moscheen wahllos auf Besucher. Zwei Verletzte waren am Samstag noch in kritischem Zustand, darunter ein vierjähriges Kind. In der Umgebung der beiden Tatorte legten viele Menschen Blumen nieder und steckten Kerzen an.

Zu den beiden weiteren Verdächtigen, die am Freitag festgenommen worden waren, sagte ein Polizeisprecher: «Wir ermitteln derzeit, ob eine Person oder diese Personen in den Vorfall verwickelt waren.»

Das sind die Reaktionen

«La Stampa»: Der Feind im Innern

«Das Attentat von Christchurch ist wie ein Schlag in die Magengrube. (...) Als die eisigen, erbarmungslosen Bilder auf den Bildschirmen und in den sozialen Netzwerken landen, ist der Schrecken unmittelbar.

Das Massaker hat ein junger Australier begangen. Die Nationalität vergrößert den Horror. Der Angriff hat einen Teil der Welt getroffen, in dem man dachte und hoffte, den Fanatismus in Zaum zu halten. Jetzt muss man sich auch hier mit dem Feind im Innern auseinandersetzen. Die Menschen auf der anderen Seite der Welt fühlten sich beschützt von der Distanz, dem Wohlstand, der sozialen Inklusion. Heute erkennen sie, dass sie (Gefahren) ausgesetzt und verletzbar sind.»

«Independent»: Angriff auf die zivilisierte Welt 

«Das Beileid jedes anständigen Menschen auf der Erde gilt den betroffenen Familien, Freunden und Gemeinden. Einmal mehr wurde die zivilisierte Welt angegriffen und muss ihr Bekenntnis zu Toleranz und Freiheit unter den denkbar tragischsten Umständen erneuern. (...) Die Massaker in Christchurch sind eine Mahnung, dass sich rechtsextremistischer - ähnlich wie islamistischer - Terrorismus global ausbreitet. In diesem Sinne ist keine Ecke der Welt immun für diese Gefahr, keine Gesellschaft sollte glauben, davor sicher zu sein.»

«Times»: Bedrohung durch Rechtsextremismus erkennen 

«Der Mord an mindestens 49 Gläubigen in zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch ist ein Akt purer Boshaftigkeit.  Politiker und die Öffentlichkeit werden gründlich der Frage nachgehen, ob dieses Verbrechen hätte verhindert werden können. Die vordringlichste Reaktion freier Gesellschaften auf diesen Terroranschlag muss darin bestehen, das Ausmaß der Bedrohung durch den Rechtsextremismus zu erkennen. Eine vergiftete Subkultur der Feindseligkeit gegenüber Muslimen und dem Geist einer pluralistischen Gesellschaft hat im Informationszeitalter Auftrieb bekommen. Sie wurde zudem auch von vielen im öffentlichen Leben genährt, indem sie gedankenlos die muslimische Bevölkerung mit dem radikalen islamistischen Fanatismus in Verbindung bringen.» 

«de Volkskrant»: Nicht nur ein Drama für Muslime 

«Christchurch ist nicht nur ein Drama für Muslime. Die grausamen Angriffe sollten zu einer allgemeinen Nachdenklichkeit führen. Die multiethnische Gesellschaft verursacht Spannungen. Diese Spannungen aufzulösen oder abzubauen, ist ein Auftrag an alle. Darüber muss eine offene Debatte geführt werden. Aber die multiethnische Gesellschaft ist auch Realität. Illusionen über die Rückkehr eines "weißen Vaterlands" führen lediglich zu Gewalt.»

«Neue Zürcher Zeitung»: Gefahr des Rechtsterrorismus wird unterschätzt 

«Die blinde Gewalt, die hohe Zahl der Opfer und die dahinter liegende Motivation des Täters lassen keinen anderen Schluss zu, als dass der Pazifikstaat von einem Terroranschlag heimgesucht wurde. Und zwar von einem von ganz rechts. Warum ist es so wichtig, das zu betonen? Weil der Begriff des Terrorismus in den vergangenen Jahren fast ausschließlich für islamistisch motivierte Taten reserviert zu sein schien. (...) Hinweise, dass in vielen Ländern die Gefahr des Rechtsterrorismus grob unterschätzt wird, gibt es nicht erst seit heute. So wirkt auch der grausame Anschlag von Christchurch wie ein Fanal. Der Hass auf Andersdenkende, Andersgläubige oder Andersaussehende, so viel ist klar, ist tief verwurzelt in all unseren Gesellschaften. Und er beschränkt sich längst nicht auf bärtige Männer, die "Allahu Akbar" rufen.»

Freitag, 15.03.2019

Was war passiert?

Im neuseeländischen Christchurch haben bewaffnete Schützen am Freitag, den 15. März 2019 zwei Moscheen angegriffen.

Zur aktuellen Lage sagte Polizeisprecher Mike Bush: «Lassen Sie uns nicht so tun, als ob es keine Gefahr mehr gibt.» Bush ließ offen, ob die Polizei die Angriffe als terroristische Tat einstuft.

Neusselands Premierministerin Jacinda Ardern hat den bewaffneten Angriff aufs Schärfste verurteilt. In einer kurzen Stellungnahme sprach die sozialdemokratische Politikerin von einem der «dunkelsten Tage» in der Geschichte ihres Landes. «Ich würde dies als eine Gewalttat beschreiben, wie es sie noch nie gegeben hat.» Für solch ein Verbrechen gebe es «keinen Platz in Neuseeland». Sie kündigte an, noch am Freitag selbst nach Christchurch zu fliegen.

Die Stadt riegelte wegen der unklaren Lage alle staatlichen Gebäude ab. Neben Schulen wurden auch das Rathaus, die städtische Bücherei und Museen geschlossen. Bürgermeisterin Lianne Dalziel appellierte an die 350 000 Einwohner, die Innenstadt zu meiden. Dalziel sagte: «Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann.»

Nach neuseeländischen Medienberichten ereigneten sich die Angriffe zur Zeit der Freitagsgebete, neben den Toten gab es auch Dutzende Verletzte.