Neues Wehr bei Leipziger Luppe

Luppe-Wildbett liegt seit Jahrzehnten trocken
Mittwoch, 6. Juli 2022

Ein neues Wehr geht in Klein Liebenau bei Leipzig am Vormittag in Betrieb. Es lässt Wasser von der Neuen Luppe in das Luppe-Wildbett fließen. Der Fluss liegt laut der sächsischen Talsperrenverwaltung seit Jahrzehnten trocken. Von dem Wasser, das durch das Wehr fließt, soll nicht nur die Natur profitieren. Es dient auch dem Hochwasserschutz.

Auch soll damit künftig das salzhaltige Überschusswasser aus den Tagebaurestseen in Merseburg-Ost in Sachsen-Anhalt verdünnt werden. Die Bauarbeiten begannen im September 2020 und kosteten rund 3,1 Millionen Euro, finanziert aus Mitteln des Bundes und des Freistaates Sachsen.

Sachsens Umweltminister Günther sagte bei der Inbetriebnahme: »Wir geben dem Luppe-Wildbett und diesem Teil der Auenlandschaft endlich das Wasser zurück. Das ist dringend notwendig. Denn dem Auwald und der Auenlandschaft der Weißen Elster fehlt an vielen Stellen Wasser. Mit der Wiederbespannung dieser natürlichen Flusslandschaft verbessern wir den Hochwasserschutz. Und wir verbessern die Gewässerqualität der Luppe. Angesichts der Tatsache, dass derzeit nur rund sieben Prozent der sächsischen Fließgewässer in gutem ökologischem Zustand sind, ist das ein wichtiger Beitrag. Zudem sind intakte Flussauen hochvitale Lebensräume und natürliche Wasserspeicher – angesichts der Krise der Artenvielfalt und der Klimakrise wichtige Punkte. Der Leipziger Auwald ist wegen wasserbaulicher Eingriffe in der Vergangenheit und infolge der Dürren in den letzten Jahren stark gefährdet. Wir haben uns vor zwei Jahren aufgemacht, den Auwald mit einem breiten Maßnahmenbündel zu retten. Maßnahmen wie die Wiederbespannung des Luppe-Wildbetts ergänzen die gemeinsamen Anstrengungen mit Partnern in den Landkreisen und Kommunen zum Schutz und zur Wiederbelebung der Flusslandschaft von Weißer Elster und Luppe in der Region.«

Das ursprüngliche Wehr aus dem Jahr 1935 wurde beim Hochwasser 2013 so stark beschädigt, dass es abgerissen und neu gebaut werden musste. An seiner Stelle entstand ein Betonbauwerk mit zwei Wehrfeldern, die jeweils durch ein Hubschütz gesteuert werden können. Als Teil des Projektes wurde die Gewässeranbindung zwischen der Neuen Luppe und dem Luppe-Wildbett wiederhergestellt. Damit kann des Wehr künftig auch für eine gesteuerte Entwicklung der Luppe-Wildbett-Aue genutzt werden. Ziel ist, mit einer sensiblen Steuerung die speziellen Lebensräume für Tiere und Pflanzen im Auenwald zu erhalten.

Hintergrund
Das Wehr Kleinliebenau II wurde im Jahr 1935 in Betrieb genommen. Das Luppe-Wildbett war jedoch seit den 1980er Jahren größtenteils von der Wasserversorgung abgeschnitten. Damals wurde die Neue Luppe in Richtung Autobahn A9 ausgebaut und der Aufschluss des Tagebaues Merseburg-Ost vorangetrieben. Hochwasserabflüsse wurden seitdem über die Neue Luppe zur Weißen Elster abgeleitet und das Luppe-Wildbett führte kaum noch Wasser. Das Wehr Kleinliebenau II wurde im Jahr 1989 verschlossen. Seine Hochwasserschutzfunktion für die südwestliche Elster-Luppe-Aue behielt es jedoch weiterhin.