Mallorca: Tote nach Unwetter

Bei den heftigen Regenfällen auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorcakamen mindestens zwölf Menschen ums Leben, darunter auch eindeutsches Ehepaar, das auf der Insel lebte. Dies bestätigte eine Sprecherin des Notdienstes der Balearen der Deutschen Presse-Agentur. Demnach fanden die Rettungskräfte ihre Leichen neben ihrem Auto. Zudem handelt es sich bei einem am Mittwoch geborgenen totenMann um einen Deutschen.

Wie Spielzeug hatten die Wassermassen Autos weggespült, Bäume und Mauern umgerissen. Rettungskräfte suchen noch nach vielen Vermissten, unter anderem auch nach einem fünfjährigen Jungen, der seit dem Sturzregen am Dienstagabend verschollen ist. Das hat der örtliche Notdienst getwittert.

Wassermassen verwandelten mancherorts Straßen in reißende Flüsse. Unter den Todesopfern seien auch zwei britische Urlauber, teilte ein Sprecher der Polizeieinheit Guardia Civil auf der spanischen Insel am Mittwochnachmittag mit. «Was ich hier heute gesehen habe, das ist schlimmer als Krieg. Es ist eine Katastrophe», zitierte das «Mallorca Magazin» den Deutschen Thomas Wenzel, der seit mehr als 20 Jahren in dem vom Unwetter besonders betroffenen Sant Llorenç im Osten Mallorcas wohnt.

Betroffen war in erster Linie der Osten der Insel. Innerhalb von nur zwei Stunden stürzten dort Dienstagabend nach jüngsten Angaben des Wetterdienstes 233 Liter Wasser vom Himmel. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr sind in Deutschland im Schnitt 850 Liter pro Quadtratmeter heruntergegangen.

Wassermassen verwandelten Straßen in reißende Flüsse

Dramatische Szenen gab es vor allem in der 8000-Einwohner-Gemeinde Sant Llorenç des Cardassar rund 60 Kilometer östlich der Hauptstadt Palma, wo es mehrere Tote gab. Dort trat ein Sturzbach über die Ufer. Die Wassermassen verwandelten Straßen in reißende Flüsse. Zahlreiche Autos wurden mitgerissen und Häuser unter Wasser gesetzt, wie auf Bildern und Videoaufnahmen von Medien und des Wetterdienstes der Balearen zu sehen ist. Bewohner versuchten verzweifelt, das Wasser mit Eimern aus ihren Häusern zu schippen.

Betroffene erzählten von dramatischen Augenblicken: «Ich bin ums Überleben geschwommen», sagte im spanischen Fernsehen ein junger Mann, dem die Panik am Mittwoch noch in den Augen stand. Rentner Manuel Torescussa wurde von den Wassermassen in der Nähe von Sant Llorenç in seinem Auto erwischt. «Ich konnte gerade noch aus einem Fenster ins Freie klettern und musste dann 500 Meter schwimmen, fast meine gesamte Kleidung blieb dabei an einem Metallzaun hängen», erzählte er der Zeitung «Diario de Mallorca». Javier Martínez klagte, sein Haus sei voller Wasser, Schlamm und Müll. «Ich habe alles verloren. Ich habe nur den Pyjama, den ich trage.» Die stellvertretende Bürgermeisterin von Sant Llorenç, Antonia Bauza, sprach von einer «katastrophalen Lage». «Das Wasser war nicht unter Kontrolle zu bringen, es war dramatisch. Man muss es erlebt haben, um zu wissen, wie schlimm es war.»

Strom- und Wasserversorgung abgebrochen

Sieben Landstraßen waren nach Angaben der Behörden noch unbefahrbar, einige Ortschaften nach Medienberichten ohne Strom- und Wasserversorgung und von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten. Überall entwurzelte Bäume, heruntergerissene Stromleitungen und Verkehrsschilder, zerstörte Häuser und Felder. Wasser und Schlamm, umgekippte und aufeinandergetürmte Fahrzeuge.

Die zwei Briten starben den Angaben zufolge in S'Illot in dem Ort Son Servera an der Ostküste, als sie im Taxi von den Fluten überrascht wurden. Der Taxifahrer werde vermisst. In Sant Llorenç starb der frühere Artá-Bürgermeister Rafel Gili (71), der als junger Mann zehn Jahre in Deutschland gewohnt hatte und dort Tennislehrer gewesen war. Eine Frau und ein 83-Jähriger wurden in ihren Häusern in Sant Llorenç vom Wasser überrascht. Ihre Leichen wurden in der Nacht geborgen. Weitere Tote seien in S'Illot, Artà und Sant Llorenç entdeckt worden, teilte der Notdienst der Balearen auf Twitter mit.

Ein Feuerwehrmann, der in der Nacht Einsätze in Sant Llorenç des Cardassar und Artà fuhr, sagte dass die Menschen auf Bäumen und Dächern saßen. «Der Zugang mit dem Feuerwehrwagen war schwierig, so dass wir meist mehrere Versuche unternehmen mussten, um an die Menschen heranzukommen.» Dutzende Häuser mussten evakuiert werden.

Rund 200 Menschen verbrachten die Nacht in Sportanlagen der Stadt Manacor, unter anderem in einer Anlage des aus Mallorca stammenden Tennis-Weltstars Rafael Nadal, «Trauriger Tag», twitterte Nadal, der seine Hilfe anbot. Unter den Menschen, die in Sicherheit gebracht werden mussten, gab es sehr viele Rentner und Eltern mit Babys und kleinen Kindern.

Rund 400 Hilfskräfte im Einsatz

Die Rettungsteams waren am Mittwoch mit rund 400 Hilfskräften im Einsatz. Oberste Priorität hatte zunächst die Suche nach Vermissten. Neben Dutzenden Fahrzeugen waren auch vier Hubschrauber, ein Flugzeug und ein Schiff eingesetzt. Es wird befürchtet, dass das eine oder andere Fahrzeug mit Insassen ins Meer gespült worden sein könnte.

Unwetter mit Überschwemmungen gab es in Spanien auch in Katalonien im Nordosten sowie in der Provinz Málaga im Süden des Landes.

Auf Mallorca hatte es schon seit Montag sehr heftig geregnet, ortsweise auch gehagelt. Durch das Unwetter kam es laut Medien zeitweise auf dem Flughafen Palma zu Verzögerungen. In der Hauptstadt und auch am «Ballermann» östlich von Palma war die Lage aber weitgehend normal.

Aufräumarbeiten begonnen

Auch der mallorquinische Tennis-Weltstar RafaelNadalpackte kräftig mit an, um seinen Landsleuten zu helfen. Bereits kurz nach der Katastrophe hatte er seine Sportanlage «RafaNadalAcademy» in Manacor für Menschen geöffnet, die nicht in ihren Häusern übernachten konnten. Auf Bildern ist zu sehen, wie der 32-Jährige zudem in Gummistiefeln und Arbeitshandschuhen zusammen mit anderen Freiwilligen eine Autowerkstatt mit einem Besen von Schlamm befreit.

Sant Llorenc: Der spanische Tennisstar Rafael Nadal räumt mit den Bewohnern den Schlamm aus ihren Häusern. Bereits kurz nach der Katastrophe hatte der Weltranglistenerste seine Sportanlage «Rafa Nadal Academy» in Manacor für Menschen geöffnet, die nicht in ihren Häusern übernachten konnten.
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