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«Kennzeichen "L" - Eine Stadt stellt sich aus»

Stadtmuseum fragt nach der Identität Leipzigs
Mittwoch, 16. Juni 2021

Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig hat sich in seiner neuen Ausstellung ein großes Thema vorgenommen. «Kennzeichen L. Eine Stadt stellt sich aus» ist eine Schau über Leipzig, größte Stadt Ostdeutschlands nach Berlin, ehemalige «Boomtown» und auch als «Hypezig» bekannt. Die Ausstellung sei der Versuch, auf die ganze Stadt zu schauen und zu fragen, warum sie so faszinierend, manchmal aber auch anstrengend sei, sagte Kurator und Museumschef Anselm Hartinger am Montag.

Passend zu diesem sehr globalen Zugang ist «Kennzeichen L» ein buntes Sammelsurium aus 500 Jahren Stadtgeschichte. Ein großformatiges Foto einer DDR-Straßenszene steht drei historischen Klappstühlen aus dem 1895 abgerissenen Alten Gewandhaus gegenüber. Plakate erinnern ebenso an ein Oberliga-Punktspiel zwischen Dynamo Berlin und Lok Leipzig wie an das Wave-Gotik-Treffen, das seit fast 30 Jahren zu Pfingsten Leipzig prägt. «Wir haben über 600 000 Objekte, wir konnten uns manchmal kaum entscheiden», sagte Hartinger.

Alle bekannten Leipzig-Motive - die Buchstadt, die Musikstadt, die Messe - kommen in der Ausstellung vor. Das seien Themen, auf die alle Leipziger einsteigen könnten, sagte Hartinger. Doch der Kurator und sein Team wollten mehr als die Stadtgeschichte zeigen. In drei kleinen Inseln im Zentrum der Ausstellung geht es deshalb um aktuelle Streitpunkte wie bezahlbares Wohnen oder die Frage, wer eigentlich die Deutungshoheit in der Stadt hat. Dort sind die Besucher auch ausdrücklich zum Mitmachen aufgefordert.

«Kennzeichen L» sei eine Einladung zum Dialog über die Identität der Stadt. «Jeder wird mal ein Tränchen verdrücken, jeder wird sich mal ärgern oder nicht einverstanden sein. Aber vielleicht ist es ja das Vielstimmige, das die Stadt ausmacht», sagte Hartinger. «Kennzeichen L» ist von Mittwoch, 16. Juni bis zum 26. September 2021 zu sehen.