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Ist der Hebammenberuf in Gefahr?

Steigende Haftpflichtprämien werden immer mehr zur Belastung
Dienstag, 24. April 2018

Seit einigen Jahren schon bangen vor allem freiberufliche Hebammen wegen ihrer hohen Berufshaftpflichtversicherung um ihre Existenz.

Obwohl die Zahl der in Kliniken angestellten Hebammen steigt, möchte kaum eine Hebamme mehr freiberuflich arbeiten. Diese sind nämlich gezwungen, die Haftpflichtprämie zu bezahlen, wenn sie auch Geburtshilfe anbieten.

Musste eine Hebamme im Jahr 1981 noch mit 30,68 € für die Haftpflicht rechnen, kommt sie seit der letzten Erhöhung im Juli 2017 auf bis zu 7.639 €. Grund für diesen Anstieg sind gestiegene Kosten für die Schadensfälle. Der Deutsche Hebammenverband befürchtet, dass dieser Geldbetrag bis 2019 weiter wächst – auf über 9000 €. Sie forderten eine Haftungshöchstgrenze, aber diesbezügliche Anträge der Grünen und Linken scheiterten im Bundestag.

Die meisten Hebammen, etwa 70 bis 80 Prozent, verzichten bereits auf eine freiberufliche Tätigkeit. Aber auch immer weniger Kliniken führen überhaupt Entbindungen durch. In einigen Regionen Deutschlands müssen Schwangere teilweise zwischen 50 Kilometer bis zur nächsten Hebamme fahren – von einer flächendeckenden Versorgung kann schon lange nicht mehr die Rede sein.

Hebammen dürfen sich jetzt zwar über eine etwa 17-prozentige Honorarerhöhung freuen, doch laut Hebammenverband gleicht die höchstens die bisherige Unterbezahlung aus. Weitere Erhöhungen sind außerdem bis 2020 ausgeschlossen.

Wie gefährdet der Berufsstand der Hebammen wirklich ist, muss erst erhoben werden. Das Sozialministerium Sachsen-Anhalt hat eine Studie angekündigt, deren Ergebnisse in diesem Jahr vorliegen soll.

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