
Zwischen Wäschebergen, Pausenbrot und einem Alltag, der selten perfekt ist: Sophie Schütt (35) aus Barleben bei Magdeburg zeigt auf ihrem Instagram-Kanal „sophie.einfach.mama“, wie Familienleben wirklich aussieht – ehrlich, praktisch und mit einer großen Portion Humor. Und sie gibt jede Menge Tipps, wie man den Haushalt nachhaltig und ohne große Chemie schmeißen kann. Bei Insta folgen ihr schon über 91.000 Menschen.
Von Mama zu Mama spricht radio SAW Moderatorin Freddy Holzapfel Sophie darüber, wie sie zur Momfluenzerin wurde, warum nicht jeder aufgeräumte Raum echt ist und welche Tricks den Alltag tatsächlich leichter machen. Es geht um die wichtige Frage, wie man Spinnen fernhält – aber auch um Druck, Erwartungen und die Balance zwischen Privatleben und Öffentlichkeit. Ein Gespräch, das zeigt: Perfekt muss niemand sein, aber Spaß haben sollte er schon.
Wann und warum bist du Influencerin geworden?
Sophie: Es hat tatsächlich vor zwei Jahren angefangen, als ich das zweite Mal Mama geworden bin. Also, mein Kleiner war, glaub ich, sechs Wochen alt ungefähr. Und ich war zu Hause völlig überfordert mit dem Haushalt. Ich glaub, das kann jeder nachvollziehen, wenn man zwei kleine Kinder zu Hause hat, was da für ein Chaos zu Hause ist. Und ich hab versucht, mir Wege und Pläne zu machen, wie ich einfach zeiteffizient und schnell so meinen Haushalt in den Griff kriege oder gefühlt mein Leben wieder in den Griff kriege. Weil das war so zwischenzeitlich echt ein Riesenproblem. Und hab dann auf Instagram relativ spontan so diese Putzhacks angefangen. Und hab gemerkt, oh krass, da ist ein ziemlicher Hype drauf. Aus welchen Gründen auch immer. Es hat mir aber super viel Spaß gemacht. Es hat mir wahnsinnig viel Zeit im Haushalt erspart. Und deswegen bin ich dabei geblieben. Und dann hat sich das so ein bisschen weiterentwickelt in Richtung halt Interesse an Low-Tox-Lösungen oder zumindest natürlich reinigen. Und hab mich einfach ein bisschen mehr mit der Gesundheit beschäftigt. Weil viele Mamas, glaub ich, auch da ganz viel Wert drauf legen. Weil sobald man Kinder hat, ändert sich irgendwie alles. Und das war so der Anfang von meinem Influencer-Dasein.
Du hast mittlerweile 91,1 Tausend Follower bei Insta - kannst du davon leben?
Sophie: Das werd ich auch sehr oft gefragt. Ich glaub, die meisten denken immer, okay, krass, wenn man schon so viel voller hat, dann muss man ja viel Geld verdienen. Aber so einfach ist es tatsächlich nicht. Ich glaub, es war vor ein paar Jahren noch deutlich einfacher als jetzt. Also bin ich mir fast sicher, wenn ich da angefangen hätte, wär ich jetzt wahrscheinlich doch schon ein bisschen weiter. Aber ich hab tatsächlich einen 30-Stunden-Job und geh auch normal arbeiten. Aber eben meiner Leidenschaft nach als Social-Media-Managerin in Bayern leben und bin da sehr glücklich. Aber man könnte, wenn man's gut anstellt, schon gutes Geld verdienen.
Wie hast du so viele Follower generiert?
Sophie: Ich habe sehr viel Geld verbrannt in Social-Media-Kursen. Also, wenn ihr euch einen Kurs sucht und einfach auch tatsächlich mal schauen wollt, wie das Ganze überhaupt funktioniert. Es gibt super viel auf YouTube, aber es wird dann auch immer, je konkreter es wird und je detaillierter natürlich, Geld kosten. Und man muss ganz genau aufpassen, glaube ich, wo man sein Geld da lässt. Ja, es gibt ganz, ganz viel Scam und ganz viele Dinge, die nicht so gut funktionieren. Da bin ich selber auch drauf reingefallen. Also, ja, ist so. Und es ist aber auch ganz viel, einfach zu probieren, zu testen, zu schauen, okay, was macht einem selber Spaß und was kommt auch gut an. Also, man sieht es ja anhand von Zahlen, anhand von Herz-Hinwiederfliegen, anhand von Kommentaren und Co. Und da merkt man relativ schnell, ob das Thema relevant ist oder nicht. Und dann einfach die Welle reiten, bis sie nicht mehr zu reiten geht.
Welche Themen funktionieren bei dir am besten?
Sophie: Also es geht eigentlich immer um die fünf Hausmittel, die, glaube ich, jeder schon gehört hat. Natron, Soda ist ganz, ganz krass, weil die meisten den Unterschied zwischen Natron und Soda gar nicht kennen. Zitronensäure oder generell mit Zitronen an sich zu putzen oder zu reinigen. Putzmittel selber herzustellen, weil viele da Angst, glaube ich, noch vorhaben und Berührungsängste, weil es gibt eine fette Bandbreite an regelmäßigen, also an Putzmitteln. Und ich stand selber damals immer vor dem Regal in der Drogerie und dachte so, okay, was nimmst du jetzt? Eines mitgenommen, das andere wieder weggeschmissen, weil war scheiße. Und das sind so wirklich richtige Dauerbrenner. Das geht permanent hoch und runter. Also das ist nicht tot zu kriegen. Das ist so langlebig, weil das hat meine Oma noch gemacht. Also es ist ja nichts Neues, aber es ist so jetzt wieder neu am Aufkommen, dass viele sich mehr mit diesen gesundheitlichen Themen beschäftigen. Und ich glaube, das ist der Grund, warum das gut funktioniert.
Gibt es einen Haushaltshack, der dein Leben rettet?
Sophie: Völlig unterschätzt, aber super geil ist Schmierseife. Schmierseife hat super viele Möglichkeiten und Einsatzmöglichkeiten im Haushalt und auch im Garten. Also man glaubt es aber gar nicht, aber Schmierseife ist mein All-in-One, auch wenn es um die Abflussreinigung geht.
Und was ist der Unterschied zwischen Natron und Soda?
Sophie: Natron ist tatsächlich ein bisschen leichter in der Reinigung und nicht so krass aggressiv. Sagen wir mal als Beispiel ein verbrannter Backofen. Viele sagen immer Natronpaste. Funktioniert super. Funktioniert nicht so ganz gut, weil es einfach zu leicht ist, also zu basisch oder zu leicht basisch. Und Soda ist dann noch stärker basisch und kann auf jeden Fall viel krasser die Kruste noch beseitigen. Vor allem, wenn man es einwirken lässt. Das Zauberwort ist immer Einwirkzeit, weil viele denken, ich nehme die Paste, schrubbe einfach drüber und dann ist fertig und dann geht das. Ne, das geht nicht. Also Zauberwort Einwirkzeit.
Wie hält man Spinnen-Biester fern?
Sophie: Superkrasses Thema. Ich glaub, das war auch ein Reel, was total viral gegangen ist, wenn ich mich nicht irre. Ich hab da so viele Kommentare draufbekommen. Mein All-Time-Favorite ist dieser Spinnfänger, den ich habe, wo du dann einfach wirklich den Deckel so draufmachst und dann so rausschiebst, dass das Ding zugeht. Und du die dann draußen aussetzen kannst. Wir wollen ja auch keine Unmenschen sein und Tiere töten. An der Stelle war's dann auch der zweite Punkt. Am Fensterrahmen gibt es Lüftungsschlitze. Weil man fragt sich ja, wo kommen denn die großen Dinger überhaupt rein? Klar, man lebt auf dem Dorf, das ist definitiv eine Dorfspinne gewesen. Aber irgendwo muss die ja reinkommen. Und dann natürlich von außen, an den Fenstern ist es. Wenn man Fenster mal aufkippert, gut, kannst du nicht viel machen, ist halt so. Aber es gibt Lüftungsschlitze und dafür gibt es tatsächlich Sticker, die man draufmachen kann, dass die da nicht durchkommen.
Hand aufs Herz - wie oft sieht es bei euch zu Hause wirklich so ordentlich aus, wie im Reel?
Sophie: Ja, also ich glaube, ich habe irgendwann mal angefangen, Postings zu machen mit Realität versus Instagram-Glam oder Glamour. Und es ist wirklich, wenn ich ein Video mache, ich räume alles auf Seite, weil ich kann aus ehrlicher Erfahrung sagen, mit zwei Kindern zu Hause kann es nicht sauber sein. Es kann sauber im Grunde ja, der Boden, also man kann jetzt nicht vom Boden essen, aber man kann aber ganz klar sagen, da stehen halt einfach Mount Washmore-Berge, da stehen Teller, da stehen Tassen, da stehen Trinkflaschen, es ist egal was, ich glaube, das funktioniert auch nur so. Und wenn, muss man sich, glaube ich, aber einfach damit abfinden und sagen, ey, es ist easy peasy, es ist nicht schlimm, weil es ist normal, es ist normale Realität und das finde ich ist fair.
Spürt man als Mama auf Instagram manchmal Druck, alles richtig machen zu müssen?
Sophie: Oh ja, also man zweifelt trotz allem sehr oft an sich selbst und sieht immer diesen Perfektionismus, manchmal auch bei anderen Mamas. Man versucht sich immer sehr schnell zu vergleichen, glaube ich. Gerade auf Social Media ist das, finde ich, sehr viel Druck. Ja, weil doch immer alles perfekt. Und manchmal sieht man so diese cleanen Haushalte, wo wirklich gar nichts rumsteht und alles geleckt ist. Und ich denke immer so, krass, ja, es wäre schön, weil es macht den Kopf auch ruhig, aber eigentlich fast unmöglich. Realität, zwei Kinder. Und ich kriege sehr viel Gegenwind, muss ich ehrlich sagen. Also es ist immer noch, dass Leute mir manchmal wirklich schreiben und das unter der Gürtellinie. Das muss man abkönnen. Also gerade wenn man schon in dem Bereich ist, also auch bei 30.000 war das so, aber es kommen immer welche aus ihren Löchern, wo man sich fragt, okay, haben die den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als sich Leute rauszusuchen und zu versuchen, irgendwie die schlecht zu machen oder ein schlechtes Gefühl. Aber was mir geholfen hat, ist, dass ich meine Kommentare, wenn es keine guten Kommentare sind, 48 Stunden später erst lese. Also um einfach nicht diesen Druck auf mich direkt zu projizieren, wenn ich das Kommentar gleich kriege. Ich sehe ja, dass da Bewegung drauf ist, aber es hilft auch, manchmal 24 Stunden, 48 Stunden dazwischenzulassen, um ein bisschen durchzuatmen. Und als Zweites ist auf jeden Fall, dass ich konstruktiv auch darauf antworte. Nicht natürlich so, wie Sie mir geantwortet haben, sondern einfach mit einem kleinen Augenzwinkern.
Wo ziehst du die Grenze zwischen Privatleben und Content?
Sophie: Ganz klar bei den Kindern. Ganz, ganz, ganz klar. Also, grade nachdem, was da alles so draußen los ist, würde ich sagen, ist das eine große Grenze. Ähm, es gab eine Zeit, da hab ich mir nicht so Gedanken drüber gemacht, aber es kam dann der Zeitpunkt, wo ich größer geworden bin, dass ich gesagt hab, okay, die Kinder haben mit Gesicht im Zeitalter von KI und Co. gar nichts mehr da zu suchen. Und ich weiß, da gehen die Meinungen sehr stark auseinander, das ist immer so 50-50. Aber für mich ist das ein absolutes Ding, wo ich sage, nee, wenn, dann sieht man sie vielleicht von hinten maximal, wenn wir natürlich einen Familienausflug haben oder Co. Aber ansonsten versuche ich, sie komplett rauszuhalten. Also, es sieht immer so aus, als wäre ich Single.
Was sagt dein Mann dazu?
Sophie: Also der ist selber auch tatsächlich Fitness-Influencer und er macht halt wirklich Fitness-Coaching und Co. Ist selber auch viel in den sozialen Medien halt unterwegs und der findet das alles cool. Der ist auch hin und wieder, also ganz selten mal zu sehen, weil er eben auch wirklich viel arbeitet. Wir beide Kinder hier, Kinder da und viel so gemeinsam. Ist schwierig, also rein Social-Media-seitig und deswegen, ja, ist er auch relativ selten zu sehen.
Was möchtest du anderen Müttern unbedingt mitgeben?
Sophie: Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt, dass jede Mama einfach auch lernen darf, sich nicht selbst zu viel Druck zu machen, sich nicht zu sehr zu stressen. Mit vielen Situationen. Ich weiß, bei mir schwappt das auch oft sehr über. Ja, aber ich versuche mich dann immer wieder ein bisschen zu erden und einfach zu sagen Okay, es ist überhaupt nicht schlimm. Es ist nicht wild, weil sind wir ganz ehrlich, die Kinder zehren schon stark an unseren Nerven und an so Toleranzgrenzen. Und da finde ich, muss man auch ab und zu einfach mal ein bisschen entspannter mit umgehen. Also zumindest zu sagen Hey, es ist nicht schlimm, dann mache ich halt die Wäsche morgen und nicht heute, weil es muss nicht mehr sein. Ich bin auch fertig. Der Energie Level ist runter. Ich würde jetzt lieber Sport machen, zum Beispiel. Man lernt, glaube ich, einfach anders Prioritäten zu setzen. Und das darf man auch gerne machen als Mama. Das darf man auch tun.
Worauf bist du besonders stolz?
Sophie: Aber ich bin sehr stolz auf meine Kinder, weil die halten einem immer den Spiegel vor's Gesicht. Und ich hab's erst letzte Woche wieder gemerkt, dass mein Großer irgendwas zu mir gesagt hat, ich kann's gar nicht mehr in Worte fassen. Und ich hab das gehört, wie er mich auch dabei angeguckt hat, und gesagt hat, okay, da sprich ich aus ihm. Das ist ja wild, das ist ja total irre. Und das macht mir jetzt auch grade schon wieder voll Gänsehaut. Weil das sind so Situationen, da bin ich unfassbar stolz, dass ich ihnen genau das mitgeben kann. Und das einzige Schwierige, find ich, ist, wenn mein Großer mich fragt, Mama, was machst du da eigentlich? Wie erklärt man denn bitte einem fast Sechsjährigen, hey, ich bin Influencerin oder Creatorin? Der kann damit ja gar nichts anfangen. Das heißt, da hab ich große Schwierigkeiten, ihm das zu erklären.
Was sollen deine Kinder später mal über ihre Kindheit sagen?
Sophie: Die sollen sagen, dass sie Spaß hatten, dass sie ganz viel gelacht haben, dass Mama und Papa. Wir machen das ja mit dem Hintergrund, dass wir mehr Zeit für sie auch haben. Es ist ja unser Ziel, damit auch wirklich viel mehr Geld zu verdienen und einfach vielleicht hauptberuflich auch irgendwo, damit wer weiß, wo wir dann irgendwann mal sind. Ja, wir haben auch Pläne und sie sollen sagen, wir hatten eine schöne Kindheit. Mama und Papa waren da und wir hatten auch ganz viel Spaß und man muss auch nicht alle Momente im Video festhalten.
