Darum solltet Ihr spazierengehen

Interview mit dem Spaziergangsforscher Bertram Weishaar
Freitag, 24. April 2020

Kaum irgendwas war die letzten Wochen so angesagt wie Spazierengehen. Bis die ersten Läden am Montag wieder aufgemacht haben, gab es ja auch quasi keine andere Möglichkeit, sich die Zeit außerhalb der eigenen Wohnung zu vertreiben.
 
Spazierengehen ist gerade in diesen Zeiten absolut empfehlenswert, sagt der Leipziger Bertram Weishaar. Er ist ein sogenannter Promenadologe, übersetzt Spaziergangsforscher.
 
„Sobald wir rausgehen, uns bewegen sind wir mitten in der Welt. Wir haben sinnliche Eindrücke, wir sehen andere Menschen, können ihnen zulächeln. Wir sehen, was die anderen tun, wir sind Teil des Ganzen, und das bringt uns irgendwie auf andere Gedanken. Diese Abwechslung löst uns vielleicht auch so ein bisschen von diesen schwergewichtigen Nachrichten, die wir tagtäglich hören“, erklärt er.
 
Einen schönen Tipp hat Bertram Weishaar für alle, die mit Kindern unterwegs sind:
 
„Man sollte sich einfach mal runter zu den Kindern begeben, die Stadt aus dieser Perspektive betrachten und sich dann daran erinnern: Als Kind sieht und erlebt man die Welt genau so und nicht anders. Das vergessen wir als Erwachsene manchmal und das hilft uns vielleicht auch, auf manche Dinge aufmerksam zu werden, die wir normalerweise keines Blickes würdigen würden.“
 
Und was, wenn alle bekannten Parks und Spazierwege schon x-mal gegangen wurden und das Ganze dann irgendwie langweilig wird? Einfach mal da hingehen, wo man noch nie war, rät der Experte:
 
„Aus dem Urlaub kennen das wahrscheinlich alle, wenn man so ein, zwei Tage den Sehenswürdigkeiten hinterhergehechtet ist, dann will man einfach mal so ein bisschen rumstreunen, sich einfach treiben lassen von augenblicklichen Impulsen. Und dann geht man auch mal in diese oder jene Straßen ohne so wirklich zu wissen, warum. Und genau das kann man auch in der Stadt tun, in der man eigentlich lebt.“
 
Also, raus mit Euch, lass Euch treiben, geht Spazieren, das lüftet den Kopf und ordnet die Gedanken. Falsch machen kann man bei dieser Art der Freizeitgestaltung jedenfalls nichts:
 
„Das einzige, was man falsch machen kann, ist NICHT spazieren zu gehen.“

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