Christian_Drosten.jpg

Virologe Christian Drosten

Immunität nach Infizierung möglich

Montag, 23. März 2020

In einigen Monaten könnte es Ärzte und Pfleger geben, die infizierte Patienten ohne Schutzbekleidung behandeln können. Aber auch andere Berufsgruppen könnten bald für einige Jahre immun gegen die Lungenkrankheit sein. Wer sich erneut anstecke, hätte nur leichte Erkältungssymptome. So prophezeit es jedenfalls Christian Drosten, Virologe der Charité Berlin, in einem interview mit der "Zeit".

Auch andere Experten meinen, dass geheilte Patienten sicher vor einer Neuansteckung sind und das Virus nicht mehr übertragen können. "Diese Leute sind nicht mehr gefährdet und können breiter eingesetzt werden", so z. B. Daniel Koch vom Schweizer Bundesamt für Gesundheit in einem Gespräch mit der "Neuen Züricher Zeitung". 

Ist Blutplasma die Lösung?

Zwar fehlen im Moment noch wichtige Daten, doch für Drosten sei es eine naheliegende Überlegung, dass erkrankte Menschen mit dem Blutplasma von Genesenen behandelt werden könnten. Italien stünde kurz davor, erste Versuche mit dieser Methode auszuführen.

Menschen, welche eine Corona-Infektion gut überstanden haben, haben gleichzeitig Antikörper gebildet. Mit einer Plasmaspende könnten diese Antikörper einem Erkrankten helfen, besser zu genesen.

Bisher weiß man jedoch nicht, wie viele Genesene es in Deutschland gibt, da bis zu 80 Prozent der Infektionen mild verlaufen und einige Betroffene gar nicht erst auf das Virus getestet werden. Trotzdem ist Drosten zuversichtlich: "Wenn wir davon ausgehen, dass sich während der jetzigen Infektionswelle bis zum Herbst vielleicht zehn oder 15 Millionen Menschen in Deutschland anstecken, dann haben wir auch bald sehr viele Leute mit Antikörpern."

Drosten kann sich dennoch vorstellen, dass es bereits in zwei Monaten erste Auswertungen von Fallberichten aus Deutschland geben könnte. Doch sehr schnelle Erfolge seien zumindest in der Breite nicht zu erwarten.

Ebola-Wirkstoff gegen Corona?

Der ursprünglich entwickelte Wirkstoff gegen Ebola, Remdesivir, sei laut Drosten ein weiterer vielversprechender Wirkstoff gegen Covid-19. Aktuell würden schon Studien laufen, doch momentan erlaube der Hersteller den Einsatz nur bei besonders schwer erkrankten Menschen in einem kleinen Zeitfenster. 

Der Virologe sagt dazu: "Eigentlich möchte man es den Menschen schon eher geben, und dafür müsste es in einem viel größeren Maßstab verfügbar sein. Man muss jetzt abwarten, wie die ersten Ergebnisse sind."

Es wird in der nächsten Zeit zwar nicht ganz so einfach werden, aber dennoch ist Christian Drosten sich sicher, dass wir diese Zeit überstehen werden, auch wenn wir Verluste hinnehmen müssen.