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Explosion in Chemiebetrieb

2 Tote - 5 Vermisste wohl nicht zu retten
Mittwoch, 28. Juli 2021

Die Staatsanwaltschaft hat nach der Explosion in einer Leverkusener Müllverbrennungsanlage ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung eingeleitet. Zudem werde wegen fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion ermittelt, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Der Vorwurf richte sich gegen unbekannt.

Ein Sprecher sagte, es gehe darum, zu prüfen, ob menschliches Fehlversagen zu der Detonation geführt haben könnte. Bei der Kölner Polizei wurde dafür auch eine Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Bei der gewaltigen Explosion am Dienstagmorgen im sogenannten Chempark waren mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Bei fünf weiteren Vermissten ging die Betreiberfirma Currenta am Mittwoch davon aus, dass sie nicht mehr lebend gefunden werden. 31 weitere Menschen wurden verletzt. Die Ursache für die Detonation, die sich im Tanklager des Entsorgungszentrums ereignet hatte, war zunächst unklar.

Nach Angaben der Ermittler ist das Betreten des Areals «weiterhin nur stark eingeschränkt möglich». Um sich einen Überblick zu verschaffen, würden Drohnen eingesetzt. Mehrere Sachverständige unterstützten die Ermittlungen. «Der Einsatz von Feuerwehr und Polizei am Brandort wird aller Voraussicht nach noch mehrere Tage andauern», hieß es.

Das nordrhein-westfälische Landesumweltamt (LANUV) teilte am Mittwoch mit, man gehe «derzeit» davon aus, dass über die freigesetzte Rauchwolke «Dioxin-, PCB- und Furanverbindungen» in die umliegende Wohngebiete getragen worden seien.

Entscheidend ist die Frage nach der Konzentration der Stoffe. «Dioxin-, PCB- und Furanverbindungen werden durchaus in Zusammenhang gebracht mit Missbildungen bei Neugeborenen von Tieren, weniger beim Menschen, als Umweltöstrogene oder auch Krebs erregende Substanzen beim Menschen», sagte Daniel Dietrich, Leiter der Arbeitsgruppe Human- und Umwelttoxikologie an der Uni Konstanz, der Deutschen Presse-Agentur. «Aber – und das ist das große Aber – nur in hohen Konzentrationen. Und die liegen nicht vor, wenn das entsprechende Gebiet im Laufe der Zeit gereinigt und dekontaminiert wird.»