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Eintracht Braunschweig gewinnt bei Erzgebirge Aue 3:1

Lieberknecht: "Es war ein Endspiel für mich"

Sonntag, 28. Januar 2018

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Schiedsrichter Christof Guensch

Eintracht Braunschweig ist in Aue ein Befreiungsschlag im Abstiegskampf gelungen. Beim FC Erzgebirge Aue gelang den Löwen ein 3:1 Auswärtssieg. Was niemand wußte – für Trainer Lieberknecht war es ein Endspiel!

Drei Niederlagen in Folge musste das Team von Torsten Lieberknecht hinnehmen, eine schwierige Situation. Aber – selbst in der Meisterschaftssaison 1967 waren es derer 8, plus 9 Unentschieden. Umso erstaunter waren die Reporter, Spieler und Fans, als der Trainer unter Tränen verriet – „es war für mich ein Endspiel.“ Schon in der Vorwoche mehrten sich die Gerüchte, man habe Mirko Slomka am Stadion gesehen – eigentlich nicht so außergewöhnlich, denn der wohnt bei Hildesheim. Ernsthaft an Lieberknechts Abschied dachte da wohl noch niemand – bei aller Enttäuschung über die holprige Saison. Schließlich war die bisher geprägt durch zahlreiche verletzte Stammspieler und unglückliche Unentschieden.
In Aue lies sich Lieberknecht nichts anmerken. Schließlich wollte er sein Team nicht unnötig verunsichern. Im gerade fertig gestellten neue Erzgebirgsstadion brachte der Trainer eine offensive Startformation auf den Rasen – neben Suleiman Abdullahi lief der wieder genesene Dome Kumbela auf und Neuzugang Philipp Hofmann als Mittelstürmer. Hochscheidt und Schönfeld sollten für die Pässe aus der Mitte sorgen.

Aue startete mutig – schließlich wollte man zur Stadioneröffnung nicht verlieren. Nazarov und Soukou versuchten es mit Fernschüssen, aber Keeper Fejzic angelte die Bälle problemlos aus der Luft. Eintracht probierte es schnell und direkt mit wenigen Ballkontakten – ein temporeiches und zugleich kämpferisches Spiel entwickelte sich, das Dank der guten Übersicht von Schiedsrichter Christof Günsch nicht zerpfiffen wurde.

In der 12. Minute jubelten zunächst die Gastgeber. In der Vorwärtsbewegung eroberte sich Fandrich den Ball am Mittelkreis, schickte Pacal Köpke in den freien Raum, der sich allein vorm Tor die Ecke aussuchen konnte – und zum 1:0 traf. Die Freude währte nicht lange – eine Minute später verlängerte Philipp Hofmann per Kopf auf Hochscheidt, der perfekt in den Lauf von Abdullahi flankte. Der Nigerianer schob mit voller Wucht zum 1:1 ins lange Eck ein (13.).

Beide Mannschaften agierten hoch motiviert, zwingende Chance sprangen dabei nicht heraus. Einzig ein abgefälschter und verdeckter Fernschuss von Nazarov on der 18. ist noch erwähnenswert. Eintracht versuchte den engen Riegel der Auer mit weiten Bällen zu überwinden, die Aue-Offensive drang nicht durch die Blau-Gelbe-Abwehrwand. Das unermüdliche Antreiben der mitgefahrenen Eintracht-Fans wurde in der 35. Minute belohnt – Hofman legte zurück, Teigl überlies Kumbela die Schusschance und der bedankte sich mit einem strammen Schuss ins lange Eck zum 1:2.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit versuchte Aue erwartungsgemäß noch einmal das Spiel zu drehen. Eintrachts Abwehr stand aber gut und zu dicht gestaffelt. Einen Aufreger gab es in der 54. Minute, als Hochscheidt aus kurzer Entfernung dem Schiedsrichter den Ball aus Versehen in den Bauch drosch. schoß. Christof Günsch blieb die Luft weg, er ging in die Hocke – konnte aber kurz darauf weiter pfeifen. Kurz darauf hätte Philipp Hoffman beinahe sein erstes Tor gemacht, aber im letzten Moment wurde sein Schuss im 5 Meter-Raum noch geblockt (55).

Aues Trainer Drews brachte seinen quirligen Neuzugang Munsy für Nazarov ins Spiel. Der hatte in Düsseldorf mächtig gewirbelt, aber in der Eintracht Abwehr lief auch er sich fest. Aus einer Ecke heraus entwickelte sich die Entscheidung. Wieder war es Jan Hochscheidt, der nach einer Balleroberung den Pass auf den startenden Abdullahi spielte – der lies seinen Gegenspieler stehen – und – statt quer auf die mitgelaufenen Stürmer zu legen, macht er es selbst und lies Männel keine Chance – der Ball zappelte zum 1:3 im Netz. Nur einmal noch hätte Aue nach einer Ecke Ergebniskosmetik betreiben können. Kempe stieg zum Kopfball hoch – Fejzic hielt mit Glanzparade (79.). In der Schlussphase blieb Eintracht zwar durch Konter gefährlich, zwingende Chancen gab es nicht mehr.

Nach dem Spiel verlies Trainer Torsten Lieberknecht unter Tränen den Platz. Den Grund erfuhren Mannschaft und Fans nach dem Spiel im TV-Interview. Die Vereinsführung hatte dem Trainer die Pistole auf die Brust gesetzt – „Es war für mich ein Endspiel und darum ein schwerer Tag. Wir werden die Dinge jetzt im Laufe der Woche besprechen.“ Zurücktreten werde er nicht – „in so einer Woche läßt man seine Mannschaft nicht in Stich.“

Aufstellung Eintracht:

Jasmin Fejzic, Steve Breitkreuz, Gustav Valsvik, Philipp Hofmann (G, 74. Samson) , Jan Hochscheidt, Dome Kumbela (81. Bulut), Steffen Nkansah, Georg Teigl, Ken Reichel, Suleiman Abdullahi (G, 90. Nyman), Patrick Schönfeld (G).
Marcel Engelhardt, Maximilian Sauer, Christoffer Nyman, Özkan Yilderim, Mirco Kijewski, Louis Samson, Onur Bulut.

Erzgebirge Aue:
Martin Männel, Kalig, Fandrich, Nazarov (56. Munsy), Köpke (69. Bertram), Kempe, Rapp (G), Soukou, Cacatula, Strauß (G, 78. Wydra, G.), Tiffert.
Bertram, Munsy, Kvesic, Haas, Wydra, Riese, Hertner