Munition.jpg

Fundmunition

Colbitz: Munition gibt es nach wie vor

Montag, 6. April 2020

Die Bestände der Fundmunition in Sachsen-Anhalt sind deutlich zurückgegangen. Noch vor zehn Jahren saß das Bundesland auf Tausenden Tonnen Munition. Dennoch kommt immer wieder neuer Nachschub.

Es kommt ab und an vor, dass Munition oder sogar eine Bombe aus den letzten Weltkriegen entdeckt werden. Blindgänger, die beim Bau oder Gartenarbeiten entdeckt werden, die Jahrzehnte überdauert haben und trotzdem gefährlich werden können. 

Torsten Kresse, Einsatzleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, ist oft derjenige, der die Bomben entschärft, wenn der Umkreis von mehreren Hundert Metern evakuiert ist. Wenn Kresse und die anderen Entschärfer ihre Arbeit getan haben, wird die Fundmunition in die Colbitz-Letzlinger Heide gebracht. Hier befindet sich ein Munitionslager- und Zerlegerbetrieb. An diesem Ort lagern Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg und von Truppenübungsplätzen in Zwischenlagern und direkt am Zerlegebetrieb in drei Lagerhäusern. Auf dem Gelände stehen zwei Ofen-Anlagen zur thermischen Vernichtung. Bei knapp 500 Grad entsteht Ware für Schrotthändler.

Weniger Fundmunition in den Lagern

Seit Jahren hat Sachsen-Anhalt die Lagerbestände an Fundmunition deutlich reduziert. Vor zwölf Jahren etwa waren es noch mehr als 5500 Tonnen. Heute sind es laut Kresse deutlich weniger als 1000 Tonnen. "Wir schieben nicht mehr so einen großen Berg vor uns her", fasst der Einsatzleiter zusammen. Dabei wird unvermindert Munition gefunden im Land. 64,5 Tonnen waren es laut Kresse 2019, im Jahr zuvor 41 Tonnen.

Wenn viel gebaut wird - ob an Deichen, auf Betriebsgeländen oder auf Privatgrundstücken -, wird auch viel gefunden. Und nach wie vor melden sich aufmerksame Bürger: 366 Fundstellen gab es 2019, rechnerisch also täglich ein Fund in Sachsen-Anhalt. Das zeigt für Kresse: "Die Gefahr ist nach wie vor da. Wie viel noch im Boden ist, lässt sich nicht sagen."

Der Zerlegebetrieb in der Colbitz-Letzlinger Heide ist einer von bundesweit vier, sagt Betriebsleiter Ingo Wiedemann. Im vergangenen Jahr seien hier 351 Tonnen vernichtet worden. Teils werden die Granaten aufgesägt, teils werden sie komplett in den besonders gepanzerten Ofen geschickt. Bis zu zehn Granaten pro Stunde können vernichtet werden. Verpackt in kleinen Fässern mit Mais-Chips fahren sie automatisch durch die Anlage, überwacht über Monitore, die Abgase nach modernsten Umweltnormen gereinigt. Am Ende fallen die Schrottreste in Container.

Kampfmittelbeseitigung trotz Corona

Die Fundmunition wird im Betrieb weiter wie bisher zerlegt und vernichtet. Neue Funde gibt es laut Kresse nach wie vor - die Leute könnten schließlich spazieren gehen, manch einer sei im Garten aktiv und finde auch dort etwas.

Ein Abflauen habe er da noch nicht bemerkt. Die Kollegen rücken nach wie vor zu den Funden aus. Allerdings sei die Trupps verkleinert worden, um umfangreichen Corona-bedingten Ausfällen möglichst vorzubeugen. Wöchentlich werde gewechselt. Und: Um Evakuierungsaktionen - wie die in Salzwedel - zu vermeiden, werde derzeit innerhalb geschlossener Ortschaften nicht gezielt sondiert.