statue-779937_1280.jpg

Blindes Genie am Klavier: Ray Charles

Heute wäre sein 90. Geburtstag gewesen
Mittwoch, 23. September 2020

Wir schreiben das Jahr 1930: Ray Charles Robinson erblickt am 23. September in Georgia, USA, das Licht der Welt. In ärmlichen Verhältnissen wächst er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder bei seiner Mutter in Florida auf. Der Aufenthaltsort des Vaters - unklar. 

Zwei Schicksalsschläge 

Bereits in jungen Jahren interessiert sich Ray für Musik, lauscht dem Besitzer der Kneipe gegenüber beim Klavierspielen, geht zu seinen Nachbarn zum Musik hören. Dann trifft das Schicksal ihn hart: Mit nur fünf Jahren muss er dabei zusehen, wie sein Bruder beim Spielen in einem Kessel ertrinkt. Kurz darauf beginnen Rays Augen zu tränen und verkleben. "Grüner Star" wird diagnostiziert und innerhalb von zwei Jahren ist er vollkommen blind. 

Seiner Mutter verdankt er die Selbstständigkeit

Seine Mutter befürchtet, dass er aufgrund der Behinderung zu sehr von anderen Menschen abhängig wird. Um dies zu verhindern, sorgt sie weiterhin dafür, dass er im Haushalt hilft und alle Tätigkeiten des Alltags meistern kann. Die Taktik geht auf, Ray schafft es, alleine klarzukommen und bewegt sich auch im Ort frei und alleine. Dabei trainiert er sich Techniken an und verlässt sich fast vollkommen auf sein Gehör. Die Blindenschule, die er besucht, ist fast 300 km entfernt von seiner Mutter. Dort erhält er außerdem das erste Mal Klavierunterricht.

Die Blindenschule und die Musik

Endlich kann er seine Leidenschaft ausleben, Stücke lernen und mit anderen gemeinsam Musik machen. Sie spielen "ihre Musik", die Musik der Schwarzen, denn an der Schule gab es, wie damals üblich, Rassentrennung. Neben Klavier lernt er auch Klarinette und Saxophon, singt außerdem. Nach dem Tod seiner Mutter 1945 beschließt er, auf eigenen Beinen zu stehen und sich als Musiker durchzuschlagen. 

Schwere Jahre

Als Musiker hat man es nicht leicht - das merkt Ray Charles am eigenen Leibe. Die Angebote sind rar, Musiker gibt es viele und es kommt vor, dass er kurz vor dem Verhungern ist, weil das Geld fehlt. Er zieht umher, bekommt ein Kind, trennt sich von der Mutter und fängt an Drogen zu nehmen. Erst nur Alkohol und Gras, dann kommt das Heroin. Erste Erfolge kann er nach dem Zusammenstellen einer Band verbuchen. Gemeinsam interpretieren sie Kirchenlieder neu, versehen sie mit einem harten R'n'B-Groove und werden von den Massen geliebt.

Musikerleben

Wenn auch verheiratet und mit drei Kindern beschenkt, zieht es ihn immer wieder zu anderen Frauen. Insbesondere auf Tournee, wenn er bis zu neun Monate im Jahr unterwegs ist, landet er immer wieder in fremden Betten. Das zieht einige Vaterschaftsklagen und letztendlich eine erneute Scheidung mit sich.  Auch sein Drogenkonsum verschlimmert sich. Diesen kann er erst in Griff bekommen, als man in seinem Haus eine große Menge Heroin findet und er seiner Familie zuliebe in den Entzug geht. 

Kämpfer gegen die Rassentrennung

An vorderster Front kämpft er gegen die Rassentrennung, setzt sich ein, bewundert Martin Luther King und nimmt sogar eine Klage auf sich, als er keine Rassentrennung bei seinem Konzert wünscht. Dabei ist immer weiter auf Tournee und hat Fans auf der ganzen Welt.

Ehrungen der 80er

In den achtzigern folgen die Ehrungen und Auszeichnungen. Seine Musik ist überall bekannt, jeder liebt ihn. Er erhält den Grammy Life Time Music Award, seine Version von "Georgia On My Mind" wird zur Nationalhymne von Georgia erklärt, 1986 wird er im Kennedy Center von Reagan ausgezeichnet und bei "We Are The World" (Der Wohltätigkeitssong) singt er den Abschluss-Chorus.

Das Ende

Bis in das neue Jahrtausend hinein ist das Ausnahmetalent auf Bühnen unterwegs. Doch dann der Schock: 2003 wird ein Krebsleiden diagnostiziert und nur kurze Zeit später, am 10. Juni 2004 verstirbt er in seinem Haus in Beverly Hills im Kreise seiner Angehörigen. Doch seine Werke leben weiter - und werden bis zum heutige Tag geschätzt. 

Anzeige: