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Hochwasserschutzanlage Grimma

Beschädigte Flutschutzmauer in Grimma

Polizei sucht Zeugen
Dienstag, 27. Juli 2021

Nach der Beschädigung eines Flutschutztores in Grimma verlangt der Oberbürgermeister der Stadt von der Polizei eine hartnäckige Suche nach den Tätern. Auch die gesellschaftliche Haltung zu Vandalismus müsse sich ändern, sagte Matthias Berger (parteilos) am Dienstag, 27. Juli 2021. Die Menschen hätten sich viel zu sehr an die alltäglichen Zerstörungen gewöhnt. Das liege seiner Meinung nach auch daran, «dass Polizei und Staatsanwaltschaft nichts mehr machen». Die Polizei veröffentlichte am Dienstag unterdessen einen Zeugenaufruf.

Er habe in seiner Zeit als Stadtchef schon unzählige Anzeigen gestellt, sagte Berger. So gut wie nie sei etwas daraus geworden, die meisten Verfahren würden eingestellt. «Ich bin es als Bürgermeister leid, wöchentlich Strafanzeigen wegen Vandalismus zu schreiben», sagte Berger. Mit der Beschädigung des Flutschutztores sei für ihn eine rote Linie überschritten.

Unbekannte Täter hatten nach Bergers Angaben vermutlich am vergangenen Wochenende das große Tor beschädigt. Es seien Teile verbogen worden. Damit sei die Funktion der gesamten 2,2 Kilometer langen Flutschutzmauer in Grimma hinfällig, weil jede Kette nur so stark wie ihr schwächstes Glied sei, so Berger. Käme ein Hochwasser, wäre die Stadt «völlig schutzlos».

Die komplexe Hochwasserschutzanlage war erst 2019 nach elf Jahren Bauzeit fertiggestellt worden. Die Kosten wurden damals auf 57 Millionen Euro beziffert. In das zwei Kilometer lange Schutzbauwerk sind 78 Tore unterschiedlicher Größe eingebaut, die innerhalb von zwei Stunden geschlossen werden können. Mit der Mauer soll Grimma im Landkreis Leipzig einem Hochwasser wie 2013 standhalten.

Wie lange eine Reparatur dauern werde, konnte Berger nicht sagen. Laut Axel Bobbe von der Landestalsperrenverwaltung werde diese Woche noch die Rosslauer Schiffswerft bei Dessau vor Ort kontrollieren, ob das Tor in Grimma oder bei ihnen in der Halle repariert wird. Die Kosten schätzt er auf ca. 15.000 Euro.

Die Polizei ermittelt nach Angaben von Sprecher Olaf Hoppe inzwischen wegen Störung von öffentlichen Betrieben. Nach seiner Darstellung hätte sich das Tor im Notfall durchaus noch schließen lassen. Dennoch müsse allen klar sein, dass an einer Hochwasserschutzanlage im Zweifel das Leben von sehr vielen Menschen hänge. Hinweise auf den oder die Täter gebe es bislang noch nicht. Daher hat die Polizei einen Zeugenaufruf gestartet:

Der Tatzeitraum liegt zwischen Freitag, den 23. Juli 2021, 15:00 Uhr und Samstag, den 24. Juli 2021, 16:00 Uhr. Zur Aufklärung des Geschehens sei die Polizei auf die Hinweise der Bevölkerung angewiesen.

• Wer kann Angaben zu Personen machen, die sich im Tatzeitraum am Fluttor am Volkshausplatz - hinter dem REWE-Parkplatz gelegen - zu schaffen machten?
• Wer kann Angaben zu Personen machen, die sich im Tatzeitraum dort aufgehalten haben?

Zeugen, die Hinweise zum Sachverhalt oder den unbekannten Tatverdächtigen geben können, werden gebeten, sich beim Polizeirevier Grimma, Köhlerstraße 3 in 04668 Grimma, Tel. (03437) 708925-100 zu melden. Gern können sich Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber auch persönlich an der Wache des Polizeireviers in Grimma melden.