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Schach

Shohreh Bayat und ihr Kopftuch

Jetzt fürchtet sie sich vor der Rückkehr in die Heimat!
Montag, 20. Januar 2020

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Eigentlich sollte es bei der Schach-Weltmeisterschaft der Frauen im russischen Wladiwostok gar nicht so sehr um sie gehen - aber nun steht die iranische Chefschiedsrichterin Shohreh Bayat doch mehr im Fokus der Öffentlichkeit als das eigentliche Event.

Während des Spiels der Chinesin Ju Wenjun und der Russin Alexandra Gorjatschkina trug die 32-jährige ihr Kopftuch, als Zeichen des Respekts gegenüber ihrem Heimat-Verband. Im Iran ist das Tragen eines Kopftuches für Frauen in der Öffentlichkeit Pflicht. Dennoch sorgte die Kopfbedeckung der Iranerin, welches Haupt und Haare nur zur Hälfte bedeckte, für Unmut in ihrem Heimatland. "Nach dem Turniertag schaute ich auf mein Telefon und sah, dass in iranischen Medien plötzlich über mein Kopftuch berichtet wird", sagte Bayat einem Reporter. 

Und damit nahm das ganze seinen Lauf. In der Folge unterstellten ihr regierungstreue Webseiten, sie habe bewusst und öffentlichkeitswirksam gegen das Kopftuch demonstrieren wollen. Und auch der iranische Schachverband forderte sie infolgedessen zu einer schriftlichen Entschuldigung auf und ermahnte sie zudem dazu ihr Kopftuch für den Rest der WM besonders gottesfürchtig zu knoten. Bayat reagierte, jedoch nicht so wie sich die Offiziellen ihres Landes dies wahrscheinlich gewünscht hätten. Am vierten Tag der WM nahm sie ihr Kopftuch komplett ab!

Laut eigener Aussage, weil sie selbst nichts mehr zu verlieren habe. "Ich habe den iranischen Schachverband gebeten, mir schriftlich zu versichern, dass ich ohne Sorge um meine Sicherheit in den Iran zurückkehren kann", sagte sie. "Als ich darauf keine Antwort bekommen habe, war mir klar, dass es nicht sicher für mich ist, zurückzukehren, und dass es nun auch keinen Unterschied mehr macht, ob ich das Kopftuch trage oder nicht."

Einzig der Schachweltverband FIDE und dessen Vizepräsident Nigel Short stehen jetzt noch an ihrer Seite und sorgen sich um die Sicherheit der Schiedsrichterin. 

Ob eine Rückkehr für die Iranerin überhaupt möglich ist und welche Strafen ihr dabei drohen würden, ist derzeit nicht abzusehen. Zunächst einmal wird sie weiterhin als Schiedsrichterin im Einsatz bleiben.

 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 

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