
" Körbe werfen für den Titel!" lautet das Motto der deutschen Basketball Nationalmannschaft bei der gerade laufenden Europameisterschaft in Finnland, Lettland, Polen und Zypern. Das Turnier startete am Mittwoch und läuft bis 14. September.
Als Basketball-Profi steht aus Sachsen-Anhalt Andy Obst (Halle) auf dem Spielfeld. Aber wir haben noch einen Vertreter aus dem SAW-Land am Start! Carsten Straube aus Zerbst ist als Schiedsrichter dabei. Schiri Carsten hat vor seinem ersten Einsatz noch mit uns telefoniert und über seine Vorbereitungen fürs Turnier gesprochen. Außerdem hat er für uns die Chancen des deutschen Teams eingeschätzt und überhaupt erklärt, warum Basketball-Schiedsrichter-sein so cool ist.
Carsten, du hast ja den besten Platz bei den Spielen, aber was bekommst du am Ende von so einem Spiel überhaupt mit?
Also, ich bin ja live dabei, nah dranne, und ich krieg eigentlich die ganzen Emotionen mit, die auf dem Spielfeld da sind. Ich kriege viele Kommunikationssituationen mit zwischen Trainer, Spielern. Ich kriege Kommunikationswege sozusagen auch mit zwischen uns und den Spielern und den Trainern. Also, da erlebt man eigentlich schon einiges.
Vergisst man ab und zu auch mal, weil es so schnell geht beim Basketball, wie es denn eigentlich steht? Oder guckst du ab und zu auch mal auf den Würfel?
Ja, also ich guck die ganze Zeit sozusagen da auch hin oder beziehungsweise hab's im Kopf, weil das sozusagen auch Teil unseres Jobs auch ist, jederzeit zu wissen, wie es steht, wie viel Fouls jeder irgendwie hat und wie viel Zeit jetzt noch auf der Uhr ist, damit wir auch schnell reagieren können, wenn irgendwelche Fehler auftreten. Also, wir werden auch so trainiert, muss man auch sagen, dass wir das alles wissen sollten während des Spiels oder mit im Kopf haben sollten, damit wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sind.
Du hast trainiert, jetzt gerade angesprochen, wie sieht denn überhaupt so ein Training für Basketball-Schiedsrichter vor solchen großen Turnieren aus? Unterscheidet sich das großartig auch von den Bundesligaspielen?
Als Schiedsrichter, also ich sag mal ein Stück weit ja. Aber nicht zu groß. Also, wir haben verschiedene Aspekte. Wir haben einen Lehrgang vor der Eurobasket, den dreitägigen. Und wir haben auch vorher ein zwölfwöchiges Programm gehabt mit Webinaren, mit Trainingseinheiten, mit allem drum und dran. Also, wir werden auch in verschiedenen Kategorien sozusagen trainiert oder begleitet auch, einmal was sozusagen das Pfeifen als solches betrifft, also Entscheidungen zu treffen auf dem Feld. Im Rahmen von sportpsychologischen Punkten werden wir betreut, Fitness werden wir betreut. Und so sieht unsere Vorbereitung entsprechend halt aus, also sehr mannigfaltig.
Habt Ihr als genauso viel Stress wie die Spieler, die den Titel holen wollen?
Ja, also Stress haben wir hier schon. Das ist auf jeden Fall so, weil wir von einer Einheit zur nächsten Einheit irgendwie springen. Die Teams vorbereiten noch, also die Teams scouten, was da auf uns zukommt. So Urlaub ist es nicht. Das Interessante ist ja, der größte Spieler der EM ist ein Franzose. Und da sind wir eigentlich bei dem Thema, was alle Menschen anspringt, auch wenn sie mit Basketball nichts zu tun haben.
Aber wir wissen alle, okay, da spielen große Leute mit. 2,22 Meter ist der Franzose. Einige sagen sogar 2,24 Meter. Der wird sicherlich ein bisschen größer sein als du. Wie schafft man es denn trotzdem, mit ihm auch auf Augenhöhe zu kommunizieren und dem auch zu sagen, nee, du, das war jetzt nicht gut, was du gerade gemacht hast?
Also auf Augenhöhe, körperlich ist es schwierig. Aber es hat natürlich auch damit zu tun, wie respektvoll man mit Menschen umgeht. Also das ist unabhängig davon, ob sie 2,20 Meter oder 1,40 Meter oder wie auch immer sind. Sondern das hat damit zu tun, wie wertschätzend man mit jemandem umgeht. Und es ist auch immer so, das, was man gibt, bekommt man hoffentlich auch immer zurück. Und wenn man selber ein Vorbild ist, dann ist der Weg geringer, dass man das auch zurückkriegt, was man auch erleben möchte.
Ich bin jetzt nicht so der ganz große Basketball-Auskenner, weiß, dass wir 2023 Weltmeister geworden sind, vierter bei Olympia. Wie schätzt du die Deutschen dieses Jahr ein?
Sie haben sehr viel Potenzial, ist eine gute Mannschaft, ist ja auch ein Großteil davon noch da, die schon vor drei, zwei und letztes Jahr sozusagen auch zusammengespielt haben. Und das Potenzial ist da, Medaillenchancen sind da. Und wir hoffen natürlich auch, dass das für Basketball-Deutschland auch so kommen wird.
Abschließende Frage: Am 14. September - Lieber Pfeifen oder anfeuern?
Ich warte mal ab, was passiert. Gut, dann wäre Anfeuern wahrscheinlich das Bessere, ne? Vielleicht. Aber wenn es eine Vita drinstehen hat, Mensch, ich habe mal ein Basketball-EM-Finale gefilmt, das ist bestimmt auch nicht schlecht. Du bist auch, glaube ich, der Einzige gewesen, der irgendwie bei der WM dabei gewesen ist, der einzige Deutsche oder sowas.
Also du hast ja schon eigentlich was vorzuweisen, ne?
Ja, ich war jetzt bei den großen Turnieren der letzten Jahre immer irgendwie dabei, also aus der Olympia. Aber ansonsten wurde ich jetzt immer nominiert, ja. Es ist, glaube ich, wie beim Fußball. Man sucht immer wieder Schiedsrichter und auch ihr startet da Initiativen, dass man gerne Nachwuchs brauchen kann.
Deswegen kannst du an dieser Stelle gerne mal Werbung machen für das Schiedsrichterwesen beim Basketball. Was ist das Tolle daran?
Das Tolle daran ist, dass man, also ich sage mal vor allen Dingen, wenn man als junger Schiedsrichter irgendwo in den unteren Ligen anfängt, dass man natürlich ein kleines Taschengeld bekommt. Das Zweite ist natürlich, dass man in Städte reisen kann und Basketballspiele erleben kann. Und wenn man gut ist, auch höherklassige Spiele in andere Städte kommt, so ein bisschen Reisen damit halt auch verbinden kann. Aber was natürlich halt auch ganz wichtig ist, ist so der Aspekt, wie man sich selber erlebt und was man sozusagen alles auch aus der Schiedsrichterei lernen kann für die persönliche Entwicklung und was man damit halt auch mitnehmen kann ins familiäre Leben, ins berufliche Leben und so weiter. Und man wird von oben nicht nass. Das ist auch nicht verkehrt. Weil Basketball nach wie vor ein Hallensport ist. Wunderbar. Also, nee, obwohl teilweise wird ja auch draußen gespielt. Das ist ja recht jetzt gerade diese Drei-gegen-drei-Geschichte und sowas, die man auch bei Olympia gesehen hat. Gut. Und wenn man von oben nicht nass wird, wenn da so ein Riese schwitzt, dann wirst du ja wohl voll getropft. Dann bist du doch nass.
Dein erstes Spiel, das du pfeifen wirst, Carsten?
Weiß ich noch nicht, weil unsere Ansetzungen, die kommen am ersten Abend vorher.