
Sachsen-Anhalts öffentlicher Personennahverkehr steht vor einem viertägigen Warnstreik. Die Gewerkschaft ver.di hat die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe Halle, Magdeburg und Dessau zum Arbeitskampf aufgerufen. Der Streik ist von Donnerstag bis Sonntag geplant. Grund: Die Tarifverhandlungen sind ohne Ergebnis geblieben.
Nach nur wenigen Stunden Verhandlung in Halle war klar: Man wird sich nicht einigen. Beide Seiten, die Gewerkschaft verdi auf der einen Seite und die Verkehrsbetriebe auf der anderen, geben sich gegenseitig die Schuld.
Streitpunkt war die von verdi geforderte 35-Stunden-Woche. Die nächste Streikankündigung ließ nicht lange auf sich warten. Diesmal für 96 Stunden.
Gelten wird das für die Verkehrsbetriebe Halle, Magdeburg und Dessau. Von Donnerstag bis zum Sonntag.
Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte der kommunalen Verkehrsbetriebe von Donnerstag (19. März) bis Sonntag (22. März) zum Warnstreik aufgerufen. In Magdeburg dauert der Ausstand sogar bis in die Nacht zum Montag (23. März, etwa 2.30 Uhr). Auch in Halle soll der Streik bis Montag (1.00 Uhr) andauern.
Betroffen sind die kommunalen Verkehrsbetriebe in Magdeburg (MVB), Halle (HAVAG) und Dessau-Roßlau (DVG).
Nach derzeitiger Lage müssen sich Fahrgäste auf weitgehende Ausfälle einstellen:
Die Gewerkschaft geht davon aus, dass der Nahverkehr «weitgehend zum Erliegen kommt».
Das ist je nach Region unterschiedlich:
Ob und welche Linien tatsächlich fahren, dürfte kurzfristig entschieden werden.
Für viele Menschen bedeutet der Streik erhebliche Einschränkungen im Alltag. Pendler, Schülerinnen und Schüler sowie andere Fahrgäste müssen sich auf massive Einschnitte einstellen. In einigen Regionen dürften Busse und Straßenbahnen komplett ausfallen.
Fahrgäste sollten frühzeitig Alternativen planen:
Die Verkehrsbetriebe raten zudem, nicht notwendige Fahrten zu verschieben.
Nein. Die Schulpflicht gilt grundsätzlich auch während eines Streiks. Eltern müssen den Schulweg organisieren. Nur in begründeten Ausnahmefällen kann das Fehlen entschuldigt werden.
Ja. Der Streik betrifft kommunale Verkehrsbetriebe. Regionalzüge, S-Bahnen und Fernverkehr - also Züge der Deutschen Bahn - sind nicht Teil des Ausstands und sollen regulär verkehren.
Fahrgäste sollten sich vor Fahrtantritt bei den jeweiligen Verkehrsbetrieben informieren - etwa über Internetseiten, Apps oder soziale Medien. Dort wird kurzfristig bekanntgegeben, ob und wo Notverkehre eingerichtet werden.
Hintergrund sind festgefahrene Tarifverhandlungen im kommunalen Nahverkehr. Verdi fordert unter anderem eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich sowie Entlastungen bei Arbeitszeiten und bessere Zuschläge.
Die Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern vor, ein nicht verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt zu haben und spricht von teils deutlichen Verschlechterungen bei Arbeitsbedingungen und Sicherheiten. Verdi-Verhandlungsführer Paul Schmidt sagte: «Nach vier Monaten Verhandlung legen die Arbeitgeber ein Papier vor, das den Namen Angebot nicht verdient.»
Die Magdeburger Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel hatte nach der Verhandlungsrunde am Dienstag erklärt: «Die Arbeitgeberseite hat ein Angebot vorgelegt, das von Verdi heute jedoch nicht inhaltlich verhandelt wurde. Stattdessen hat die Gewerkschaft die Gespräche abgebrochen.»
Verdi zeigt sich grundsätzlich weiter verhandlungsbereit, fordert aber ein verbessertes Angebot. Die Arbeitgeber erwarten ebenfalls eine Fortsetzung der Gespräche. Ob und wann es neue Verhandlungen gibt, ist derzeit offen.
Die Gewerkschaft will die Streiktage nach eigenen Angaben nutzen, um das Angebot mit den Beschäftigten zu beraten. Anschließend soll die Tarifkommission über das weitere Vorgehen entscheiden.
Neue Verhandlungstermine sind bislang nicht vereinbart. Verdi will den Arbeitgebern jedoch weitere Termine anbieten. Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen.
Grundsätzlich gibt es dafür keine feste Grenze. Das Streikrecht ist laut Verdi in Deutschland nicht detailliert gesetzlich geregelt. Entscheidend ist vor allem die Verhältnismäßigkeit im Einzelfall.
Nach Angaben von Verdi sind daher auch wiederholte oder längere Warnstreiks möglich. Sollte sich der Konflikt weiter zuspitzen, könnte später auch eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik in Betracht kommen.