









Der Film "In die Sonne schauen", gedreht in Neulingen in der Altmark, ist für den Vorentscheid des Oskars nominiert. Am Donnerstag, 28. August, war große Premiere in Salzwedel. Unser Muckefuck Holger Tapper war dabei und hat mit Regisseurin Mascha Schilinski gesprochen. Das Interview könnt Ihr Euch hier anhören und nachlesen.
Die große Altmark-Premiere von "In die Sonne schauen" und das beim Wetter, das vielleicht nicht unbedingt so irgendwie zu dem Film passt, also zumindest vom Titel her, aber trotzdem strahlst du. Wie geht's dir jetzt gerade?
Mascha Schilinski: Mir geht's gut. Ich bin sehr aufgeregt. Ich freue mich wirklich, dass wir hier sind heute für diese Premiere, weil so viele gekommen sind, die diesen Film möglich gemacht haben. Die ganzen Neulinger sind gekommen und ich freue mich, denen den Film zu zeigen und bin gespannt, was sie sagen.
Von denen haben ja noch keine in den Film gesehen. Wir haben in der Zwischenzeit mal mit dem Bürgermeister telefoniert und der ist ganz gespannt und aber auch innerlich total ruhig. Also du hast jetzt gerade selbst gesagt, dass bei dir die Anspannung ein bisschen größer ist. Ist das was anderes, den Film hier in der Region zu zeigen, indem man den gedreht hat, als in Cannes zum Beispiel?
Mascha Schilinski: Naja, es ist insofern was anderes, weil natürlich die Leute, die den Film jetzt hier sehen, ja dabei waren und ihre eigenen Bilder haben hinter den Kulissen mit dabei waren. Das heißt, wenn die den Film sehen, haben die natürlich noch mal ganz andere Bilder im Kopf als Zuschauer, der bei den Dreharbeiten nicht dabei war.
Was ist denn eigentlich alles in der Zwischenzeit passiert, seitdem du diesen Film gedreht hast, was wirklich am einprägsamsten war? Für dich ist ja viel auf dich hereingeprasselt, fast alles im positiven Sinne. Zwischendurch bist du auch noch Mutter geworden. Ich weiß gar nicht, wie man das jetzt irgendwie alles werten kann und wie du das alles unter einen Hut bekommen hast. Aber was ist so das Einprägsamste, wo du sagst, wow, also das aus dieser Zeit, das ploppt immer wieder auf?
Mascha Schilinski: Ja, also diese Gleichzeitigkeit von Zeit, was ja auch im Film eine große Rolle spielt. Ja, dass ich Mutter geworden bin und gleichzeitig nach Cannes in den Wettbewerb eingeladen worden bin, wir dann diesen Preis dort gewinnen durften, jetzt für die Oscars ausgewählt sind, mit diesem Film jetzt schon eine Kino-Tour hinter uns haben und dieser Film jetzt in 40 Ländern weltweit anlaufen wird, das ist, das ist, es muss man erstmal, ich glaube, ich werde das so in zwei, drei Jahren vielleicht kapieren, vielleicht auch dann nicht.
Jetzt sind wir wieder in der Altmark, da wo du den Film gedreht hast, was hast du aus diesen, ich glaube 34 Drehtage habt ihr gehabt, was hast du aus dieser Region mitgenommen, vielleicht auch selbst dir angenommen von den Altmärkern?
Mascha Schilinski: Eine bestimmte Ruhe und Gelassenheit und dass es für alles eine Lösung gibt und aber auch ein bestimmter Pragmatismus, den ich toll fand, also nicht lang schnacken, einfach machen und die Ruhe, diese ländliche Ruhe. Und diese Ruhe, die hast du jetzt sogar noch vor dem Sturm, bevor es denn hier losgeht, viermal ausverkauft, auch bei einer anderen Kino-Tour, ich glaube da war jede Vorstellung ausverkauft und das, was du, glaube ich, immer weiter gibst, auch durch den Film, einfach an das Glauben und vor allem daran festhalten, was man glaubt.
Das fällt dir jetzt, glaube ich, nachdem der Film auch schon eine Auszeichnung, eine hohe Auszeichnung aus Cannes bekommen hat, vielleicht ein bisschen leicht, aber was würdest du denjenigen mitgeben, die ähnliche Träume haben wie du, die ähnliche Stoffe entwickeln, die vielleicht nicht so massenkompatibel sind?
Mascha Schilinski: Ja, macht nicht die Filme, wo ihr glaubt, die andere sehen wollen, sondern macht die Filme, die ihr selber sehen wollt und die wirklich aus euren Eingeweiden herauskommen, weil das sind die Filme, auf die wir alle neugierig sind, wenn wir reingehen und nicht gleich nach der ersten Szene wissen, wie das Ganze ausgehen wird, sondern das Gefühl haben, wirklich in eine Welt entführt zu werden, die wir vielleicht auch so noch nicht betreten haben. Ich glaube, das gibt eine große Sehnsucht nach diesen wahrhaftigen Stoffen und da würde ich mir sehr wünschen, dass dieser Film hilft, dass alle, die sich fern von gewohnten erzählerischen Wegen bewegen, mehr Offenheit entgegenkommt und sie irgendwie andere Stoffe realisieren können. Es wäre toll.
Vielleicht ist Erholung das falsche Wort, aber kannst du jetzt am kommenden Wochenende mal ein bisschen durchatmen oder stehen da auch noch irgendwelche Termine an? Was machst du an diesem Wochenende?
Mascha Schilinski: Da bin ich dann auf dem Weg nach Zürich, weil dann der Film in der Schweiz anläuft und danach fliege ich von dort direkt nach Toronto, weil dort dann der Film läuft und dann geht es nach L.A. und dann nach New York.
Also an Pause oder an Ausrunde ist erstmal nichts zu denken, aber ganz kurz dieser Moment, als du erfahren hast, dass man sich entschieden hat, diesen Film zumindest als deutschen Beitrag ja richtig zu würdigen, sprich in Serien um Oskar zu schicken. Was war das für ein Gefühl, als der Anruf kam?
Mascha Schilinski: Das war ganz toll. Da waren wir gerade beim Filmfestival in Ludwigshafen und ich bin mit meiner Co-Autorin Luise Peter und mit der Produzentin Maren Schmidt am Rhein entlanggelaufen und dann kam der Anruf und wir haben uns unglaublich gefreut, weil es halt einfach so eine ungewöhnliche Reise ist für diesen Film, der in einem Debütrahmen entstanden ist. Eigentlich wirklich ein kleiner Film und diese Sichtbarkeit, die dieser Film bekommt und diese Reise, die wir damit gehen dürfen, ist ein Riesengeschenk für alle, die so hart fünf Jahre an diesem Film gearbeitet haben.