
Die Harzer Wandernadel hat gestern Saisoneröffnung gefeiert und schon am Wochenende haben viele von euch das gute Wetter für einen Ausflug in den Harz genutzt. Die Bergwacht Thale vom Deutschen Roten Kreuz hat den Samstag für eine Übung im Bodetal genutzt.
Pünktlich um 09 Uhr ging es los, kurz vor der Auffahrt zum Hexentanzplatz. Schon von Weitem waren die Retter mit Helm, Geschirr und Seilen an den Feldwänden zu sehen. Martin Kolbe, der stellvertretende Leiter der Bergwacht Thale erklärt, was an den 4 verschiedenen Stationen wichtig ist. „Die Eigensicherung hat oberste Priorität, dann der Schutz des Patienten und dann die medizinische Versorgung.“ Geübt wird richtig hoch an der Felswand. Hier seilen sich die Retter in die Tiefe ab. Ein Luftrettungssack und einer Trage stehen bereit. Aber auch an einem kleinen Abhang wird geübt, denn die Einsatzgebiete im Harz sind vielfältig. „Tatsächlich ist der häufigste Einsatz die Rettung direkt vom Weg. Aber auch das ist in unserem Einsatzgebiet anspruchsvoll. Wir sind hauptsächlich im Bodetal unterwegs und da ist vom letzten anfahrbaren Weg bis nach Ilsenburg 8 km. Und da müssen unsere Kameraden schon ziemlich fit sein, um das ganze Equipment dorthin zu bringen und den Patienten dann auch wieder rauszutragen oder zu schieben.“
Damit Rettungen möglichst vermieden werden, hat Martin Tipps für die Vorbereitungen zum Wandern. „Ich sollte immer ein bisschen Essen und Trinken dabeihaben, einen vollen Handyakku und im Idealfall eine Papierkarte. Wenn länger dauert, ist auch eine Powerbank nicht verkehrt. Ganz wichtig ist die wetterangepasste Kleidung. Wenn ich im Herbst bei 5 Grad rausgehe und es regnet, und ich habe keine Regenjacke dabei, dann wird es schnell lebensgefährlich. Auch im Harz.“ Wanderapps kann er nicht wirklich im Harz empfehlen. „Es ist leider der Fall, dass dort immer wieder Wege hinterlegt sind, die nicht mehr begehrbar sind. Im Oberharz etwa durch den Borkenkäfer. Wir haben es aber auch im Unterharz immer wieder.“
Im vergangenen Jahr kam es deshalb häufiger zu Einsätzen. "Es ist einfach vermeidbar, wenn man einfach andere Wege nutzt, sobald überall Bäume auf den Wegen liegen. Auf den analogen Karten sind die begehbaren Wege eingezeichnet, die nicht begehbaren sind gar nicht erst eingezeichnet." Wanderkarten gibt es in der Regel an den Touristinformationen oder auch in Hotels. Trotzdem ist die Bergrettung auch dieses Jahr bereit für Einsätze während der Wandersaison. „Wenn viele Leute draußen unterwegs sind, führt das auch dazu, dass mehr passiert. Aber Unfälle passieren halt. Uns ist egal, wem das, wann oder wo passiert – wir sind einfach da, um zu helfen.“ Nachwuchs wird bei der Bergrettung Thale übrigens auch immer gesucht. Wichtig ist nur Freude am Helfen und an der frischen Luft. Alles andere wie das Klettern, Knotenkunde oder die Rettungstechniken lernt ihr dann vor Ort.