
Er studiert in Halle Medizin und macht aber seit langem Musik. Der gebürtige Coburger Leon Günther ist bereits als "Avellion" auf den verschiedensten Plattformen unterwegs und möchte nun auch die DSDS-Jury von seinen Quelitäten überzeugen.
Im radio SAW-Interview plauderte Leon mit uns über seine Erwartungen, seine musikalische Erfahrungen und wie alles mit seinem Studium zusammen passt.

1. Wie passen Medizinstudium und Musik zusammen?
Leon: Na ja, also Musik mache ich schon viel länger, als ich jetzt verschlossen habe, Medizin zu studieren. Also ich mache schon Musik, seit ich acht Jahre alt bin, da habe ich angefangen, Gitarre zu spielen. Und so mit 13 habe ich dann meine ersten Songs geschrieben. Und wenn es nebenbei zum Erfolg führt, dann hätte ich da nichts dagegen. Aber wenn es nicht so ist, dann ist auch okay.
2. Wie kriegst du Musik und Studium unter einen Hut?
Leon: Man muss immer Abstriche machen, man kann nicht alles gleichzeitig machen im Leben. Ich habe mir zum Beispiel mal ein Semester freigenommen und gesagt, jetzt mache ich mal nur Musik für ein Semester. Da bin ich praktisch durch Europa gereist, habe ein Dachzelt aufs Auto geschnallt und habe dann an vielen Orten gespielt. Und im Studium gibt es natürlich auch Phasen, wo ich mich dann in den Prüfungsphasen zum Beispiel auch dann hauptsächlich aufs Studium konzentriere und dann auch praktisch kaum Musik mache währenddessen.
3. Die Musik ist für dich also Ausgleich?
Leon: Ja, und ich glaube, das ist immer ganz gut so, wenn man einen Ausgleich hat oder noch was anderes. Ich glaube, das ist ganz gut für die Psyche. Es gibt auch viele Ärzte, die ich jetzt auch kenne und so, die tatsächlich richtig gut in irgendwas sind. Also entweder sie machen Extremsport oder sie spielen Gitarre oder sind musikalisch ganz gut. Also ich glaube, das ist eigentlich eine ganz gesunde Sache, wenn man noch so eine zweite Sache hat.
4. Bringt dir die Fingerfertigkeit an der Gitarre auch was im Studium?
Leon: Natürlich, diese ganzen chirurgischen Sachen sind schon feines Handwerk, ja. Aber ob mir das Gitarrespielen da jetzt irgendwas für bringt, von der Koordination her vielleicht, aber ich glaube eher weniger.
5. Wann war der Moment, in dem du gemerkt hast, dass du Musik machen willst?
Leon: Es gab, glaube ich, nicht einen Moment oder sowas. Es ist tatsächlich auch erstaunlich, ich komme aus einer relativ unmusikalischen Familie. Das heißt, mein Vater ist wirklich nicht talentiert, meine Mom macht auch keine Musik und auch meine Großeltern nicht wirklich. Aber Musik gehört, haben meine Eltern immer gerne und irgendwann hat mein Vater mich gefragt, ob ich ein Instrument lernen wollte und ich war schon immer eine Person, die eigentlich relativ genau wusste, was sie will. Dann habe ich gesagt, ja, Gitarre mit 8 oder so. Und dann habe ich halt angefangen, Gitarre Unterricht zu nehmen.
6. Schreibst du deine Texte auch selbst?
Leon: Am Anfang hat mein Vater ein paar Sachen getextet und mittlerweile texte ich die Songs alles selber. Und ich habe mittlerweile auch schon fünf Alben produziert, alle zuhause in meinem Home-Studio. Das heißt, ich habe praktisch alles Ersparte oder was ich zum Geburtstag bekommen hatte von Omas oder sowas immer in Musik-Equipment investiert und mir dadurch so über die Jahre mein eigenes kleines Home-Studio aufgebaut. Und da habe ich dann irgendwann auch angefangen meine eigenen CDs zu produzieren. Die erste war glaube ich auch so 13, 14.
7. Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?
Leon: Manchmal hat man Uni, heute zum Beispiel 7.30 Uhr, muss man dann auf der Station auf der Mathe stehen zum Praktikum. Man hat auch Tage, wo man sich theoretisch das selber einteilen kann, wo Vorlesungen sind, die sind freiwillig. Wenn man schnell im Lernen ist und gut konzentriert, dann hat man auch noch Zeit, andere Dinge nebenher zu machen. Aber man muss sich halt gut organisieren und schnell im Lernen sein, aber man muss natürlich auch immer Abstriche machen. Das heißt, ich habe jetzt an der Uni nicht überall Einser, sondern ich schaue, dass ich die Sachen lerne, die ich später brauche, dass ich halt auch noch ein bisschen Zeit für Hobbys habe und andere Dinge und Sport.
8. Kannst du dich noch an deinen ersten Auftritt erinnern?
Leon: Das war so ungefähr in der sechsten Klasse. Ich glaube, da war ich so elf ungefähr. Und da hatte ich gerade so zwei, drei Jahre Gitarreunterricht. Und dann gab es in der Schule einen Song Contest. Ich war auf einem musischen Gymnasium in Coburg, auf dem Gymnasium Albertino. Und da hatten die immer einen Song Contest einmal im Jahr. Und da gab es Publikum, also vor 200, 300 Leuten, meistens Eltern und Familien. Und da habe ich zu meinem Vati gemeint, ich habe mich da jetzt angemeldet. Und an dem Tag habe ich dann mittags gesagt, ich gehe da nicht hin, die lachen mich alle aus. Und da musste mein Vater dann ganz viel Überzeugungsarbeit leisten, um zu sagen, nein, das wird schon, das kriegst du hin. Hätte ich mich damals nicht getraut, hätten viele, viele weitere Auftritte, die ich dann hatte oder auch Straßenmusik, dass ich mich dazu überwunden habe. Das hätte wahrscheinlich alles oder DSDS, das hätte alles wahrscheinlich nicht stattgefunden.
9. Du warst ein halbes Jahr in Europa unterwegs, um Musik zu machen. Welchen Plan hattest du da?
Leon: Der Plan war erst mal, ja, ich will ein halbes Jahr reisen und ich will mal versuchen, von Musik zu leben. Also ich will mal gucken, ob ich mit Straßenmusik und spontanen Auftritten, ob ich davon leben kann. Und dabei natürlich auch noch ein bisschen rumreisen und Sachen erleben. Und dann habe ich das halt kombiniert, Dachzelt aufs Auto geschnallt und bin losgefahren. Ich wollte erst mal so über die Ostsee fahren, so Berlin hoch, dann Greifswald, Stralsund, so die Ostseeküste entlang, Richtung Dänemark. Und dann hatte ich so eine Tauch-Exkursion in Südfrankreich und dann bin ich eben runter nach Südfrankreich gefahren, dann über die Schweiz wieder zurück und dann bin ich nochmal nach England gefahren. Also da war ich im UK und da bin ich auch mehr oder weniger die Südküste entlang gefahren. Und das war also immer so ein grober Plan und alle kleinen Etappen und Schritte habe ich mir dann meistens so von Tag zu Tag überlegt.
10. Welche Erfahrungen hast du unterwegs gesammelt?
Leon: In Cannes, da war so ein Feuerwerk und dann habe ich gedacht, okay, da baust du jetzt mal auf. Und dann nach dem Feuerwerk sind die Leute alle heimgelaufen und dann hatte ich da schon aufgebaut, habe gespielt und dann sind da ganz mega viele stehen geblieben und haben mir zugehört und so. Und in Montreux, da war so ein Jazz-Festival, davon erfuhr ich, dass ich in Genf war. Und dann habe ich da ein bisschen gespielt, da hat mich einer gefragt, hey, willst du mit mir im Restaurant spielen? Das klingt ganz gut, was du hier machst. Und dann habe ich da bei dem im Restaurant immer gespielt und das war eigentlich auch eine ziemlich coole Erfahrung. In London war auch mega, da gibt es ja diese klassischen Basking-Pitches, ja, Leicester Square und Chesilga Square, das war schon cool.
11. Machst du noch Straßenmusik?
Leon: Ab und an mal in Halle und auch, wenn ich bei meinen Eltern bin, ab und an. Ich find's irgendwie ganz cool, weil das Ding ist bei Straßenmusik, die Leute kennen dich nicht. Also wenn du jetzt berühmt bist und einen Namen hast und du stehst irgendwo, dann erkennt dich irgendjemand und dann hast du sowieso eine Crowd und die Leute hören dir zu, egal wie gut das ist, was du machst. Wo auf der Straße, wenn dich keiner kennt, dann musst du die Leute davon überzeugen, dir zuzuhören. Und deswegen ist, finde ich, Straßenmusik auch so ein bisschen mit die ehrlichste Kunst, weil es gar nicht so einfach ist.
12. Wo kann man dich in Halle treffen?
Leon: Also in Halle spiele ich manchmal hier an der Ecke vor der Ulrichkirche entweder oder an der Ecke vom Denz Biomarkt zum Ditsch, also in der Fußgängerzone praktisch, da wo es dann Richtung Markt geht an diesen zwei Orten und meistens dann Samstag Vormittag in der Regel, aber jetzt nicht jede Woche.
13. Wie groß ist die Unterstützung deiner Eltern?
Leon: Also meine Eltern haben mich da immer unterstützt. Mein Vati hat mir zum Beispiel, als ich nach einem Jahr Gitarre gespielt habe und dann er gesehen hat, dass ich das weitermache und da auch regelmäßig übe, eine ordentliche Gitarre für 1000 Euro gekauft, aber die habe ich halt auch benutzt. Und so hat sich halt ein bisschen so ein Vertrauen aufgebaut und auch wenn ich Musik gemacht hätte und gesagt hätte, hey, das mache ich, das ist mein Ding, das macht mir Spaß, hätten mich meine Eltern da 100 Prozent unterstützt.
14. Du hast bei DSDS Another Love von Tom Odell gesungen. Warum der?
Leon: Erstens, weil er ganz gut zu meiner Stimmlage passt und ich ihn ganz gut singen kann. Das ist natürlich ein wichtiges Auswahlquotient. Und zweitens, weil ich dazu eigentlich ganz gutes Gitarrenarrangement gemacht habe, wo ich dann praktisch auch meine Gitarrefähigkeiten ein bisschen einbringen konnte. Und viele Songs auf der Straße spiele ich mit Loopstation, also so ein bisschen wie Ed Sheeran. Und das war technisch schwierig umzusetzen bei DSDS. Von daher habe ich mich dafür entschieden, eben diesen Song zu nehmen, weil ich den eben akustisch ganz gut spielen kann und er auch gut passt.
15. Wie sieht dein musikalisches Repertoire aus?
Leon: Also ich versuche das immer gut abzuwechseln, weil wenn man jetzt nur Balladen singt, was mir glaube ich am meisten liegt, sind tatsächlich Balladen, aber andere Sachen gehen auch gut und ich glaube, wenn man nur Balladen singt, auch auf der Straße, wird es irgendwann anstrengend. Von daher ist es immer gut, wenn man eine gute Mischung hat und ich hatte ja auch mehr Sachen vorbereitet für die SDS und nicht nur Another Love, was dann am Ende sich die Jury ausgesucht hat.
16. Wie war das erste Mal vor der DSDS-Jury?
Leon: Also das erste Mal einfach ein bisschen so eine Reizüberflutung, weil man hat da extrem viele Lichter, extrem viele Kameras und dann sitzt da hier die Jury vor einem und dann ist das erst mal so ein bisschen surreal, man kann diese ganzen Eindrücke eigentlich gar nicht sammeln und vor allem war ich in dem Moment auch wirklich sehr auf mich selber fokussiert, dass ich jetzt mein Zeug möglichst gut performe und habe deswegen vieles, glaube ich, ausgeblendet.
17. Wer sind so deine musikalischen Vorbilder?
Leon: Da gibt es eigentlich relativ viele. Einmal natürlich auch Filmmusik, zum Beispiel James Warner, der hat zum Beispiel die Filmmusik von Titanic oder auch Avatar gemacht, war eigentlich immer mein Lieblingsfilmmusikkomponist. Dann natürlich auch Hans Zimmer, Howard Shore, also viele Filmmusik-Sachen. Und dann in der Popmusik Ed Sheeran, vor allem auch durch diese Loop-Songs. Und was ich auch ganz cool finde ist Coldplay. Und dann gibt es natürlich auch noch alte Bands, wie zum Beispiel Queen oder Dire Straits.
18. Welchen Ort in Sachsen-Anhalt magst du besonders?
Leon: Ich mag es eigentlich immer ganz gern ruhig, das heißt hier in Halle gibt es einen Wald in der Nähe und da ist eine Lichtung oben auf dem Wald, da ist eigentlich immer fast keiner, also praktisch niemand, das ist eigentlich ganz schön, ansonsten auch eine Hügel, so eine Waldlichtung und wenn ich jetzt mal irgendwie abschalten muss, dann ist es eigentlich immer ein Spot, den ich ganz gut finde.
19. Was möchtest du unseren Hörern sagen?
Leon: Eine Sache, die ich gelernt habe, als ich durch Europa gefahren bin und die auch nach wie vor der Fall ist und, glaube ich, auf alle Bereiche des Lebens zutrifft, ist, man hat im Kopf immer so eine Stimme, die sagt, nee, nee, lass mal, das kannst du nicht. Oder bei mir, wenn ich jetzt Straßenmusik machen gehen will, dann sagt mein Kopf nach wie vor immer noch, es ist schwächer geworden, ja, nee, heute ist Wetter nicht so gut, sollst du mal lassen, vielleicht ist halt eher, ja, weiß nicht, vielleicht wirst du rausgeschmissen, ja, und versuch, dich immer davon abzubringen, obwohl du eigentlich weißt, du möchtest es eigentlich probieren, so, ja. Diese Stimme gibt es, glaube ich, bei jedem. Du sagst, okay, ich habe eigentlich Bock, das zu machen beruflich, aber vielleicht sollte ich es eher doch nicht machen, weil, keine Ahnung, oder ich möchte jetzt die Person ansprechen, weil ich die hübsch finde. Einfach machen. Also man hat immer diese innere Stimme, die hat jeder Mensch, die einen immer versucht, davon abzuhalten, aber davon darf man sich nicht irritieren lassen.
20. Was erhoffst du dir von dem Auftritt bei DSDS? Was ist dein Ziel?
Leon: Was ich cool fände, ist, wenn ich praktisch meine Musik weitermachen könnte und dann vielleicht damit auch Erfolg habe, sodass man dann vielleicht irgendwann mal im Olympiastadion spielt vor 50.000 Leuten. Ich glaube, das ist der Traum eines jeden Musikers. Und dann, sag ich, im Sommer auf Tour zu sein und im Winter in der eigenen Klinik oder Praxis zu arbeiten als Arzt, das wäre für mich eigentlich so mein Traum.
21. Worum geht es in deinem Song "Hey"?
Leon: In dem Song geht es darum, dass einer immer auf dem Weg zur Arbeit oder zur Uni so ein Mädchen liest und irgendwie läuft man auch mal aneinander vorbei und irgendwann traut er sich diese Person anzusprechen und den Rest von der Geschichte erzählt der Song.