Sänger Axel Bosse, radio SAW Moderatorin Nadine Rathke

Bosse im radio SAW-Interview

Sänger stellt neues Album "Stabile Poesie" vor

Er ist einer der sympathischsten Sänger, die wir in Deutschland haben und er kommt auch noch aus dem SAW-Land: Axel Aki Bosse. Seit über 20 Jahren macht er jetzt Musik und bringt am 17. April sein neues Album “Stabile Poesie” heraus, mit dem er dann auch auf Tour gehen wird! 

Wir holen ihn für euch nach Leipzig in die Quarterback Immobilien Arena am 15. Mai und haben uns riesig gefreut, dass er uns vorher einen Besuch abgestattet hat.

Bosse
Bosse
1. Wir haben uns ne ganze Weile nicht gesehen – das letzte Mal warst du 2018 hier im Funkhaus - was ist in der Zwischenzeit bei dir passiert?
00:0000:00
  • 1. Wir haben uns ne ganze Weile nicht gesehen – das letzte Mal warst du 2018 hier im Funkhaus - was ist in der Zwischenzeit bei dir passiert?
  • 2. Aber trotzdem bist du immer noch der gleiche, bodenständige Aki geblieben.
  • 3. Du bist aber – und das ist vielleicht was Neues – viel auf Social Media unterwegs. Neulich hab ich einen Clip dort gesehen, wie du ne Plastiktüte in Hamburg vom Bürgersteig gefischt hast, um deinen Song “einmal alles bitte “ zu promoten.
  • 4. Denkst du da jetzt eigentlich auch schon so in Social Media Schubladen – was könnte gut geklickt werden?
  • 5. Aber Social Media ist ja auch ein zweischneidiges Schwert – besingst du ja auch ein bisschen in deinem Song “Nokia” ...
  • 6. Ja, manchmal wünscht man den Kids, dass sie nochmal so ne Jugend wie wir erleben könnten - so komplett ohne Social Media ...
  • 7. Wo bleibst du bei Social Media hängen?
  • 8. Und hast du da schon mal was nachgekocht?
  • 9. Was würdest du dir aus den 2000ern zurück wünschen?
  • 10. Und das kommt ja manchmal auch bei deinen Konzerten vor – und das Schöne ist: du nimmst dich dabei nicht zu ernst.
  • 11. Am 17. April kommt dein neues Album raus “Stabile Poesie” - aber vorher hast du im letzten Jahr nochmal zum 20-Jährigen Jubiläum eine Art Best-of Album rausgebracht. Warum war dir das Wichtig?
  • 12. Ich stell mir das schwierig vor, für ein neues Album Songs, aus den Massen von geschriebenen Liedern, rauszusuchen...
  • 13. Und “Stabile Poesie” ist jetzt im Kasten?
  • 14. Und das neue Album habt ihr auf Sizilien produziert, richtig?
  • 15. Was hat man denn nach 20 Jahren Musik machen noch so zu sagen als Sänger?
  • 16. Am 17. April kommt dein neues Album “Stabile Poesie” raus – als CD ist ja ganz klar, aber noch was anderes?
  • 17. Benutzt du auch mal KI als Einstiegshilfe beim Songschreiben?
  • 18. Hast du manchmal auch das Gefühl beim Songschreiben “Mensch, für dieses Album ist es jetzt doch nix, aber vielleicht mal später”`? Hast du so Aktenordner mit Song-Schnipseln?
  • 19. Also kann es auch passieren, dass in 100 Jahren posthum noch Bosse-Songs veröffentlicht werden können?
  • 20. Wie geht deine Tochter mit deinem Job um? Ist das für sie normal?
  • 21. Und wie ist es bei dir? Ein bekannter Sänger sein, Promistatus haben?
  • 22. Wir präsentieren dich in diesem Jahr am 15. Mai in der Quarterback Immobilien Arena in Leipzig, du spielst aber auch Open Air in der Jungen Garde in Dresden – was machst du lieber? Halle oder Open Air?

Wir haben uns ne ganze Weile nicht gesehen – das letzte Mal warst du 2018 hier im Funkhaus - was ist in der Zwischenzeit bei dir passiert?
Axel Bosse: Boah, da ist einiges passiert. Ist irgendwie nicht schlechter geworden auf jeden Fall. Ich habe ein paar Lieder geschrieben. Man muss sagen, dass sich bei mir in der Band eigentlich gar nicht so viel verändert hat. Vielleicht sind hier und da ein paar mehr Leute vor den Bühnen. Wir haben das irgendwie jetzt in den letzten Jahren versucht zumindest ein paar eigene Sommersachen auch zu spielen. Das war immer so mein allergrößter Traum, mich irgendwann so autark zu machen von Festivals und einfach loszufahren mit meiner Truppe und irgendwo zu spielen. Haben wir zum Beispiel hier in Magdeburg auch gemacht. Das war irgendwie richtig toll und ansonsten habe ich, glaube ich, geschrieben wie ein Hund.

Aber trotzdem bist du immer noch der gleiche, bodenständige Aki geblieben
Axel Bosse: Naja, also es ist schon so, dass glaube ich, bei mir nach wie vor so, dass ich genau wie mit 17 oder auch wie 2018 immer noch ganz schön viel Freude dran hab. Ja und das ist glaube ich der Hauptpunkt, dass ich erstmal natürlich Menschen am allerschlimmsten finde, die denken sie sind was besseres als andere und ich weiß, dass dieser Beruf bei ganz ganz vielen das so auslöst. Bei mir irgendwie nicht, also es ist irgendwie nach wie vor eigentlich so wie immer, außer wie gesagt, dass manchmal ein bisschen mehr Verantwortung da ist, je mehr Menschen vor der Bühne sind, desto mehr Verantwortung hat man irgendwie auch, aber die Grundfreude am Musikmachen und am Tanzen und so, die ist ungebrochen.

Du bist aber – und das ist vielleicht was Neues – viel auf Social Media unterwegs. Neulich hab ich einen Clip dort gesehen, wie du ne Plastiktüte in Hamburg vom Bürgersteig gefischt hast, um deinen Song “einmal alles bitte “ zu promoten.
Axel Bosse: Natürlich renne ich jetzt auch nicht die ganze Zeit durch die Stadt und sammele Müll auf, aber ich finde schon, ey, wenn irgendwo was rumfliegt, kann man es auch wegschmeißen. Genau, das hat aber dann auch da ganz gut gepasst. Das ist so eine Textzeile über so eine Plastiktüte, die irgendwie durch den Wind so durch die Gegend fliegt und das war da in dem Fall so. Und ich habe gedacht, Alter, okay, jetzt wird es ein Hit, jetzt weiß ich es. Wenn die Plastiktüte in Hamburg mir ins Gesicht fliegt.

Denkst du da jetzt eigentlich auch schon so in Social Media Schubladen – was könnte gut geklickt werden?
Axel Bosse: Ja, im schönsten Fall, ja. Sonst bin ich da schon einigermaßen aktiv. Ich, so um ganz ehrlich zu sein, so wie du auch, du kennst es wahrscheinlich auch noch, ich fand die Zeiten jetzt auch nicht so schlimm, wo man nicht andauernd irgendwie immer auch das so mitdenken musste. Aber ich find's auf der einen Seite auch schön und ich finde das ist eine tolle kreative Seite, die ich dann irgendwie da auch auslebe und ich glaub so grad für jüngere Künstlerinnen und Künstler ist das was tolles, um sich einfach einigermaßen schnell einen Namen zu machen und um kreativ zu sein. Das finde ich schon ist einer der wenigen Vorteile vom Social Media Geballer.

Aber Social Media ist ja auch ein zweischneidiges Schwert – besingst du ja auch ein bisschen in deinem Song “Nokia” ...
Axel Bosse: Also in dem Song Nokia geht es eben darum, dass ich in der ersten Strophe einen Grundteil meiner Kindheitserinnerung so besinge. Ich komme eben noch aus einer Generation, ich hatte noch kein Smartphone, als ich ein Jugendlicher war. Da ging das vielleicht gerade so los, aber ich kann mich noch erinnern, da hatten dann Leute so Kästen, wie damals bei der Bundeswehr und das war dann ein Handy. Und ich finde eben grundsätzlich natürlich verglichen mit all dem, also auch wenn ich mir die Jugendlichen angucke oder auch meine Tochter, es ist schon krass, wenn man so groß wird und ich bin einigermaßen froh, dass ich eine Kindheit hatte ohne dieses Geballere, so kann man so sagen, und ohne diese kurze Aufmerksamkeitsspanne. Der Song Nokia soll es überhaupt gar nicht sein, dass ich jetzt so nur mecker, aber sich diesem Druck zu entziehen und diesem Geballer, den Deepfakes, der KI, die gerade die Kunst kaputt macht. Aber wie gesagt, es gibt ja immer zwei Seiten, auch sehr viel Tolles hat und sehr viel Interessantes. Genau darum geht es in dem Song und eigentlich habe ich dann schon ganz, ganz oft und ich weiß nicht, ob es den Hörerinnen und Hörern auch so geht oder dir, oft so das Gefühl, okay Mann, ich brauche jetzt echt eine Pause von dem ganzen Scheiß und auch darum geht es.

Ja, manchmal wünscht man den Kids, dass sie nochmal so ne Jugend wie wir erleben könnten - so komplett ohne Social Media ...
Axel Bosse: Das unterschreibe ich zu 1000% und ich finde es aber auch, wenn ich mir mein Leben so angucke, also wenn ich dann irgendwie abends vorm Einschlafen irgendwie wieder TikToks pumpe und dann nicht richtig pennen kann, dann sollte man sich natürlich auch noch an die eigene Nase fassen und eben sagen, okay, wie kriege ich das hin, ein gesundes Gehirn zu behalten? Und ja, da ist bei mir offenbar der Trick, das Ding wegzulegen. Und ich weiß nicht, ey, wir müssen alle mal wieder Gras streicheln.

Wo bleibst du bei Social Media hängen?
Axel Bosse: Also mein Algorithmus ist, glaube ich, geprägt von Leuten, die kochen, was ja eigentlich erstmal okay ist, aber auch da ballert's natürlich. Sonst natürlich Musik, Fashion jetzt nicht so. Es ist eben nur die Frage, wie viel man sich davon gibt.

Und hast du da schon mal was nachgekocht?
Axel Bosse: Manchmal fotografiere ich das dann weg, genau. Ich bin gar nicht so ein Rezeptkocher. Ich finde das manchmal so ganz toll, bei so Sachen, wo ich mich überhaupt gar nicht auskenne. Sagen wir mal die balinesische Küche oder so. Da ist dann schon ein Rezept, aber sonst fähre ich auch ohne Rezept ganz gut.

Was würdest du dir aus den 2000ern zurück wünschen?
Axel Bosse: Also mir ist letztens noch mal so klar geworden, da war ich auf einem Konzert in Münster bei der Band die Doonuts und dann habe ich mir so gedacht, ach, also ich fand schon Musik interessant, als die noch computerlos war oder computerloser. Ich finde mittlerweile die meisten Live-Shows zum Beispiel finde ich sehr, sehr gestaged. Also wie so Theaterstücke. Also Künstlerinnen und Künstler können dir heute sagen, du, meine Show geht eine Stunde 43 und 13 Sekunden, weil so hat der Computer das eingestellt und die Lichtprogrammierung ist auch so. Und ich bin einfach so super froh, dass ich und meine Band das nicht machen und auch nicht machen müssen, weil wir irgendwie Musik machen können. Und ich war jetzt auf ein paar Konzerten, ohne jetzt Namen zu nennen, wo ich so das Gefühl hatte, boah krass, das ist mir jetzt gerade ein bisschen zugemacht. Also ich finde so das Scheitern und auch Fehler gehören auf so einer Bühne dazu. Wobei letztens war ich bei Radiohead, die haben sich so oft verspielt, aber die sind ja auch alt. Aber ja, das würde ich mir, was die Musik angeht, wieder so zurückwünschen, dass ich so ein freieres Gefühl gerne hätte und auch mal so Fehler sehe und nicht alles so perfekt ist. Und ich finde manchmal muss es irgendwie auch mal scheiße sein oder auch so Mittelgut, dafür aber echt und mit Herz.

Und das kommt ja manchmal auch bei deinen Konzerten vor – und das Schöne ist: du nimmst dich dabei nicht zu ernst.
Axel Bosse: Ja, das muss man auch. Auf der einen Seite ist es mir natürlich richtig ernst. Sonst würde ich das auch nicht weiter machen. Aber genau, das mit so einem gewissen Humor zu nehmen, das mag ich bei meiner Band und mir ganz gerne. Ich glaube, wir haben alle Sachen, wo andere Leute so ganz stark aufgeregt sind oder, wie sagt man, arschverkniffen sind, haben wir irgendwie mit Humor ganz gut geregelt.

Am 17. April kommt dein neues Album raus “Stabile Poesie” - aber vorher hast du im letzten Jahr nochmal zum 20-Jährigen Jubiläum eine Art Best-of Album rausgebracht. Warum war dir das Wichtig?
Axel Bosse: Naja, 20 Jahre ist kein Pappenstil und dann haben wir irgendwie schon gedacht, ich hab damals auch bei Sing Mein Song mitgemacht und dann war das so, dass ich natürlich dann wusste, okay, die singen jetzt natürlich dann alte Songs von mir und wir gehen jetzt dann auch in dieser Folge und auch in der Dokumentation, die es danach gab, dann nochmal so tief rein. Dann haben wir so gedacht, okay, das ist jetzt schon ein guter Fanservice, einfach mal so eine kleine Compilation zu machen. Das war jetzt gar kein Best of oder so, das sind die letzten 20 Jahre, zwei Songs pro Album und schau, einfach um nochmal so zu zeigen, wie man sich so entwickelt hat und wie die Zeit auch so vergangen ist. Um danach aber auch sofort zu sagen, ja egal was war, es geht jetzt sowieso weiter und es geht in der Musik auch immer wieder von vorne los und das ist so ganz wichtig. Also ich hab schon nochmal Lust, das nochmal ein paar Jahre zu machen.

Ich stell mir das schwierig vor, für ein neues Album Songs, aus den Massen von geschriebenen Liedern, rauszusuchen...
Axel Bosse: Bei der neuen Platte ist mir jetzt auch so aufgefallen. Ich meine, ich habe die letzten zwei Jahre nichts anderes gemacht, als an der zu arbeiten und man wird natürlich dann auch total betriebsblind. Das heißt, Musik zum Beispiel ist ja dafür, die funktioniert eigentlich so am besten, dass wenn man das frisch hört und dann noch drei, vier mal hört und dann ein Gefühl entwickelt und damit was verbindet, so funktioniert Musik für mich. Und irgendwann liebt man dann einen Song und dann verbindet man noch mehr damit, Zeugkinder, keine Ahnung, gibt's ja alles. Aber ich selber kann das nicht, weil ich laber ja, also ich denke zwei Jahre lang daran rum, nicht an jedem Song, aber an den meisten, dann wird es gemischt, dann wird es gemastert, dann kommen die Streicher und genau, ich bin so tief drin, dass ich nicht mehr objektiv beurteilen kann, ob das gut oder scheiße ist.

Und “Stabile Poesie” ist jetzt im Kasten?
Axel Bosse: Genau, also die Vinyls sind jetzt gerade wirklich gepresst und es ist jetzt fertig. Also ich kann nix mehr dran machen. Das Artwork steht, die Tour steht, es steht alles in den Startlöchern. Das heißt, mein Job ist erstmal getan. Genau.

Und das neue Album habt ihr auf Sizilien produziert, richtig?
Axel Bosse: Wir haben das ganze Ding auf Sizilien geschliffen. Also ich war permanent auf Sizilien. Das war gut, weil ich das, ich hab das früher immer so gemacht, dass ich mich einfach, dass ich mich einfach verpisst habe und sei es Köln, es war dann meistens Köln. Habe ich dann zu meiner Familie gesagt, ey ich bin jetzt eine Woche weg und dann komme ich aber auch wieder, aber dann war ich eben auch weg und dann habe ich mich so da so richtig reinfallen lassen, das habe ich die letzten Jahre gar nicht so gemacht. Das war dann immer so, ach ich fahre mal nach Berlin oder ich mache das in Hamburg oder die meisten Sachen habe ich natürlich auch damals auch Corona-bedingt natürlich dann zu Hause gemacht, was auch super schön ist, aber diesmal war das so, nö, ich fliege nach Sizilien, dann bin ich da und dann bin ich total konzentriert und habe auch nichts anderes gemacht und ich habe, wenn ich ehrlich bin, auch gar nicht so viel gesehen von der schönen Insel. Teilweise natürlich, aber war nicht andauernd auf dem Ätna oder so, sondern ich habe wirklich im Studio gehangen oder eben in irgendeiner kleinen Airbnb-Hütte und genau und habe gearbeitet.

Was hat man denn nach 20 Jahren Musik machen noch so zu sagen als Sänger?
Axel Bosse: Naja, also ich finde da gibt es eben immer noch einiges. Ich hab irgendwann als ich anfing gesagt, ich will mich auf jeden Fall nicht wiederholen und ich glaube es gibt so wahrscheinlich die großen fünf Themen, über die man singt. Das sind aber auch die großen fünf Lebensthemen und dann gibt es natürlich dann immer noch so ganz, ganz viele Themen, die dann mit der Zeit so aufploppen und ich fand es diesmal interessant, also wenn ich über Freundschaft oder über Liebe gesungen habe, dann eher über so Dinge wie Wahrheit, Commitment, sich entscheiden, gegen die Schwebe, aber auch ums Loslassen. Es geht ums älter werden, es geht aber auch um Empowerment, es geht in Nokia um die heutige Zeit und was das so macht, in LassDichNichtFicken geht es um digitale Gewalt und um Hass im Netz und da aufzustehen und der Politik zu sagen, digitale Gewalt ist Gewalt, was aber auch gleichzeitig ein Lied für eine Freundin von mir ist, die irgendwie betroffen war. Dann gibt es einen Song, der heißt Schönheit erkennen, auch da geht es dolle um Gesellschaft und wie sich die Zeit gerade so anfühlt und wie man so klarkommt und wie nicht und wie ich mich so fühle, genau und so kommen dann so Themen und dann am Ende hast du zwölf Songs, wo ich dann doch wieder sagen muss, ich glaube ich habe mich nicht wiederholt.

Am 17. April kommt dein neues Album “Stabile Poesie” raus – als CD ist ja ganz klar, aber noch was anderes?
Axel Bosse: Die LP, es gibt dann auch bei der CD immer noch so eine Deluxe-Version, da sind dann noch Live-Sachen drauf aus Dresden, wo wir in der Jungen Garde gespielt haben, was immer so wie ein Heimspiel ist und ein paar Live-Songs aus Hamburg, dann gibt es das quasi als B-Seite von Stabile Poesie noch dazu und ansonsten haben wir eine ziemlich tolle Fanbox, wie ich finde, ich finde, das haben wir alles irgendwie ganz schön gemacht und so ganz liebevoll, also irgendwie keine Scheiße und ansonsten, genau, gibt es ein paar Shirts und vor allen Dingen aber eben die Musik

Benutzt du auch mal KI als Einstiegshilfe beim Songschreiben?
Axel Bosse: Ja, nee, mach ich nicht. Ich bin echt erschrocken auf jeden Fall, was in puncto Kunst, aber auch die Synchronsprecherinnen und so weiter. Also wenn die Stimme einmal drin ist, dann ist damit eben alles möglich. Ich muss mir noch mal so Gedanken machen, wie ich überhaupt so mit dem Thema umgehe, weil da geht es bei mir jetzt natürlich auch darum, wurde meine Stimme schon genutzt, wird die eigentlich schon genutzt? Wie ist das eigentlich mit meinem geistigen Eigentum, was ich die letzten 20 Jahre erstellt habe? Also auch mit den Urheberrechten. Ich finde KI-Musik einfach grundsätzlich erstmal komplett abgeturnt. Also ich finde es wirklich, wie dumm dann auf so eine Maschine zu tanzen. Aber auf der anderen Seite ist es die Zeit und die ist jetzt schon mehr, als ich das dachte, ist die schon eigentlich da. Ich weiß gar nicht, wie viel Prozent jetzt zum Beispiel gerade bei Spotify eigentlich schon KI-generierte Musik ist. Aber bei mir ist es dann schon so, dieses sich hinsetzen, schreiben, eine Idee haben, scheitern, das Verwerfen, das ist ein ganz großer Teil meines Berufs, den ich wirklich liebe. Und nur dadurch, dass ich scheitere und das ist da auch Menschild in dem Scheitern und aber auch in dem Triumphieren, wenn mal irgendwas funktioniert, nur so kann ich glaube ich existieren, auch als Künstler. Und genau deswegen bin ich der Letzte, der irgendeine KI nutzen würde, um sich jetzt ein Dully-Playback bestellen zu lassen, um dann da drauf zu singen. Ich weiß aber, dass es super viele Leute machen, weil es natürlich ganz einfach ist. Und ich würde es wahrscheinlich sogar auch machen, wenn ich jetzt 14 wäre und ich keine Ahnung von Musik hätte, ich aber Bock hätte ein bisschen zu rappen, dann würde ich sofort der KI sagen, mach mir irgendeinen Playback und würde es drauf machen. Aber für mich ist das nichts. Bei mir muss das schon so aus den Händen kommen.

Hast du manchmal auch das Gefühl beim Songschreiben “Mensch, für dieses Album ist es jetzt doch nix, aber vielleicht  mal später”`? Hast du so Aktenordner mit Song-Schnipseln?
Axel Bosse: Da ist ein richtiges Ordner Gemetzel bei mir. Ich weiß gar nicht so, wie viele Songs ich jetzt für Bosse schon veröffentlicht habe in den zehn Alben, aber es gibt da halt die achtfache Anzahl an Liedern, die noch irgendwo rumliegt. Und manchmal ist das gut, weil was man so vor zehn Jahren noch scheiße fand oder irgendwie nicht gefühlt hat, weil man zu doll drin war, ist dann manchmal mit so ein bisschen Abstand wieder toll. Genau. Aber ich mach das viel zu selten. Ich fang immer wieder auch gern von vorne an.

Also kann es auch passieren, dass in 100 Jahren posthum  noch Bosse-Songs veröffentlicht werden können?
Axel Bosse: Ja, das kann passieren, ja klar. Also wenn's irgendwas zu erben gibt, dann sind's offenbar halbfertige Songs.

Wie geht deine Tochter mit deinem Job um? Ist das für sie normal?
Axel Bosse: Ja, das ist normal für die. Es ist natürlich anders. Also der einzige Unterschied ist, dass ich, glaube ich, öfter Tschüss gesagt habe und dann aber auch wieder da war. Und da muss man aber auch sagen, dass die Zeit, die ich zu Hause verbringe, verglichen mit ganz, ganz vielen anderen Eltern, dass ich da auch schon sehr viel zu Hause bin und auch super viel von zu Hause arbeiten kann. Und es gibt, glaube ich, gar nicht so einen großen familiären Unterschied zu Bürojobs.

Und wie ist es bei dir? Ein bekannter Sänger sein, Promistatus haben?
Axel Bosse: Es hat irgendwie so ganz wenig Auswirkungen auf mein privates Leben, was ich mache. Und es liegt aber auch daran, weil ich brauche jetzt nichts und ich brauche jetzt zu Hause nichts. Das ist irgendwie, wie gesagt, ich glaube, wir sind ganz normal. Und dann kommt aber auch noch mit dazu, dass ich glaube, dass bei mir die Karriere in Häkchen erstmal so lange gedauert hat. Du weißt, wenn man so ganz jung ist, sagen wir mal 18 und es ballert dir ein Welthit um die Ohren und dann bist du die ganze Zeit unterwegs. Kein Wunder, dass die in Häkchen Stars und Sternchen irgendwann verrückt werden, weil das macht ja auch verrückt. Also wie soll man denn da noch normal bleiben? Ich glaube aber, der Unterschied dann zu mir ist, ich singe auf Deutsch. Das heißt, da kommt noch Österreich, Schweiz, ein bisschen Belgien und Holland mit dazu. Das war's aber. Und ich glaube dann, also alle, die dann abgehoben werden oder irgendwie Probleme bekommen, ja, das ist dann irgendwie, also ich hab's nicht.

Wir präsentieren dich in diesem Jahr am 15. Mai in der Quarterback Immobilien Arena in Leipzig, du spielst aber auch Open Air in der Jungen Garde in Dresden – was machst du lieber? Halle oder Open Air?
Axel Bosse: Also ich finde erst mal Leipzig Quarterback haben wir noch nie gespielt und ich finde das ist ganz schön groß für uns und da müssen auch alle kommen, finde ich wirklich. Dann finde ich Leipzig immer super cool, Dresden immer super gut und Junge Garde ist dann wirklich so fast schon so ein Wohnzimmer. Also es ist irgendwie immer ausverkauft und es ist einfach immer toll und ich weiß nicht was besser ist. Ich finde draußen schon ein Stückchen weit schöner, wenn das Wetter mitspielt. Ich mag aber Hallen auch, weil da ist natürlich dann schon so, dass ich finde, dass in der Halle so Licht und man hat so das Gefühl dadurch, dass der Raum noch mehr geschlossen ist, sind alle vielleicht noch ein bisschen mehr zusammen. Deswegen freue ich mich eben so auf die Hallentour, da passiert es irgendwie. Aber wie gesagt, ich habe jetzt auch im letzten Sommer so viel draußen gespielt und das war auch alles sehr sehr schön. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich immer den Club nehmen.
 

Seite teilen