
Wegen ihrer Körpergröße von 1,49 Metern ist sie «die Lütte» genannt worden: Angelika Mann ist eine der bekanntesten Künstlerinnen mit DDR-Wurzeln gewesen. Nun ist die Sängerin und Schauspielerin im Alter von 76 Jahren gestorben, wie ihre Familie der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Mehr als ein halbes Jahrhundert stand sie auf der Bühne, auch als Kabarettistin und Moderatorin.
Auf ihrer Internetseite hieß es über sie: «Klein an Gestalt, jedoch mit kaum zu zügelnder Berliner Schnauze, voluminöser Stimme und herausragender Bühnenpräsenz unterhält sie ihr Publikum als eine ganz "Große"». Doch um ein Haar wäre Mann kein DDR-Star geworden - denn bei ihrer Geburt am 13. Juni 1949 lebten ihre Eltern im Westen Berlins.
Dann bekam ihr Vater, ein Arzt, eine Stelle im Berliner Stadtteil Buch. Die Familie zog in den Osten um. Im Spätsommer 1961 wollte ihre Mutter zurück in den Westen. Ein Grund: «Wir lebten in ständiger Angst.» Das schrieb Mann in ihrer Autobiografie «Was treibt mich nur», die 2013 erschien. Aber: Der Mauerbau kam der lang geplanten Republikflucht zuvor.
«Die Lütte» wurde eine der bekanntesten und beliebtesten Sängerinnen der DDR. Dennoch fühlte sie sich in dem Land zunehmend unwohl. «Die Situation in der DDR war schon seit langem recht trostlos. ... Seit Jahren kämpfte man immer um dieselben Dinge: Texte, Musik, Klamotten, Auftritte, Musikinstrumente», schrieb sie in ihrer Autobiografie. Sie wurde auch drangsaliert, weil sie die Petition gegen die Biermann-Ausbürgerung mit unterschrieben hatte.
Im Mai 1984 stellte die Künstlerin einen Ausreiseantrag. Costa Cordalis, der gerade auf DDR-Tournee war, gab sie ihren Flügel mit - ein Jahr später folgte sie selbst samt Ehemann. Im Westen fasste «die Lütte» bald wieder Fuß. Am Theater des Westens wurde sie als Lucy in der Dreigroschenoper bejubelt, trat bei Theater-, Kabarett- und Musical-Produktionen auf.
2008 schilderte Mann in der Zeitschrift «SuperIllu», dass sie wegen eines betrügerischen Steuerberaters in eine tiefe finanzielle und persönliche Krise geraten sei. Wegen hoher Schulden beim Finanzamt habe sie Privatinsolvenz anmelden müssen. 2021 erlitt die Künstlerin mit dem frohen, optimistischen Wesen einen weiteren Schicksalsschlag: Sie erhielt eine Brustkrebs-Diagnose. Dennoch stand «die Lütte» weiter auf der Theaterbühne, ließ sich nichts anmerken und trug Perücke. Im November 2022 schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite, sie habe nun ihre letzte Chemotherapie-Tablette genommen. «Ich bin dankbar und demütig. Ich liebe das Leben.»
2023 sagte sie der «SuperIllu»: «Ich bin im letzten Teil meines Lebens angekommen, da muss man sich gar nichts vormachen. ... Bettwäsche oder Koffer kaufe ich nicht mehr. Ich gebe das Geld lieber für schöne Erlebnisse, eine Reise, Theaterkarten, einen Restaurantbesuch aus.»