
Die Versorgung mit Rettungshubschraubern im Süden Sachsen-Anhalts ist deutlich besser als im Norden. Das zeigt ein Gutachten das Innenministerium, das im Dezember 2025 veröffentlicht wurde. Grund dafür sind die aktuellen Standorte der Helis: zwei sind in Halle stationiert, einer in Magdeburg.
Dadurch herrscht eine teilweise bis zu fünffache oder sogar noch höhere Abdeckung im Süden, während Regionen in der ländlich geprägten Altmark ein Versorgungsdefizit aufweisen. Das bestätigt Stendals Landrat Patrick Puhlmann: „Viele Gebiete in der Altmark sind nicht innerhalb von 15 oder maximal 20 Minuten mit dem Rettungshubschrauber zu erreichen. Wir sind hier schlechter versorgt."
„Für die Altmark ist das Ergebnis des Gutachtens mit seinen zahlreichen Versorgungsdefiziten ernüchternd“, sagt Steve Kanitz, Landrat des Altmarkkreis Salzwedel. Er verweist insbesondere auf die Regionen zwischen Arendsee und Seehausen sowie Havelberg und entlang der westlichen Landesgrenze von Diesdorf über den Drömling bis zur Colbitz-Letzlinger-Heide.
Heli aus Magdeburg in den Norden
Um das zu ändern, stellt das Gutachten des Innenministeriums zwei Modelle vor: Die beiden Rettungshubschrauber in Halle sollen dort bleiben und der eine aus Magdeburg nach Haldensleben oder Stendal verlegt werden. Beide Modelle weisen in der Gesamtbetrachtung des Landes aber Defizite auf, heißt es von den Landräten aus der Altmark. Denn zwar bliebe der Süden um Halle weiterhin um das bis zu fünffache oder sogar mehr abgedeckt, der Harz (bei Station Stendal) oder der nördlichste Landeszipfel (bei Station Haldensleben) blieben nicht durch einen Hubschrauber in den vorgeschriebenen Zeiten zu erreichen.
Landräte fordern Heli aus Halle zu verlegen
Die altmärkischen Landkreise Salzwedel und Stendal stellen nun ein Modell vor, das bislang nicht betrachtet wurde und plädieren für eine bessere Verteilung der Rettungshubschrauber im gesamten Land. Dieses sieht vor, einen der beiden Helis aus Halle nach Stendal zu verlegen.
„Dieser kann hierher verlegt werden, ohne dass er woanders fehlt, weil es im Süden noch immer eine Mehrfachabdeckung gibt", meint Stendals Landrat Patrick Puhlmann, „So, wie die Situation derzeit ist, können wir sie nicht mehr hinnehmen. Es braucht eine ordentliche Nord-Mitte-Süd-Verteilung. Nur mit dieser Variante lässt sich das ganze Gebiet Sachsen-Anhalts voll abdecken und die lebenswichtigen Transportzeiten könnten eingehalten werden.
Flugplatz Stendal-Borstel erfüllt Voraussetzungen
Als neuer Standort käme der Flugplatz Stendal-Borstel in Betracht. Nach Angaben des Flugplatz-Geschäftsführers, Matthias Jahn, sei dieser schon vor Jahren begutachtet und „für gut befunden“ worden. „Die Rechtsgrundlage und Infrastruktur, hier einen Rettungshubschrauber zu stationieren, sind vorhanden. Der Flugplatz verfügt über alle erforderlichen Genehmigungen, Nachtbeleuchtung und eine Tankstelle.“
Zudem gibt es bereits Erfahrungen mit einem Hubschrauber-Landeplatz. „Als der Landeplatz am Stendaler Krankenhaus nicht genutzt werden konnte, war bei uns ein Provisorium eingerichtet – mit kurzen Wegen zur bodengebundenen Infrastruktur“, so Jahn weiter. Er stellte in Aussicht, dass eine kurzfristige Umsetzung mit den vorhandenen Einrichtungen möglich ist.
Profitieren würde von diesem Modell ebenso das Jerichower Land, welches an der östlichen Landesgrenze ein Versorgungsdefizit ausweist. Hier wäre die Abdeckung durch einen Rettungshubschrauber in Stendal ebenso verbessert.