Mord an Chinesin

Zwei Verdächtige in Dessau gefasst / Ermittler prüfen Akten in einem weiteren Todesfall / Geistliche und Stadtratspräsident bitten um Spenden für Familie des Opfers
Dienstag, 24. Mai 2016

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In diesem Haus in der Dessauer Johannisstraße soll die Chinesin ermordet worden sein.
In diesem Haus in der Dessauer Johannisstraße soll die Chinesin ermordet worden sein.

Schwer entstellt wurde die Leiche einer chinesischen Studentin in Dessau-Roßlau gefunden. Nun haben die Ermittler ein junges Pärchen als Tatverdächtige ausgemacht. Der 20-jährige Mann, Sohn einer Polizistin, und seine gleichaltrige Partnerin werden des Sexualmordes an einer Architekturstudentin bezichtigt, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann am Dienstag in Dessau-Roßlau sagte. Gestanden hätten die beiden jungen Leute die Tat bislang aber nicht. Inzwischen wurden gegen beide Haftbefehle erlassen. Vor dem Haftrichter verweigerten beide die Aussage.

Die Leiche der jungen Frau war am 13. Mai in einer Grünanlage in einem Hinterhof an der Hausmannstraße in Dessau gefunden worden, nahe dem Anhaltischen Theater im Dessauer Zentrum. Die Studentin war zwei Tage zuvor zum Joggen aufgebrochen und nicht wieder zurückgekehrt. Sie starb laut Obduktion an schweren Verletzungen am Kopf und im Gesicht. In der Stadt ging die Angst um, dass Jogger besonders gefährdet seien. Auch ein fremdenfeindlicher Hintergrund wurde zunächst nicht ausgeschlossen. Beides hat sich laut Staatsanwaltschaft aber nicht bestätigt.

Der tatverdächtige 20-Jährige habe sich am Montag bei der Polizei gemeldet und gesagt, die bei der Getöteten gefundene DNA könne von ihm stammen, berichteten die Ermittler. Einen Tag vor dem Verschwinden der Chinesin hätten er und seine Freundin sich mit ihr zum einvernehmlichen Sex zu dritt getroffen. Sie habe anschließend das Haus aber wieder verlassen. Ähnliche Angaben habe auch die Lebensgefährtin gemacht.

Die Aussagen stehen im Widerspruch zu Zeugenaussagen, wonach die Studentin zum Zeitpunkt des angeblichen Treffens beim Joggen und anderswo gesehen worden sei. «Nach diesen Angaben ist auszuschließen, dass die Äußerungen der Tatverdächtigen - zumindest was den Zeitpunkt angeht - zutreffen würden.» Hinweise auf andere Tatverdächtige gibt es laut Bittmann nicht.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatten sich Opfer und mutmaßliche Täter zuvor nicht gekannt. Als einen möglichen Grund, warum sich der Mann selbst bei der Polizei meldete, nannte die Staatsanwaltschaft den hohen Ermittlungsdruck. Zuvor hatte der Mann laut Angaben auch Kontakt zu seiner Mutter.

Unklar blieb zunächst, was der Sohn der Polizistin über das Geschehen gesagt hatte und wie die Mutter darauf reagierte. Der Mann soll schon früher bei der Polizei in Erscheinung getreten sein.

Das Motiv des Pärchens und der genaue Tathergang waren bislang unklar. Das Opfer wurde laut den bisherigen Ermittlungen in einer leerstehenden Wohnung in dem Mietshaus in der Dessauer Johannisstraße getötet. Im Haus soll das Pärchen bis vor kurzem gelebt haben. Es wurden auch Blutspuren gefunden, die augenscheinlich von der Tat stammen. «Wir können davon ausgehen, den Tatort identifiziert zu haben», sagte Bittmann weiter. Spuren zeigten, dass der leblose Körper aus einem Fenster im Erdgeschoss gehievt wurde.

Im direkt an das Haus grenzenden Hinterhof war die Leiche der Chinesin am 13. Mai gegen 11 Uhr von Polizisten entdeckt worden.

Und im Zusammenhang mit dem Mordfall öffnen die Ermittler nun die Akten in einem weiteren Todesfall. Im Oktober vergangenen Jahres war das gemeinsame Kleinkind der beiden Tatverdächtigen gestorben. Es hatte damals bereits polizeiliche Ermittlungen gegeben, die aber zumindest vorläufig keine strafrelevanten Ansätze ergeben hatten.

Indes ist die Staatsanwaltschaft Dessau in die Kritik geraten. Die Eltern der ermordeten Chinesin sind nach Angaben von Vertrauenspersonen empört, dass von der Staatsanwaltschaft die Behauptung des mutmaßlichen Täters veröffentlich wurde, die Studentin habe sich freiwillig mit den Verdächtigen getroffen. Die Eltern der Chinesin sind seit einigen in Dessau, um die ermittlungen zu verfolgen und auch um den Leichnahm abzuholen, damit er in China beigesetzt werden kann. Der Vater der Chinesin ist in seinem Heimatland selbst als Polizeibeamter tätig.  

 

Aufruf zu Spenden im Gedenken an Yangjie Li

Indes haben Geistliche und der Dessauer Stadtratspräsident zu Spenden für die Familie des Mordopfers aufgerufen. „Ein schweres Verbrechen ist inmitten unserer Stadt Dessau-Roßlau geschehen. Wir alle können dies immer noch nicht fassen. Ein junge chinesische Studentin, Frau Yangjie Li, wurde zum Opfer einer unermesslichen Gewalttat! ... Unterstützen wir jetzt die Familie Li, damit sie Yangjie Li in ihrer Heimat bestatten kann. Hiermit bitten wir Sie alle um Ihre finanzielle Unterstützung im Gedenken an Yangjie Li.“ So heißt es in dem Aufruf, den Annegret Friedrich-Berenbruch (Kreisoberpfarrerin Kirchenkreis Dessau), Dr. Matthias Hamann (Propst katholische Kirche St. Peter und Paul) und Lothar Ehm (Präsident des Stadtrates der Stadt Dessau-Roßlau) unterzeichnet haben.

Spenden an:

Evangelische Landeskirche Anhalt als Zahlungsempfänger

Konto: IBAN DE83 8009 3574 0001 0178 02, BIC GENODEF1DS1 bei der Volksbank Dessau-Anhalt

Kennwort: Im Gedenken an Yangjie Li.

 

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