Panzerfaustköpfe 16.05.2017 in Quedlinburg (Quelle Polizei).JPG

Mann bringt Panzerfaustköpfe zur Polizei

Mittwoch, 17. Mai 2017

Mit zwei Panzerfaustköpfen im Kofferraum ist ein Mann in Quedlinburg die Polizei vorgefahren. Der 72-jährige wollte die beiden rostigen Sprengsätze gestern Nachmittag abgeben. Die Polizei rief daraufhin den Kampfmittelbeseitigungsdienst und der stellte fest, dass es sich um nicht scharfe Übungsmunition aus der DDR Zeit handelte. Aufgetaucht waren die Panzerfaustköpfe bei einer Aufräumaktion in einer Kleingartenanlage.

Pressemitteilung der Polizei:

Mit Panzerfaustköpfen bei der Polizei vorgefahren

Quedlinburg
Nicht alltägliches erlebten am Dienstagmittag Polizeibeamte des Revierkommissariats Quedlinburg. Denn dort erschien ein 72 jähriger Mann und teilte mit, dass in seinem Auto zwei Kampfmittel liegen, die er abgeben wolle. Und tatsächlich – Polizisten, die in den Kofferraum des Autos schauten fanden darin zwei stark angerostete Panzerfaustköpfe lose liegend. Das Fahrzeug wurde daraufhin vorsichtig verschlossen, nicht mehr bewegt und der Kampfmittelbeseitigungsdienst angefordert.

Bedenklich ist der Weg der Panzerfaustköpfe bis sie bei der Polizei ankamen. Im Rahmen einer Aufräumaktion in einer Kleingartenanlage war ein Container für Metallschrott aufgestellt worden. Als dieser voll war, wurde der Container vom Schrotthändler abgeholt. Auf dem Betriebsgelände stellte der Schrotthändler dann die Panzerfaustköpfe fest. Statt sofort die Polizei zu verständigen wurde ein Verantwortlicher des Kleingartenvereins angerufen und zur Abholung der Panzerfaustköpfe aufgefordert.

Der 72jährige fuhr also zum Schrotthändler, legte die Panzerfaustköpfe in den Kofferraum und fuhr zur Polizei um die Fundstücke dort abzugeben.

Durch die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes konnte später bestätigt werden, dass es sich um Panzerfaustköpfe sowjetischer Bauart handelte. Als transportsicher werden Fundstücke dieses Typs aufgrund eines hochempfindlichen Zündsystems nicht angesehen. Solche Fundstücke werden an Ort und Stelle gesprengt. Eine nähere Untersuchung ergab zum Glück, dass es sich lediglich um Übungsmunition handelte, die gefahrlos abtransportiert werden konnte. Wie die Panzerfaustköpfe in den Container kamen, lies sich nicht ermitteln.

Hätte es sich nicht um Übungsmunition gehandelte, sondern um scharfe Munition, wäre ein anderes Ende denkbar gewesen. Die Panzerfaustköpfe konnten während der Fahrt im Kofferraum hin und her rollen und hätten mit großer Wahrscheinlichkeit das sensible Zündsystem ausgelöst. Die Menge des Sprengstoffs war ausreichend das Fahrzeug zu sprengen und hätte den Fahrer tödlich verletzt. Auch Verletzungen anderer Personen im Umfeld in unterschiedlicher Schwere wären wahrscheinlich gewesen. Auch der nicht fachgerechte Umgang beim Ablegen im Container und auf dem Betriebsgelände des Schrotthändlers hätte schnell tödliche Folgen haben können.
Der Kampfmittelbeseitigungsdienst weist darauf hin, dass beim Verdacht eines Kampfmittels sofort die Polizei verständigt werden muss. Ob es sich tatsächlich um ein Kampfmittel handelt, ist oft nur für Fachleute erkennbar. Kampfmittel zu berühren ist nicht nur verboten, sondern auch sehr gefährlich. Viele Kampfmittel sind mehr als 70 Jahre den Umwelteinflüssen ausgesetzt gewesen. Diese Einflüsse haben keine Reduzierung der Gefährlichkeit bewirkt, das Gegenteil ist der Fall. Während die Sicherungseinrichtungen empfindlicher geworden sind, hat der vorhandene Sprengstoff nichts an seiner Brisanz verloren. Dies kann dazu führen, dass bereits geringste Veränderungen des Kampfmittels unbeabsichtigte Reaktionen auslösen. Schwerste gesundheitliche Schädigungen bis hin zu tödlichen Verletzungen sind die üblichen Folgen unsachgemäßen Umgangs.

Generell gilt: Bei Verdacht eines Kampfmittelfundes sofort die Polizei unter der Notrufnummer 110 verständigen. Von dort aus wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst angefordert. Dieser steht an jedem Wochentag rund um die Uhr bereit, auf Fundmeldungen zu reagieren. Stellt sich bei der Begutachtung durch die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes übrigens heraus, dass es sich nicht um ein Kampfmittel handelt, entstehen dem Meldenden keine Kosten.

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