Gefahr eines Schweinepest-Ausbruchs

Agrarministerin warnt vor afrikanischen Erregern
Dienstag, 16. Januar 2018

In Polen und Tschechien verenden weiter Wildschweine an der Afrikanischen Schweinepest. Bald könnte die Seuche auch Niedersachsen erreichen, warnt Agrarministerin Otte-Kinast. Zur Präventionen sollen Jäger für erlegte Wildschweine Prämien bekommen.

Hannover (dpa/lni) - Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) rechnet jederzeit mit einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Land. «Wir wissen nicht wann und wir wissen nicht wo, aber dass sie kommt, davon gehen wir ernsthaft aus», sagte sie Anfang Januar in Hannover. Nun sollen 3,5 Millionen Euro bereitgestellt werden, um eine mögliche Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Eine entsprechende Summe habe sie im Nachtragshaushalt beantragt. Das Geld solle in erster Linie für die Verringerung der Wildschweinbestände durch intensivere Bejagung verwendet werden.

Altmarkkreis Salzwedel unterstützt Jäger

Der Altmarkkreis Salzwedel unterstützt Jäger gegen die Afrikanische Schweinepest. Wie der Landkreis mitteilte, bezahlt er nun die erforderliche Untersuchung des Fleisches auf Parasiten. Damit will der Kreis Jäger motivieren, möglichst viele Wildschweine zu erlegen. Sie sind Überträger der Schweinepest, die gerade in Osteuropa auf dem Vormarsch ist und auch Hausschweine ansteckt. Sobald nur ein Schwein infiziert ist, muss der gesamte Bestand getötet werden. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich.

Was macht die Afrikanische Schweinepest so gefährlich?

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Infektionskrankheit, die bei Wild- und Hausschweinen meist innerhalb weniger Tage tödlich endet. Sie breitet sich über Wildschweine aus. Bislang gibt es keine wirksamen Medikamente. Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht nicht. In den vergangenen Wochen traten vermehrt Fälle in Osteuropa auf. In Polen gab es zwischen Ende November und Anfang Januar nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) 279 neue Fälle bei Wildschweinen.

Warum ist die Sorge in Niedersachsen besonders groß?

In Niedersachsens Agrarbetrieben werden rund acht Millionen Schweine gehalten. Bei einem Ausbruch der Seuche bei Wildschweinen und einem Überspringen auf Hausschweine droht laut Agrarministerin Otte-Kinast «ein Schaden in Milliardenhöhe». Die Krankheit überträgt sich auch über verseuchte Speisereste, Viehtransporter und Stallkleidung. Die A2 verbindet Osteuropa und damit die Seuchengebieten mit Niedersachsen. Touristen und Lastwagen-Fahrer könnten das hochansteckende Virus in Lebensmitteln mitbringen. Sorglos weggeworfene Essensreste an Rastplätzen sind willkommenes Futter für Wildschweine. Und: «Wir stehen vor der Spargelsaison, es gibt viele Mitarbeiter aus östlichen Ländern», sagte Otte-Kinast. Auch diese müssten umfassend über das Risiko aufgeklärt werden.

Was plant das Land zur Prävention?

Da Wildschweine Überträger der Seuche sind, soll ihr Bestand reduziert werden. Das Agrarministerium will die bisherige Zahl der erlegten Wildschweine genau ermitteln und Jägern, die über ihr bisheriges Kontingent zusätzliches Schwarzwild schießen, 50 Euro Aufwandsentschädigung pro Tier zahlen. Für den Einsatz von Hunden bei Drückjagden soll es 25 Euro pro Hund Zuschuss geben. Außerdem plant das Land, für vier Jahre einen Berufsjäger einzustellen. Er soll Jägern bei Informationsveranstaltungen beibringen, wie Wildschweine in Fallen gefangen werden können.

Download: Präventionsmaßnahmen der Landesregierung Sachsen-Anhalts

Gibt es außer der intensiven Bejagung von Wildschweinen noch andere Vorkehrungen?

Um auf einen Ausbruch der Krankheit besser vorbereitet zu sein, will das Land fünf Container anschaffen, damit verendete Wildschweine so entsorgt werden können, dass keine Körperflüssigkeiten austreten. Fünf Bergeteams werden dazu ausgerüstet. Bereits auf Anweisung des früheren Agrarministers Christian Meyer (Grüne) hatten Mitarbeiter der Landes an einer Übung zum Umgang mit der Afrikanischen Schweinepest teilgenommen.

Was unternehmen andere Bundesländer zur Vorbeugung gegen die Seuche?

Hamburg will den Abschuss von Wildschweinen erleichtern. Dort wurde eine Anordnung zur Aufhebung der Schonzeiten erlassen. Hessen dagegen bleibt bislang bei den geltenden Schonzeiten für Schwarzwild.

Mehr Infos zum Thema

 

Präventionsmaßnahmen der Landesregierung Sachsen-Anhalts

Die Landesregierung Sachsen-Anhalts hat Maßnahmen ergriffen, die das Einschleppen der Krankheit aus den Seuchengebieten in Osteuropa verhindern soll. Dazu zählt auch die Prävention an Fernstraßen. Verkehrsminister Thomas Webel erläutert: „Die Landesstraßenbaubehörde hat besonders die Autobahnraststätten, aber auch alle Rastplätze an Bundes- und Landesstraßen verstärkt im Blick. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Autobahn- und Straßenmeistereien sind aufgefordert, dem zuständigen Veterinäramt zu melden, wenn verendetes Schwarzwild aufgefunden wird.“

Die Maßnahmen sind im Einzelnen:

Information an Fernstraßen

Bereits im vorigen Jahr ist per Erlass unter anderem geregelt worden, dass Müllbehälter regelmäßig geleert und gegen (Plünderung durch) Wildschweine gesichert werden. Darüber hinaus sind an allen Autobahn-Parkplätzen mit WC-Anlagen mehrsprachige  Warnhinweise angebracht worden.

Information der Jägerinnen und Jäger

Ein Flyer mit Informationen für Jägerinnen und Jäger ist in Vorbereitung. Im Mitteilungsblatt des Landesjagdverbandes erscheint im Februarheft ein Artikel zur sachgerechten Probenahme bei Wildschweinen.

50 Euro Prämie für das Auffinden toter Wildschweine

Das Landwirtschaftsministerium vergibt ab Februar 2018 an Jägerinnen und Jäger eine Prämie in Höhe von 50 Euro für das Auffinden und Beproben von toten Wildschweinen.

Überwachung der Hygiene in den Ställen

Das Landwirtschaftsministerium hat die Landkreise und kreisfreien Städte aufgefordert, im Rahmen der Überwachung der Vorschriften der Schweinehaltungshygieneverordnung Maßnahmen der Biosicherheit in Betrieben vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest verstärkt zu kontrollieren.

Vorbereitung auf den Seuchenfall

Sachsen-Anhalt hat an der bundesweiten Übung zur Afrikanischen Schweinepest im November des vergangenen Jahres teilgenommen. Es wird eine weitere länderübergreifende Übung Ende 2018 geben. Für den Seuchenfall wurden 30 mobile Container zur Kadaverzwischenlagerung als Notfallreserve des Landes angeschafft. Zur Bewertung der Seuchenlage bei Auftreten der Seuche, zur Festlegung geeigneter Maßnahmen und zur Beratung der Behörden wurde eine Sachverständigengruppe eingerichtet.

Zur Bejagung von Wildschweinen führt Ministerin Dalbert aus: „Alle Maßnahmen, die zur Erhöhung von Wildschweinstrecken führen, sind aus vielerlei Sicht zu begrüßen, denn der Schwarzwildbestand im Land ist hoch. Die hohe Wildschweindichte verursacht  beispielsweise viele Schäden durch Wildunfälle oder an Deichen. Als Präventionsmaßnahme gegen die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest sind solche Maßnahmen jedoch nicht geeignet. Für eine erfolgreiche Prävention müsste laut Friedrich-Löffler-Institut die Population um mindestens 70 Prozent dauerhaft reduziert werden. Das ist mit Abschussprämien oder anderen Anreizmaßnahmen überhaupt nicht zu erreichen.“

Anlegen von Bejagungsschneisen

Wildschweine gehen zum Fressen gern in Maisfelder. Hier können sie kaum bejagt werden. Deshalb sind Bejagungsschneisen in den Feldern für die Jägerinnen und Jäger hilfreich. Im Rahmen der Agrarförderung des Landwirtschaftsministeriums ist die Anlage von Bejagungsschneisen unter bestimmten Bedingungen und ohne Einschränkung der Beihilfefähigkeit möglich.

Befreiung von Standgeld im Landesforst

Im Landesforst sind die Befreiung von Standgeld bei Bewegungsjagden, die kostenfreie Abgabe von Frischlingen und Überläufern bei Einzeljagden ohne Gewichtsbeschränkung und weitere Maßnahmen zur Förderung der Wildschweinjagd vorgesehen.

Download: Präventionsmaßnahmen der Landesregierung Sachsen-Anhalts

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